Norbert Lammert war in Klausen bei den Eifel-Kulturtage zu Gast

Vortrag : Norbert Lammert findet in Klausen klare Worte zu Europa

Norbert Lammert, zwölf Jahre Präsident des deutschen Bundestages, war in Klausen bei den Eifel-Kulturtagen zu Gast.

„Es ist paradox: Aus historischer Sicht war Europa nie in einer besseren Verfassung und doch war Europa als organisierte Staatengemeinschaft noch nie in einer schlechteren Lage, als heute“. Diese Kernthese zog sich wie ein roter Faden durch die Texte, die Norbert Lammert in der Klausener Wallfahrtskirche vorlas. Sie waren aus verschiedenen zeitlichen Epochen von 1939 bis 2019 und die Autoren waren verschiedener Herkunft, verschiedenen Glaubens oder haben besondere Rollen in der Gesellschaft, beispielsweise von Navid Kermani, ein Deutscher iranischer Herkunft aus Köln, Islamwissenschaftler und glühender Europäer. Er hat, so Professor Lammert „die schönste Liebesgeschichte an das Grundgesetz geschrieben, die ich je gehört habe.“ Er hat Europa als „größte Errungenschaft bezeichnet, die  Völker befriedet und ökonomischen Wohlstand hervorgebracht hat.“ Die Zerrissenheit zu Europa hat Thomas Brasch zum Ausdruck gebracht: „Was ich habe, will ich nicht verlieren, wo ich bin will ich nicht bleiben.“ Einen sehr beachtlichen Text hat auch Eva Menasse vor zwei Jahren  veröffentlicht. Darin schreibt sie, dass die Angst in vielen europäischen Staaten regiert. Angst vor der Globalisierung, der Zukunft, den Flüchtlingen oder einfach Angst vor der Angst. Sie stellt aber auch die These auf, ob es vielleicht gar keine Angst sei, sondern auch die Lust der totalen Grenzüberschreitung.

Im anschließenden Gespräch ging es darum, ob die Europäische Union und die Nato nicht vielleicht überholte Relikte aus vergangener Zeit sei. Dazu hatte Norbert Lammert eine klare Haltung. Er ist der Meinung: „Man muss schützen, was einem wichtig ist! Die Nato brauchen wir, denn es gibt in Europa bereits gewaltsame Grenzverschiebungen und Russland hat in Königsberg Mittelstreckenraketen stationiert, die eine Reichweite bis Island und Berlin haben. Das ist kein Kino, darauf stellen wir uns besser ein.“

Das Europa oft wie ein zahnloser Tiger wirke, merkte der Dominikanerpater an, Lammert antwortete darauf, dass Geschlossenheit in Europa schwierig sei, „da es ja kein eigener Staat ist, was ich sehr befürworten würde, sondern eine Staatengemeinschaft.“

Den Besuchern war das Thema Flüchtlinge, und wie man in Europa mit ihnen umgehen könne, eine wichtige Frage. Für Lammert ist klar, dass in unserer Verfassung steht, dass politisch Verfolgte bei uns Asyl genießen. „Wenn wir das so gemeint haben, wie es aufgeschrieben ist, dann gilt das.“ Die Frage ist für ihn nur: „wer ist politisch verfolgt und wer möchte hier leben, weil hier die Zukunftsaussichten besser sind, als in dem Land, aus dem er kommt?“ Weiter erklärt er: „Zudem leben wir in einem Rechtsstaat und dort wird in ordentlichen Verfahren entschieden, das ist manchmal kompliziert.“  Die einzige Lösung ist für ihn eine zumutbare Lastenverteilung innerhalb von Europa. Zur Kirche merkte er an, dass es schade sei, dass die Bischöfe keine einheitlichen Lösungen finden und auch als Ortsbischöfe nicht handelten, bei den vielfältigen Problemen der Institution, die vielen Menschen Orientierung gebe.     Bei einem Glas Wein, unter anderem mit Peter Rauen aus Salmtal, der bis 2009 Mitglied des Bundestags war, und den Norbert Lammert aus dem Bundestag gut kennt, klang der Abend aus.

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