Nostalgische Erinnerungen mit Posaune, Orgel und Schlagzeug

Nostalgische Erinnerungen mit Posaune, Orgel und Schlagzeug

Elf Jahre haben seine Fans auf ihn gewartet - nun haben sie ordentlich was auf die Ohren bekommen: Lautes und Gutes. Damals war Nils Wogram mit seinem Ensemble Root 70 in Wittlich, nun ist er mit dem Organisten Arno Krijger und dem Schlagzeuger Dejan Terzic als Nostalgia-Trio zurückgekehrt.

Wittlich. Er ist ein Ausnahmemusiker: der 39-jährige Jazzposaunist Nils Wogram. Als Kind begann er, Posaune zu spielen, sobald sein Arm lang genug für das Instrument war. Und Zug um Zug entwickelte er sich zu einem der besten Posaunisten überhaupt. Er studierte sein Instrument zunächst in Braunschweig, später in New York zusätzlich noch Komposition. Heute lehrt er selbst an der Hochschule im schweizerischen Luzern.
Sein Konzert war die erste Veranstaltung der neuen Konzertreihe des Jazzclubs Wittlich.
Der erste, dem es die Schuhe auszog, war Arno Krijger an der Hammond-Orgel, er spielte die Pedale in Socken. Die älteren Zuhörer, und das war die Mehrzahl der etwa 70 Besucher, schwelgten bei diesem Klang in Erinnerungen an die 1970er Jahre. Doch ließ die Musik des Trios kaum Raum für melancholische Nostalgie oder Retro-Feeling.
Wittlicher Kulturtage


Die Musiker boten Chili statt chillen und nichts für kuschelige Stunden - mit Ausnahme des Titels "Fundamentals", einer etwas ruhigeren, doch leidenschaftlichen Komposition Wograms, die er seiner Mutter zum siebzigsten Geburtstag schenkte. Im Mittelteil mit Glockenspiel statt Percussion, viel "Hammond" und einer liebevollen, sanften Posaune. Es gibt ihn also doch, den modernen Heintje.
Die ersten Stücke nach der Pause ließen vermuten: Der erste Teil des Konzerts musste das "Warm-up" gewesen sein. Temporeich, spannend und in einer unglaublichen Qualität bot das Trio feinsten Jazz für Kenner und Könner. War so mancher Titel vor der Pause beinahe ernst, so schäumten die drei Musiker nun vor Spielfreude und Spaß.
Dejan Terzic, ein Meister der Synkopen am Schlagzeug, war kaum zu bändigen, Wogram brillierte mit einem unglaublichen Tempo und bewies, dass man nicht nur einen langen Arm, sondern auch einen langen Atem und noch mehr Talent braucht, um derart perfekt das Posaunenspiel zu beherrschen. romi

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