Noch immer kein Kultur-Konzept

Zum wiederholten Mal sprechen am heutigen Dienstag die Mitglieder des Kulturausschusses der Stadt Wittlich hinter verschlossenen Türen über ein Kulturkonzept. Mit einem im Stadtrat noch zu diskutierenden Ergebnis ist nach Auskunft der Stadtverwaltung noch nicht zu rechnen.

Darf die Kunst von Hanns Scherl im Georg-Meistermann-Museum ausgestellt werden? Die Diskussion darum war Anlass für ein Kulturkonzept. TV-Foto: Archiv/Sonja Sünnen

Wittlich. Was Ende April und auch im Mai in Sachen Kulturkonzept für die Stadt Wittlich galt, gilt knapp ein halbes Jahr später immer noch: Wie die städtische Kulturarbeit in Zukunft aussehen wird, kann derzeit noch niemand endgültig sagen. Daran ändert auch die heute stattfindende Sitzung des Kulturausschusses wohl nichts.

Noch kein endgültiger Entwurf



Auf Anfrage teilte Stadtsprecher Ulrich Jacoby mit, dass nach der Sitzung vermutlich kein endgültiger Entwurf erarbeitet sein wird. Und dass, obwohl sich das Gremium zum wiederholten Mal mit dem Thema auseinandersetzt.

Über Gründe für die Dauer des Entscheidungsprozesses kann derzeit nur spekuliert werden. Schließlich sind die Beratungen nichtöffentlich. Am Zeitdruck dürfte es nicht liegen, dass weiter kein neues Konzept für die Kultur auf dem Tisch liegt. Denn es ist mehr als ein Jahr her, dass die Stadtratsfraktion der Grünen eine solche Konzeption eingefordert hat (der TV berichtete). Wie in solchen Angelegenheiten üblich, wurde der Wunsch nach einem solchen Papier vom Stadtrat im Juni 2007 in den zuständigenKulturausschuss verwiesen.

Großer Mittel- und Personaleinsatz



Dessen Mitgliedern legte Kulturamtsleiter Justinus Maria Calleen im September 2007 und im April 2008 Grundlagenpapiere vor, die Sammlungs-, Bewahrungs-, Ausstellungs-, Vermittlungs- und Forschungsarbeit zu erweitern und auszubauen. "Dazu bedarf es eines großen Mittel- und Personaleinsatzes", schrieb Calleen damals.

Zur Resonanz auf die Vorstellungen des Kulturamtsleiters gibt es keine offiziellen Aussagen. Nach TV-Informationen sollen die Ausführungen Calleens bei vielen Ausschussmitgliedern auf wenig Gegenliebe gestoßen sein.

Sollte sich der Kulturausschuss auf einen gemeinsamen Vorschlag für eine gemeinsame Linie einigen, wird das Konzept abschließend im Stadtrat besprochen. Dies wird aufgrund der Ausgangslage frühestens im Oktober soweit sein. Erst danach kann es auch umgesetzt werden. Auslöser der Diskussion um die Kulturarbeit in Wittlich und ein Kulturkonzept war die sogenannte Scherl-Debatte. Dabei ging es um eine von der CDU-Fraktion im Wittlicher Stadtrat im März 2006 vorgeschlagene Ausstellung von Werken des Künstlers Hanns Scherl sowie von Rudolf Schöfer und Tony Munzlinger im Alten Rathaus. Dort ist ein Museum mit Arbeiten von Georg Meistermann untergebracht.

Meinung

Vermintes Gelände

Ob der aktuelle Stadtrat noch über ein Konzept für die Kulturarbeit abstimmen wird, wird von Monat zu Monat fraglicher. Denn offensichtlich fällt es den Akteuren schwer, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass der Kulturausschuss tagt und tagt und tagt? Diese offensichtlichen Schwierigkeiten sind ein Resultat der Scherl-Debatte. Damals wurde dikutiert, ob die Werke Hanns Scherls im Wittlicher Meistwermann-Museum gezeigt werden dürfen. Diese teils unselige Debatte polarisierte nicht nur die normalen Bürger, sondern auch deren Vertreter im Stadtrat und im Ausschuss. Spätestens seit dieser teilweise auf fragwürdigem Niveau abgelaufenen Auseinandersetzung ist die Kulturarbeit in Wittlich vermintes Gelände. Deshalb ist es durchaus vorstellbar, dass am Ende der Diskussion in den politischen Gremien ein Konzept herauskommt, das mit Ausnahme einiger Schönheitsreparaturen am Status quo nichts ändern wird. Fragt sich, wem damit geholfen ist. h.jansen@volksfreund.de