Notgroschen, Euro-Krise und gute Jobchancen

Notgroschen, Euro-Krise und gute Jobchancen

Oberstufenschüler aus den Sozialkundeleistungskursen des Cusanus-Gymnasiums Wittlich hatten gestern die Gelegenheit, im Rahmen des TV-KLASSE!-Projekts Experten der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank (VVR) zu Finanzthemen zu befragen - und das Themenspektrum war weit gesteckt.

Wittlich. Euro-Krise, Alters-Vorsorge, Aktienhandel, Jugendarbeitslosigkeit, Ausbildung - über zwei Stunden löcherten die bestens vorbereiteten Elft- und Zwölftklässler des Cusanus-Gymnasiums die drei Experten der VVR-Bank, Silke Otten (Ausbildungsverantwortliche), Uli Schlösser (Bereichsleiter Individualkunden) und Bankvorstand Michael Hoeck im Rahmen der TV-KLASSE!-Schülerpressekonferenz in Wittlich. Der Volksfreund dokumentiert die wichtigsten Fragen und Antworten.
Hat der Euro eine Zukunft?
Hoeck: Ja, auf jeden Fall, denn es gibt keinen Weg aus dem Euro. Deutschland ist der größte Euro-Profiteur, alleine schon wegen der Exporte. Viele Länder haben die strengen EU-Anforderungen nicht erfüllt, und der Wirtschaftsraum ist heterogen. Diesen Ländern muss man bei ihrer Konsolidierung Zeit geben. Aber der Weg zurück in die D-Mark wäre katastrophal.
Handelt es sich um eine Staats- oder eine Bankenkrise?
Schlösser: Anfangs war es eine Staatskrise, die durch den Zusammenbruch der Lehman-Bank in eine Bankenkrise mündete. Danach gab es einen Domino-Effekt unter Banken, den es zu stoppen galt. Durch milliardenschwere Hilfen für die Banken wurde es wieder eine Staatskrise. Aber es gab keine Alternative dazu, den Domino-Effekt zu stoppen. Auch durch den Rettungsschirm wurde das nötige Vertrauen wieder aufgebaut. Die Stabilisierung der Finanzmärkte ist das Entscheidende.
Ist Spekulieren unmoralisch?
Hoeck: Der Begriff wird mittlerweile sehr negativ gebraucht, aber jeder Bauer, der beim Warenterminhandel seinen Mais verkauft, spekuliert darauf, den optimalen Preis zu bekommen. Alle Spekulationen müssen aber ethisch vertretbar sein.
Wie lange wird die Euro-Krise noch dauern?
Hoeck: Das wird noch einige Jahre dauern, die südlichen Euro-Länder brauchen Zeit, Fehlentwicklungen zu korrigieren, dürfen sich dabei aber auch nicht kaputtsparen.
Wie riskant ist eine Investition in Aktien im Vergleich zum Sparbuch?
Schlösser: Jeder sollte einen Notgroschen haben, deswegen sollte man Geld, das man kurzfristig benötigen könnte, nicht in Aktien anlegen. Sie sind eine langfristige Anlage. Für Anfänger ist es sicherer, in Aktienfonds als in einzelne Aktien zu investieren. Eine seriöse Prognose, wie sich zum Beispiel der Dax in den kommenden Monaten entwickelt, kann man angesichts der großen Schwankungen und der komplexen Weltwirtschaft nicht abgeben. Der Dax hat aber bisher allen Krisen getrotzt.
Wie wichtig ist eine private Altersvorsorge?
Schlösser: Wichtig ist angesichts des demografischen Wandels ein gesunder Mix aus gesetzlicher Rente und privater Vorsorge. Wer mehr will - egal ob im Alter, bei der Pflege oder der Krankenversicherung - muss selbst etwas tun. Wichtig ist bei allen Sparformen, beizeiten anzufangen und bis zum Ende durchzuhalten, denn Sparen ist wie ein Marathonlauf.
Warum ist die Jugendarbeitslosigkeit in der Region deutlich niedriger als zum Beispiel in Spanien oder Griechenland?
Otten: Jeder Jugendliche, der in der Region einen Job will, wird auch einen finden. Diejenigen, die arbeitslos sind, haben meist keinen Schulabschluss. In Ländern wie Spanien oder Griechenland sind junge Arbeitnehmer das schwächste Glied der Wirtschaft. Es birgt sozialen Sprengstoff, wenn eine ganze Generation zu großen Teilen arbeitslos ist. In Deutschland ist die Ausbildung besser, deswegen sind die Chancen höher - und generell geht es der hiesigen Wirtschaft auch deutlich besser.
Woran liegt das?
Hoeck: Hierzulande gab es moderatere Lohnsteigerungen, dadurch ist die Produktivität höher, und für Investoren ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil. In Wittlich und Umgebung gibt es eine perfekte Infrastruktur, deswegen ist es ein guter Standort mit einer sehr geringen Arbeitslosenquote.
Merken Sie an der Zahl der Bewerbungen, dass Banken ein schlechtes Image bei jungen Menschen haben?
Hoeck: Die Zahl der Bewerbungen ist zurückgegangen, aber diese sind qualitativ weiter so hoch, dass wir unsere Ausbildungsstellen adäquat besetzen können. Aber ja, das Image hat gelitten.