Noch keine Entscheidung über Windräder

Noch keine Entscheidung über Windräder

Bei einer Anhörung haben Vertreter von Behörden und Gutachter Einwände gegen den Bau von Windanlagen auf Merschbacher Gemarkung zurückgewiesen. Kritiker der Pläne bemängeln, dass das Gebiet rund um den Ranzenkopf scheibchenweise und nicht als Ganzes betrachtet wird.

Merschbach/Haag. Gibt es Einwände gegen Bau und Betrieb von zwei Windräder auf Merschbacher Gemarkung? Darum ging es bei einer Anhörung im dortigen Gemeindesaal. 200 Meter hoch sind die geplanten Anlagen, eines soll 1012 Meter von der Ortslage Haag entfernt gebaut werden. Auf der einen Seite sind vier Einzelpersonen sowie Vertreter der Naturschutzorganisation Nabu, die ihre Bedenken angemeldet haben. Auf der anderen Seite sitzen zwölf Vertreter des Bauherrn und diverser Behörden bereit, sich zu den Einwänden zu äußern. Doch geht es den Personen, die Bedenken vorbringen, nicht nur um die beiden Merschbacher Anlagen. "Ich weiß, sie wollen über die Gesamtsituation am Ranzenkopf sprechen", sagt Yvonne Mathei von der Kreisverwaltung, die durch die Anhörung führt. Insgesamt sind in dem Waldstück 50 Windräder geplant. Doch betreffe diese Anhörung lediglich den Antrag des Unternehmens Abo Wind auf Erteilung einer immissionsrechtlichen Genehmigung zur Errichtung und Betrieb von zwei Windrädern auf Merschbacher Gebiet. Dabei geht es um Störfaktoren der Anlagen auf Mensch und Natur.
Gutachter weist Kritik zurück


Der größte Teil der Einwände betrifft die Situation von gefährdeten Tierarten, wie Schwarzstorch, Rotmilan, Fledermäuse und Wildkatze. Haben die Gutachter vom richtigen Standpunkt aus in die richtige Richtung geschaut, um die Jagd- und Fluggebiete der Vögel sowie ihre Horste korrekt zu kartieren? Wie fließen neu entdeckte Horste in die Entscheidung mit ein? Diplom-Biogeograf Lutz Goldammer aus Nohfelden, der das vorgesehene Gebiet auf die Tiervorkommen untersucht hat, verweist auf seine lange Berufspraxis - "Ich mache das seit 30 Jahren, das geht nur über Erfahrung." - und beschreibt mithilfe zahlreicher Karten die Gebiete, in denen die verschiedenen Arten sich aufhalten und jagen. Kritik an seiner Arbeit weist er zurück: "Wir haben 400 Stunden den Schwarzstorch beobachtet und viele Flugbeobachtungen erfasst. Wir arbeiten sauber." Cosima Lindemann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sagt, dass die Raumordnungsanalysen weit besser erfolgt seien als bei vielen anderen Verfahren. Gegen Ende der Anhörung sind die Personen, die die Einwände erstellt haben, unzufrieden. Karin Fass-Gronau von der Bürgerinitiative Wald in Not spricht von den ideellen Werten des Gebiets um den Ranzenkopf wie den Erholungswert und um das Ökosystem im gesamten Gebiet. Dazu bemängelt sie das Festhalten der Genehmigungsbehörde an Formalitäten. "An die haben wir uns zu halten", entgegnet Mathei. Für Klaus Hammer aus Haag und Cosima Lindemann vom Nabu ist es unbefriedigend, dass immer nur ein Teil der Anlagen am Ranzenkopf und nicht das gesamte Gebiet angeschaut wird. "Das passiert nur scheibchenweise", sagt Hammer. Die Windräder entstünden im Landschaftsschutzgebiet, sagt Lindemann. Falls diese genehmigt würden, würde das Schutzgebiet entwertet.
Wie geht es weiter? Mathei sagt, nach dem Eintreffen der Stellungnahmen von Fachbehörden entscheide die Immissionsschutzbehörde bei der Kreisverwaltung über den Antrag von Abowind. Der Bescheid werde veröffentlicht. cst