Nilgänse: Fütterungsverbot in Sicht

Nilgänse: Fütterungsverbot in Sicht

Das Geschrei der Nilgänse bringt Bürger in Bernkastel-Kues um ihren Schlaf. Ein generelles Fütterungsverbot für Wasservögel könnte helfen. Auch der Naturschutzbund spricht sich dafür aus.

Bernkastel-Kues. Josefa Denzer ist genervt und den Tränen nahe. Das Geschrei der Nilgänse am Moselufer auf der anderen Straßenseite bringt sie und ihren Mann um den Schlaf. "Im Gegensatz zu anderen Anwohnern schlafen wir nach vorne raus", berichtet sie.
Tagsüber kämen ja noch viele andere Geräusche hinzu, doch nachts, wenn draußen weitgehend Ruhe einkehre, sei es unerträglich. Besonders deshalb, weil ein Bürger regelmäßig auch nachts vorfahre und die Gänse füttere. "Dann wird es noch lauter", sagt Denzer.
Jagd in der Stadt nicht erlaubt


Schwäne und Enten gab es auf dem viel frequentierten Platz schon immer. Irgendwann kamen dann die eingewanderten Nilgänse hinzu. "Die Enten haben sie schon vertrieben", sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Ein in großem Stil öffentlich artikuliertes Thema sind die Tiere allerdings offenbar nicht. Die Klagen über Nilgänse hielten sich in Grenzen, sagt Josef Schmitz, Leiter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Solange es die nicht gebe, sehe er auch keine Veranlassung einzuschreiten. Die Jagd auf die Tiere komme sowieso nicht in Frage, weil sie innerhalb von Ortschaften generell verboten sei. Möglich sei ein Fütterungsverbot, das natürlich auch die anderen Tiere betreffen würde.
Ein solches scheint nun möglich zu sein. Stadtbürgermeister Port will das Thema im Stadtrat diskutieren lassen. Ihm geht es dabei nicht nur um das Geschrei der Nilgänse. "Das Moselvorgelände ist zwischen der Brücke und dem Hafen voller Tierexkremente. Von denen könnte auch eine gesundheitliche Gefahr ausgehen", sagt er. Und zu den Nilgänsen merkt er an: "Die sind ja längst nicht mehr nur am Moselufer. Die fliegen umher oder sitzen auf den Dächern. Irgendwann haben die Leute sie in ihren Gärten."
Ein Fütterungsverbot könne zumindest einem Teil der Tiere den Aufenthalt vermiesen. Denselben Vorschlag hatte auch Revierförster Joachim Clemens schon für Traben-Trarbach gemacht (der TV berichtete). Auch dort sind die lauten Nilgänse längst heimisch, was auch zu Widerständen führt. Ein Fütterungsverbot wäre auch im Sinn des Naturschutzbundes (Nabu) Rheinland-Pfalz. "Eine gezielte Lenkung der weidenden Gänse sowie ein angepasstes Management von öffentlichen Grünflächen ist sinnvoll. Dazu zählt unter anderem ein Fütterungsverbot," sagt Laura Kettering, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit.
Die Fütterung schade mehr als sie nutze. Zum Beispiel, weil Brot und Brötchen im Übermaß zum Einsatz kommen. Außerdem werde der Nährstoffhaushalt der Gewässer negativ beeinflusst.Meinung

Das Problem ist hausgemacht
Wer Kinder oder Enkel hat und dort wohnt, wo Wasservögel vorkommen, kennt das Spiel. Altes Brot in die Tüte, das Kind an die Hand, und ab geht es zur Fütterung der Tiere. Das Problem ist also durchaus hausgemacht. Durch das Auftauchen der Nilgänse ist es aber offenkundiger geworden, weil die so laut sind. Und wo viele Leute unterwegs sind, zum Beispiel an den beiden Moselufern in Bernkastel-Kues, fällt immer etwas ab. Dort wo sich selten Menschen aufhalten, sind auch kaum Wasservögel. So einfach ist das! Ein Fütterungsverbot macht Sinn. Es wird auch nicht zum Aussterben der Tiere führen. Passiert nichts, werden die Nilgänse wahrscheinlich auch die übrigen nicht so lauten Tiere noch vertreiben und ihr Revier auch noch weiter ausdehnen. c.beckmann@volksfreund.de

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