Nur für "Finsterdäbpschie" fehlt die Deutung

Nur für "Finsterdäbpschie" fehlt die Deutung

Bisher gab es das Wittlicher Wörterbuch nur als kleines Heft. Es würde wahrscheinlich irgendwann in Vergessenheit geraten. Die Bedeutung des Dialekts ginge weiter zurück. Doch durch die zeitgemäße Aufarbeitung und Präsentation auf der Internetseite des Kulturamts bleibt das Weddlia Platt im Gespräch.

Wittlich. Verpönt, verdrängt, zwischendrin mehrfach wiederbelebt, um nicht ein wichtiges Stück Heimat und Geschichte zu verlieren: Die Mundart, zum Beispiel das Wittlicher Platt, ist regelmäßig im Gespräch. Die unterschiedlichen Momentaufnahmen spiegeln sich auch in der Berichterstattung des TV wider. Beispiele für Überschriften: "Ein Dialekt stirbt aus", "Damit das Wittlicher Platt eine Zukunft hat", "Wittlicher Platt statt datt und watt". Zumindest eines ist mittlerweile gewährleistet.
Intensive Bearbeitung


Durch die Übernahme des von Georg Fischer (1881-1966) verfassten Wittlicher Wörterbuchs auf die Internetseite des Wittlicher Kulturamts wird der Sprachschatz für die Nachwelt erhalten. Damit soll er auch einer größeren Öffentlichkeit als bisher zugänglich sein.
Es gibt allerdings einen großen Unterschied zwischen beiden Versionen. Im Wittlicher Wörterbuch sind die Begriffe von A wie Aabpdel (Apfel) bis Z wie Zwiewel (Zwiebel) nicht nur im Dialekt aufgeführt, sondern auch erklärt. In der digitalen Version wird das Platt dagegen dem Hochdeutschen gegenübergestellt. Albert Klein ist seit Anfang 2013 intensiv mit der Bearbeitung und teilweise auch der Übersetzung beschäftigt. "Etwa 90 Prozent der Übersetzung stammen aber von Karl Marmann. Er hat das in den 1960er Jahren im Auftrag der Stadtverwaltung gemacht. Sie wurden aber nie veröffentlicht", berichtet Klein, der auch Beigeordneter der Stadt ist.
Der pensionierte Lehrer beherrscht das Wittlicher Platt. "Obwohl es bei uns zu Hause nicht gesprochen wurde", sagt er. Er habe es sich in seiner Jugend selbst beigebracht. Kinder könnten auch heute noch die Zielgruppe sein: beispielsweise, so Klein, durch ein freiwilliges Angebot in Schulen (siehe Extra).
Fehlendes Selbstbewusstsein


Menschen in anderen Regionen wie der Pfalz und Bayern, hätten immer selbstbewusst zu ihrem Dialekt gestanden. Daran habe es hierzulande gefehlt, vermutet er. Wittlich sei außerdem lange unter preußischer Herrschaft gewesen. Viele Beamte hätten hier Dienst gemacht. Vielleicht auch ein Grund, warum es der Dialekt schwer hatte.
Doch es gibt ihn weiter. "Teilweise unterscheidet er sich von Straße zu Straße", erzählt Klein. Von den Stadtteilen untereinander ganz zu schweigen. Allein für Kinder gibt es in Wittlich vier Ausdrucks- und Schreibweisen: Kinner, Kanner, Kunner, Kenner.
Teilweise musste Albert Klein auch andere Nachschlagewerke (Trierer Wörterbuch, Rheinisches Wörterbuch) zu Rate ziehen, um jeden Begriff einordnen und übersetzen zu können.
Nur einmal half alles Blättern und Googlen nichts. Klein: "Für Finsterdäbpschie habe ich nichts gefunden."
Wenn Sie wissen, was "Finsterdäbpschie" bedeuten könnte oder eine Idee haben, wie der Dialekt zu erhalten ist, teilen Sie es uns mit. Zuschriften per E-Mail an:
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