Noch fehlt Geld fürs Gästehaus

Der Verein Live soziale Chancen in Deuselbach will am höchsten Berg in Rheinland-Pfalz ein Gästehaus bauen. Erste Fördergelder der EU sollen bald fließen. Aber noch ist nicht genug Geld beisammen.

Erbeskopf Am Fuße des höchsten Bergs von Rheinland-Pfalz übernachten und den Anblick des Sternenhimmels genießen? Das war bisher kaum möglich, es sei denn, man ist mit dem Wohnmobil unterwegs und parkt am Hunsrückhaus. Aber in absehbarer Zeit könnte sich das ändern.
Denn die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier hat nun 200 000 Euro für das Projekt "Wilde Heimat - Aufbau eines Gastronomie-und Übernachtungsangebotes als Integrationsbetrieb am Nationalparktor Erbeskopf" bereitgestellt.
Die Waldgaststätte, in der die Skifahrer und Wanderer sich früher trafen, könnte nach einem Umbau und einem teilweisen Abriss zu einem Hotel umfunktioniert werden.
Die ADD hat dem Verein Live soziale Chancen eine Zuwendung von 200 000 Euro aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes und aus Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz bewilligt. Ausgehend von dem bereits seit dem Jahr 2010 vorhandenen Freizeitangebot des Hochseilgartens Highlive will der Verein die Grundidee einer Verbindung seiner sozialpädagogischen Arbeit mit einem touristisch attraktiven Erlebnisangebot weiter ausbauen.
Rund um das Hunsrückhaus soll demnach ein naturnaher und barrierefreier Übernachtungsbetrieb entstehen, der Besucher, Touristen und naturinteressierte Gruppen ansprechen soll.
Wie Josef Adams von der Verbandsgemeinde Thalfang mitteilt, die auch Mitglied im Zweckverband Erbeskopf ist, werde der Verband das Grundstück für den Hotelbau bereitstellen und einen Pachtvertrag abschließen. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Zweckverbandes so beschlossen. Der Zweckverband hatte bereits im Frühjahr eine entsprechende Absichtserklärung verabschiedet. Mit einem weiteren Zuschuss des Zweckverbandes sei jedoch - in Anbetracht der hohen Schulden der Kommunen - nicht zu rechnen.
Für Thomas Mai, Geschäftsführer des in Deuselbach ansässigen Vereins, sind das dennoch gute Voraussetzungen. Die Idee sei durch die Gründung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald vor zwei Jahren entstanden. Dadurch wachse der Bedarf an gastronomischen Angeboten. Sein Plan: Es soll ein Restaurant mit 100 Plätzen entstehen. Hinzu kommen 50 Betten. Von der ehemaligen Waldgaststätte soll nur die Stahlkonstruktion stehen bleiben. Der Umbau der ehemaligen Waldgaststätte wird zirka 650 000 Euro kosten, insgesamt sollen sich die Kosten auf 1,9 Millionen Euro belaufen.
Die Gaststätte soll mit einer Außenterrasse erweitert werden, mit acht Fremdenzimmern, die komplett barrierefrei ausgebaut werden sollen. Als Erweiterung wären kleinere Ferienhäuser um die Gaststätte herum, plus ein neues Gebäude mit Mehrzweckraum und Seminarraum möglich. "Wir sprechen Gruppenreisende an, Schulklassen und Vereine, aber auch Einzelurlauber und Familien," sagt Mai. Zumindest die EU-Mittel sollen jetzt schon mal fließen, weitere Fördergelder vom Land und von der Aktion Mensch könnten später hinzukommen. Thomas Mai: "Es sind noch einige Schritte zu gehen. Das ist ein komplexes Projekt, weil es verschiedene Fördermittelgeber gibt.
Der Beschluss des Pachtvertrages und die Fördermittel der ADD sind wichtige Meilensteine, aber wir haben noch einiges vor uns. Wir sind derzeit in Gesprächen mit dem Land und es wird noch eine Menge Zeit ins Land gehen. Wir passen als Integrationsunternehmen zu 100 Prozent in das Konzept von Aktion Mensch und haben eine erste Bewilligung bekommen." Ein Hauptantrag könne aber erst gestellt werden, wenn die Inklusion anerkannt ist. "Das Projekt ist nicht mehr fraglich, aber solche Prozesse dauern einfach," sagt Mai.
Extra: ZUR GASTRONOMIE


Je nach Bedarf der Gäste soll es unterschiedliche Angebote geben: von Selbstbedienung über Büfett bis hin zu jahreszeitlich abgestimmten á la carte-Angeboten und Erlebnisgastronomie. Zum Hotel: Alle Gästezimmer werden, wie auch der Gastronomiebereich, barrierefrei zugänglich sein. Einige Zimmer und öffentliche Toiletten sind auch rollstuhlgeeignet. An einem der Tore des Nationalparks sollen auch Angebote gemacht werden - zum Beispiel im Bereich Bildung, Freizeit und Sport. Live soziale Chancen betreibt seit 2010 bereits den Hochseilgarten Highlive am Erbeskopf. Die Energieversorgung soll über ein von der Nationalparkverwaltung geplantes Nahwärmenetz erfolgen.Extra: LAG UND LEADER


Die Europäische Union und das Land Rheinland-Pfalz fördern gemeinsam Entwicklungsstrategien für den ländlichen Raum. Leader ist ein Förderinstrument zur Stärkung und Weiterentwicklung ländlicher Gebiete. Im Mittelpunkt der Förderung stehen Vorhaben, die die Innovations-und Wirtschaftskraft in den Regionen stärken, Arbeitsplätze im Ländlichen Raum erhalten und neu schaffen, die interkommunale Zusammenarbeit und den Tourismus fördern. Jedem Aktionsgebiet steht eine Leader-Aktionsgruppe vor (LAG) vor, die für die Umsetzung verantwortlich ist. Das Gebiet der LAG Erbeskopf umfasst die Verbandsgemeinde Herrstein, Stadt Idar-Oberstein sowie den Verbandsgemeinden Birkenfeld, Hermeskeil, Kell am See, Thalfang am Erbeskopf, Birkenfeld, Hochwaldgemeinden der Verbandsgemeinde Ruwer, Verbandsfreie Gemeinde Morbach und Gornhausen in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues.