Noch zweigleisig trotz Fusion

Dennis Junk ist seit 100 Tagen Bürgermeister der neuen VG Wittlich-Land. Im TV-Interview erzählt er von der Herausforderung, zwei ehemals selbstständige Verbandsgemeinden zusammenzuführen. Die Fragen stellte Hans-Peter Linz.

Salmtal. Der Start von Dennis Junk als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land war von weitreichenden Entwicklungen überschattet. Schließlich wurde kurz nach seiner Wahl die Verbandsgemeinde Manderscheid der VG Wittlich-Land angeschlossen. Junk wurde Bürgermeister von nunmehr 45 Ortsgemeinden eines Raumes, der im Norden, der ehemaligen VG Manderscheid, von Tourismus und im Süden von Wirtschaft geprägt ist. Im Gespräch mit TV-Redakteur Hans-Peter Linz zieht Junk Bilanz über die ersten 100 Tage seiner Amtszeit, die acht Jahre dauern wird. Es sind tatsächlich auch "echte" 100 Tage, denn Junk hat in diesem Jahr auf seinen Sommerurlaub verzichtet, um bei seiner Arbeit im Rathaus voranzukommen.Wie klappt die Zusammenarbeit mit der ehemaligen VG-Verwaltung in Manderscheid? Immerhin müssen Sie ja zwei Verwaltungen zusammenführen.Dennis Junk: Die Zusammenarbeit mit Manderscheid klappt sehr gut. Wir haben die Geschäftsbereiche, so wie es die Gemeindeordnung vorsieht, mit dem Ersten Beigeordneten Wolfgang Schmitz in Manderscheid aufgeteilt. Herr Schmitz ist für die Bereiche Finanzen (mit Ausnahme des VG-Haushaltes) Jagd, Forst und Fischerei, sowie die Neustrukturierung des Tourismus zuständig. Wir sind derzeit in Gesprächen, welche Bereiche zukünftig in der Außenstelle Manderscheid verbleiben. Klar ist, dass es auf jeden Fall ein Bürgerbüro mit einem Sozialamt geben wird. Sie müssen schließlich zwei Verwaltungen unter einen Hut bringen…Junk: Ja, sofern der Verfassungsgerichtshof die Klagen, die sowohl die alte VG Wittlich- Land als auch die VG Manderscheid gegen die Kommunalreform eingereicht haben, abweist, bleibt es bei der Zusammenlegung der beiden Verwaltungen. Lässt sich abschätzen, wann das Gericht sein Urteil fällt?Junk: Nach dem derzeitigen Stand ist es unwahrscheinlich, dass in diesem Jahr noch eine Entscheidung fällt. Wir müssen also weiter zweigleisig fahren, um gegebenenfalls die Verwaltungen wieder zu trennen. Das ist mehr als unbefriedigend, denn die Leute wollen Klarheit. Wir haben die besondere Situation, dass wir während der Eingliederungsphase Themen angehen, die in Wittlich und Manderscheid jeweils unterschiedlich gemacht und bewertet worden sind. Das muss man in einer der neuen VG anpassen. Deshalb kommen jetzt alle politischen Themen auf den Prüfstand. Es gibt in Nierstein-Oppenheim und in Enkenbach-Alsenborn vergleichbare Fälle, wo das Land zumindest einen finanziellen Ausgleich gezahlt hat. Ich bin gespannt, wie das Gericht diese Problematik bewerten wird. Wirkt sich das auch in der Personalpolitik aus?Junk: Wir sind dabei, eine neue Organisationsstruktur zu erarbeiten. Es wird Mitarbeiter geben, die möglicherweise von Manderscheid nach Wittlich wechseln oder aber andere Tätigkeiten in Manderscheid übernehmen werden. Ich bin froh, dass alle Mitarbeiter bereit sind, sich zu bewegen. Das gilt für Manderscheid und auch für Wittlich. So können wir gemeinsame Lösungen finden. Allerdings bleibt die Personalentwicklung langfristig blockiert, solange noch kein Urteil über die Klage da ist.Sie suchen aber derzeit Personal, um Stellen zu besetzen.Junk: Ja, wir haben Stellenanzeigen geschaltet. Da geht es vorrangig um Ausbildungsplätze und spezielle Arbeitsplätze, die wir mit dem vorhandenen Personal nicht besetzen können. Darüber hinaus brauchen wir in den nächsten Jahren Personal, weil mehrere Kollegen auch aufgrund der neuen 63-er Regelung in den Ruhestand gehen. Ich halte es für wichtig, dass die VG ihr Personal auch selbst ausbildet, anstatt es immer woanders abzuwerben.Gegen Jahresende muss die VG auch einen Haushalt einbringen. Wie ist der Stand der Dinge?Junk: Wir haben alle schwierigen Themen in den jeweiligen Ausschüssen bereits andiskutiert. Die Fraktionen im VG-Rat gehen alle sehr vernünftig mit dieser schwierigen Situation um und zeigen allesamt Kompromissbereitschaft. Das ist eine sehr positive Entwicklung, die man vor dem ersten Juli nicht unbedingt erwarten konnte. Zwei Themen haben auch in den Sommerferien für Aufruhr gesorgt: Der geplante Schießstand in Landscheid und ein Umweltskandal bei Binsfeld, wo krebserregende Substanzen im Grundwasser gefunden wurden.Junk: Das sind herausfordernde Themen. Was Binsfeld betrifft, sind wir froh, dass die SGD Nord sich so intensiv und transparent um die Untersuchungen kümmert. Wir sind nicht der Verursacher. Wir haben den Schadenersatz frühzeitig angemeldet. Unsere VG-Werke prüfen nun regelmäßig den Klärschlamm. Mehr können wir nicht tun. Beim Schießstand Landscheid müssen wir abwarten, bis die vielen Bürger-Einwendungen gegen das Projekt aufgearbeitet sind. Die Leute erwarten, dass wir uns damit kritisch auseinandersetzen. Und das braucht seine Zeit. Der Investor wie auch die Bürger haben ein Recht darauf, dass das transparent abläuft. Wann gibt es ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung?Junk: Bis zur nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderates ist wohl nicht mehr damit zur rechnen. Falls wir aber in diesem Jahr noch ein Ergebnis erhalten, machen wir eine Sondersitzung des VG-Rates zum Thema Schießstand Landscheid. Es ist nämlich keinem geholfen, wenn wir die Diskussion voreilig führen. hplExtra

Dennis Junk wurde am 30. April 1984 in Wittlich geboren und ist in Hontheim aufgewachsen. Seit 2012 ist er mit Sabine Reinheimer verheiratet, die als Assistenzärztin arbeitet. Im Mai vergangenen Jahres kam Tochter Luisa-Marie auf die Welt. Seit 2009 lebt die Familie in Salmtal. hpl