Noch nicht fertig mit der Welt
Peter Sodann, der ehemalige Tatort-Kommissar und Kandidat der Linken für die Bundespräsidentenwahl, las in der Synagoge Texte mit Tiefgang und präsentierte sich als leidenschaftlicher Ost-West-Witzeerzähler.
Wittlich. (sys) "Das Wort Ruhestand klingt, als wäre die Welt fertig mit einem. Aber ich bin noch nicht fertig mit ihr", das machte Peter Sodann (73) am Samstagabend in der Wittlicher Synagoge deutlich. Dass er der Welt noch viel zu sagen hat, weil sie verbesserungswürdig ist, zeigte die Auswahl der Texte, die er 70 Zuhörern vortrug. Peter Sodann zitierte Bertolt Brecht, Mahatma Gandhi und Siegfried Lenz, trug poetische Gedichte, weise Parabeln und tiefgründige Kurzgeschichten vor, gab eigene Reden zum Besten und las aus seinen autobiografischen Erinnerungen.
Die Texte waren unterm Strich ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Wahrhaftigkeit. Seitenhiebe verteilte er an Manager wie Josef Ackermann und Klaus Zumwinkel, Außenminister Guido Westerwelle, die deutsche Bildungspolitik, den Afghanistaneinsatz und die Atomkraft.
Zur Aufheiterung wählte Sodann neben Lügenversen Ost-West-Witze, mit denen er auf die Unterschiede beider deutscher Bevölkerungsteile abhob. Dass er selbst die deutsche Einheit im Kopf noch nicht vollzogen hat, zeigte die Wortwahl des Sachsen, bei der er klar in "wir" und "ihr" trennte. Als sei die DDR noch existent, sagte er, "die DDR ist heute mehr pleite als damals".
Er würde auch fünf Stunden vorlesen, bot er an. "Junge, lies nicht so viel, du wirst ja noch ganz dumm darüber", habe ihn aber schon seine Mutter gewarnt. Es fällt ihm schwer, sich daran zu halten. Er zieht immer weitere Blätter aus seinen Kladden und seiner "roten Mappe" oder nimmt sich wieder eine Passage aus einem seiner eigenen Bücher hervor.
Zum Glück. Denn Sodann hat etwas zu sagen. Und das geht weit übers Politisieren hinaus. Es öffnet den Blick aufs Wesentliche. Der war nur durch die miserable Akustik gefährdet, die Sodann und das Publikum zweieinhalb Stunden lang Nerven kostete.