Nur das Herzstück fehlt noch
Auf drei Beinen kann man schon ganz gut stehen, auf vieren geht es noch viel besser: Nach Windrädern, Fotovoltaik und Biogasanlage nimmt jetzt die Pelletsfabrik in der Morbacher Energielandschaft (Mel) Formen an.
Morbach. Noch wird auf dem Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft zur Biogasanlage fleißig gewerkelt und montiert. Doch bereits in wenigen Wochen sollen auf der Baustelle in der Morbacher Energielandschaft zumindest im Probebetrieb kleine Presslinge aus Holzspänen entstehen, so genannte Pellets. "Zunächst fahren Lastwagen rückwärts eine Grube außerhalb der eigentlichen Anlage an", schildert Torsten Schopbach, Projektleiter bei der Mainzer Firma Juwi, den künftigen Produktionsablauf. Das angelieferte Material wird mit Förderschnecken und -ketten zunächst in das Innere einer 25 mal 25 Meter großen Halle transportiert. 20 000 Tonnen Pellets Jahresproduktion
Dann werden Dinge abgeschieden, die in den Pellets nichts verloren haben, etwa Steine und Metall. Anschließend werden die Späne getrocknet, verkleinert und so weit aufbereitet, dass sie gepresst werden können. Das zwei Zentimeter große Heizmaterial wird dann gekühlt und in einem Silo deponiert. Ein weiteres Silo nimmt Späne am Wochenende auf, wenn in der Anlage nicht produziert wird.Getrocknet wird das Material übrigens mit Abwärme aus der Biogasanlage. Und auch der benötigte Strom stammt laut Schopbach rein rechnerisch komplett aus der Energielandschaft, nämlich von den derzeit 14 Windrädern. De facto stimmt es nicht ganz. Denn die Pelletsanlage laufe auch bei Windstille, erklärt Schopbach. 20 000 Tonnen Pellets pro Jahr sollen hier künftig unter Vollauslastung produziert werden. Im kommenden Jahr dürften es eher 8000 sein. Der Probebetrieb soll Mitte Juni beginnen. Die Anlage selbst ist weitgehend aufgebaut. Lediglich das Herzstück, die Presse, fehlt. Sie soll nach Pfingsten geliefert und eingebaut werden. Ende Juni soll die Produktion aufgenommen werden. Dann kann die Firma Juwi mit einem eigenen Silofahrzeug Endkunden beliefern. Zusätzlich wird das Material an Großabnehmer abgegeben. Wer will, kann Heizmaterial aus der Region auch in 15-Kilo-Säcken ab Werk erstehen. Das verwendete Material sind hauptsächlich Abfallprodukte aus der heimischen Sägewerksindustrie. Doch wenn hier künftig Pellets gepresst werden, kann der Rohstoff zumindest theoretisch auch aus nahe gelegenen Wäldern stammen. "Vor allem aus Kronen- und Schneebruch," sagt der künftige Betriebsleiter Frank Brusius. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Dennoch, der Allenbacher ist überzeugt vom Heizen mit Pellets. Im Nachbarland Österreich seien die Presslinge längst "salonfähig". In Österreich gebe es die Brenner bereits in der dritten Generation. Im Alpenland sei dies auch notwendig gewesen, weil Tankfahrzeuge gerade im Winter wegen der Witterung so manches Bergdorf nicht anfahren konnten. Modell wird im Kreis Birkenfeld geprüft
Auch das Kostenargument beim Umrüsten lässt Brusius nur bedingt gelten. Es gebe Modelle, mit denen sich auch Normalverdiener bald die Anschaffung einer Holzpelletsanlage leisten können. Das so genannte "Mini-Contracting-Modell" wird derzeit im Kreis Birkenfeld untersucht. Dabei werden in einem Vertrag Kosten und Risiken einer Investition auf einen Dritten übertragen. Dem Energienutzer bleiben die Kosten für den Energieverbrauch und eine Pauschale, die sich aus den Investitionskosten ableitet. Bislang waren solche Finanzierungsmodelle für Kommunen und größere Betriebe interessant. Im Kreis Birkenfeld wird nun geprüft, ob eine ähnliche Konstruktion auch für Privathaushalte machbar ist.