Norma soll nach Hetzerath kommen

Ein Supermarkt direkt im Ort. Das wünschen sich viele Bürger. In Hetzerath könnte sich dieser Wunsch erfüllen: Der Kreisverwaltung liegt ein Antrag auf Bau eines Supermarktes mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern und 72 Parkplätzen vor. Der Haken: Gebaut werden soll der Markt auf dem Festplatz am Kreisel, auf dem bislang der Karnevalsverein gefeiert hat. Auch der Bolzplatz müsste weichen.

Hetzerath. Ein Blick in die Gemeindestatistik von Hetzerath zeigt: Der Ort ist beliebt. Waren hier Ende 2005 noch 2047 Einwohner mit Hauptwohnsitz gemeldet, leben derzeit (Stand: 7. Oktober) 2182 Männer und Frauen in der Gemeinde. "Hetzerath wächst ständig", sagt auch Ortsbürgermeister Werner Monzel, "doch unser Angebot an Lebensmitteln im Ort lässt zu wünschen übrig." Zwar gebe es beispielsweise drei Bäckereien davon eine mit Lebensmittelangebot, Metzgereien und den Verkaufsshop der Tankstelle. Ein echtes Lebensmittelgeschäft allerdings sucht man in Hetzerath vergebens. Die nächsten Supermärkte liegen in Salmtal und Schweich. Und so ist die Ansiedlung eines Lebensmittelgeschäftes laut dem Ortsbürgermeister schon "seit Jahren" ein Thema in der Gemeinde. Inzwischen ist Bewegung in die Sache gekommen: Der Kreisverwaltung liegt ein Antrag zum Bau eines Supermarktes mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern und 72 Parkplätzen vor. Laut Ortschef Monzel will ein Investor einen Supermarkt errichten, den dann die Lebensmittelkette Norma betreiben wird (siehe Extra).
Neuer Platz fürs Festzelt gesucht


Eine Nachricht, die in Hetzerath durchaus positiv aufgenommen wird. "Ich als Privatperson freue mich, dass ich nicht mehr nach Schweich oder Salmtal fahren muss, sondern theoretisch alles im Dorf kaufen kann", sagt der Hetzerather Sascha Kön. Allerdings ist Kön nicht nur Privatperson, sondern auch Erster Vorsitzender der Hetzerather Carnevalsgesellschaft (HCG). Und die ist eine der Leidtragenden des Projekts "Ansiedlung eines Supermarktes in Hetzerath": Denn gebaut werden soll der Discounter auf der 5000 Quadratmeter großen Fläche des bisherigen Festplatzes - genau dort also, wo die HCG jedes Jahr zur Karnevalszeit ein Festzelt aufbaut, um den Weiberdonnerstag, Kinderkarneval, Kappensitzungen und nach dem Karnevalsumzug zu feiern. Zuletzt zählte die HCG - ebenfalls in einem Festzelt - während ihres Oktoberfestes an drei Abenden gut 600 Gäste. Laut Ortsbürgermeister Werner Monzel war dies "wohl die letzte Veranstaltung, die auf dem Festplatz stattgefunden hat".
"Sehr schade" findet das der HCG-Vorsitzende Kön. Denn ausweichen in die Bürgerhalle - das wollen die Karnevalisten nicht: "Die Stimmung in einem Festzelt ist eine ganz andere", weiß Kön. Und er ist nicht der Einzige, der dem Bau eines Supermarktes an dieser Stelle nicht nur Positives abgewinnen kann. Auch Michael Keipp, Erster Vorsitzender des Sport-Fördervereins (SFV) Hetzerath, sieht die Pläne mit gemischten Gefühlen. Zwar sagt auch er, dass es schön sei, dass man mit dem Markt künftig im Dorf "kürzere Wege hat". Doch sein Verein organisiert auch das alljährliche Bolzplatzturnier, bei dem regelmäßig Dutzende Kinder, Jugendliche und Erwachsene gegeneinander kicken. Gefeiert wird auf dem Festplatz, Fußball gespielt auf dem daran angrenzenden Bolzplatz, der laut Keipp auch sonst rege genutzt wird: "Da sind immer irgendwelche Kinder am Spielen." Doch auch der Bolzplatz würde mit dem Bau des Supermarktes verschwinden, was der SFV-Vorsitzende als "nicht prickelnd" bezeichnet.
Vorwürfe in Richtung der Gemeinde erheben die Vorsitzenden aber nicht. Im Gegenteil: Sie setzen ihre Hoffnungen bei der Suche nach einem Alternativstandort auf Ortschef Monzel. "Ich bin mir sicher, dass wir zusammen mit ihm eine Lösung finden werden", sagt Michael Keipp. Ähnlich äußert sich Sascha Kön - auch wenn es für die Karnevalisten zeitlich enger wird: "Mitte Februar brauchen wir einen neuen Platz für unser Festzelt", sagt der HCG-Vorsitzende. Der Ortsbürgermeister ist zuversichtlich, dass das gelingen wird: "Das ganze Dorf ist bereits auf der Suche nach einer neuen Fläche."Extra

Verantwortlich für die Ansiedlung eines Norma-Supermarktes in Hetzerath ist die WI-Projektplan GmbH, ein Tochterunternehmen der bundesweit tätigen WI-IMMOGroup mit Sitz in Hildesheim. Geschäftsführer ist der gebürtige Trierer Frank Winkel. Investiert werden am Standort Hetzerath circa zwei Millionen Euro. "Wesentliche Entscheidungspunkte, an diesem Standort zu investieren, waren die hervorragende Lage in der Gemeinde Hetzerath und dass der Bedarf eines Nahversorgers gegeben ist", erklärt Winkel. Er lobt die "vorbildliche und zielführende Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Gemeinde". Man wolle nach Erteilung der Baugenehmigung "zügig" mit dem Bau starten, "so dass wir spätestens Mitte 2015 an Norma übergeben", sagt der Projektentwickler. neb

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