Nur wenige Eltern sind skeptisch

Die Idee spukt seit zwei Jahren in den Köpfen der Lehrer herum: Warum kommen die Lehrer zu den Schülern? Nun ist es beschlossene Sache: Am 1. Februar 2008 wird das "Lehrerfachraumprinzip" eingeführt. In einer Elternvollversammlung in der Baldenauhalle wurden die Erziehungsberechtigten aus erster Hand informiert.

Vor weitgehend leeren Stuhlreihen informiert Schulleiter Wolfgang Fink die Eltern über das neue System. TV-Foto: Herbert Thormeyer

Morbach. (doth) Für je einen Elternteil der 500 Realschüler war die Festhalle bestuhlt worden. Doch Schulleiter Wolfgang Fink schaute in seiner Begrüßung auf viele leere Ränge. Gerade mal zehn Prozent der Eingeladenen waren gekommen.Schriftlich war allen Eltern das neue System schon nähergebracht worden: Was bereits jetzt in den Fächern Physik, Chemie, Sport und Musik üblich ist, gilt künftig für alle Fächer: Ab Februar werden die Schüler zum Unterricht in die Lehrerfachräume gehen, es wird dann keine Klassenzimmer mehr geben.Schulleiter Fink und sein Organisationsteam mit Margret Scholtes, Gertrud Weyand und Kathleen Böwe erläuterten die Vorteile: Erhöhte Unterrichtsqualität mit besseren Schülerleistungen, höhere Eigenverantwortung der Schüler, mehr Unterrichtsmaterial steht unter ständiger Aufsicht des Lehrers und muss nicht transportiert werden.Außerdem, so Fink, gebe es weniger Vandalismus und Mobbing. "Wer in fünf Minuten in einer anderen Klasse sein muss, hat weniger Zeit zum Stänkern."Nur gute Erfahrungen habe die Schule in Linz gemacht, wo sich die drei Lehrerinnen informierten.Bedenken der Eltern richteten sich weniger auf die angestrebte Qualität als mehr auf die "Logistik" innerhalb der Schule: Gibt es Völkerwanderungen? Wo bleiben die Bücher? Wer passt auf die Taschen auf? Leidet der Zusammenhalt in der Klasse? Reichen fünf Minuten für einen Klassenwechsel? Alle Bedenken konnten von den Pädagogen entkräftet werden, beispielsweise wird es auch weiterhin Klassenlehrer geben.Bei der Organisation helfen sollen sogenannte "Tascheninseln", die von Zehntklässlern "bewacht" werden, und Schülerspinde zum Wegsperren gerade nicht benötigter Bücher. Letztere werden vom Förderverein angeschafft und an die Eltern vermietet. "Wir haben uns für ein rabaukensicheres Modell aus Stahl entschieden", informierte Petra Schommer vom Förderverein.Ein Probejahr soll zeigen, ob das alles so funktioniert wie in der Theorie gedacht. "Wenn's nicht klappt, kehren wir wieder zum alten System zurück", versprach der Schulleiter und bat alle Eltern sich zu melden, wenn es Probleme geben sollte.