Nur wer sät, kann auch ernten

MORBACH. Eine lange Tradition hat die Josef Mettler GmbH und Co KG. Dessen ungeachtet, steuert das Unternehmen derzeit weiter zielstrebig in die Zukunft und will sich nicht auf den verdienten Lorbeeren ausruhen.

Von einer Umsatz-Steigerung um 20 Prozent in nur fünf Monaten können die meisten Firmen derzeit nur träumen. Für das Morbacher Familienunternehmen Josef Mettler ist dieser traumhafte Zuwachs jedoch trotz konjunktureller Flaute Realität. Allerdings gab es die auch nicht zum Nulltarif. Denn hinter dem positiven Trend stehen enorme Investitionen. 1,5 Millionen Euro hat der Lebensmittel-Großhandel, der dem Einkaufsverband Servicebund angeschlossen ist, in den vergangenen fünf Monaten investiert. Hauptsächlich wurden die Lagerkapazitäten und der Fuhrpark erweitert, der sich von elf Fahrzeugen im August auf heute 19 vergrößerte. Grund für die massiven Aktivitäten ist die Übernahme der Distribution für Langnese-Iglo.Mit dieser Entscheidung haben die Geschäftsführer die Weichen für die Zukunft des Hauses gestellt. Der Familienbetrieb mit derzeit 60 Mitarbeitern - im August waren es noch knapp 50 - wird zu gleichen Teilen von Martin Mettler und seinem Bruder Christoph geführt. Ins Gehege kommen die beiden sich dabei nicht. Der 41-jährige Martin, der für den Außendienst mit insgesamt zehn Mitarbeitern zuständig ist, erklärt warum: "Das klappt wunderbar: Mein Bruder macht den Einkauf, ich den Verkauf."Der 35-Jährige Christoph erläutert, warum sich der Tiefkühl-Konzern gerade in den Morbacher Raum orientiert hat: "Langnese fragte uns, ob wir die Distribution für das Zentrallager im Raum Mosel-Rhein-Nahe-Saar übernehmen möchten."900 neue Kunden durch Langnese-Auftrag

Hintergrund dafür ist, dass Lebensmittel Mettler in diesem Raum bereits über einen breit gefächerten Verteilungsweg mit rund 2500 Kunden im Bereich Gastronomie und Großverbrauchermärkte verfügt. "Nach Prüfung des Projektes waren wir zunächst eher abgeneigt", gesteht der Jüngere der beiden Geschäftsführer ein. Schließlich sei zu erwarten gewesen, dass die Mehrerlöse durch die voraussichtlichen Mehrkosten weitgehend kompensiert würden. Da aber die Kooperation mit Langnese dem Hause Mettler 900 neue Kunden bescherte, gingen sie dennoch das unternehmerische Risiko ein. Bei den Neukunden sei mittelfristig von einem ausreichenden Potential auszugehen, um auch das bestehende hauseigene Produktsortiment von immerhin 6000 Artikeln verkaufen zu können.Dabei hatte alles einmal ganz bescheiden angefangen. Die Kunden von einst fragten bei Mettlers in der Hebegasse "Morbacher Rollen" nach. Vater Josef Mettler erinnert sich noch gut, wie er in der elterlichen Tabakfabrik beim Schneiden der braunen Blätter half. Zusammen mit seinem Bruder fuhr er damals mit Tabak, selbst gemachten Zigarren und Zigaretten über Land. Als dann die Nachfrage zurückging, fing sein Vater mit Schokolade an und verkaufte "Mohrenköpfe und Zuckerbohnen" an Gastronomie und Geschäfte.1965 kaufte der heutige Senior seinem Vater das Geschäft ab und machte sich mit anfangs nur einem Fahrzeug auf den Weg zu den Kunden. Nachdem die Kapazitäten schon nach zwei Jahren nicht mehr ausreichten, folgte der Umzug in die Bahnhofstraße, wo Mettler fünf Jahre später ein Lager in den Garten baute. Nach und nach erweiterten Schnaps sowie Großküchen- und Tiefkühlprodukte die Angebotspalette. "Ich war morgens um vier schon am Lager", berichtet der 66-Jährige von den harten Anfangsjahren. Abends sei er um neun oder halb zehn nach Hause gekommen und hätte dann noch eine Stunde am Schreibtisch gesessen.Erfolgsgeheimnis: Immer wieder investieren

Danach ging es schnell ins Bett, um nur wenige Stunden später wieder topfit zu sein, auch samstags, wie dies zur damaligen Zeit noch üblich war. Und während andere Familien einen Sonntagsspaziergang machten, hatte der vierfache Vater meist noch zu tun. Ohne Ehefrau Mathilde, mit der er seit 44 Jahren verheiratet ist, wäre rückblickend sicher einiges anders gelaufen.Als sie 1982 erneut ausbauten, dachten beide: "Jetzt ist es groß genug für alle Zeiten." Doch weit gefehlt! 1995 folgte der Neubau in der Industriestraße und damit zeitgleich der Generationenwechsel. Die Bilanz des Seniors: "Geld haben wir nie gehabt - wir mussten es immer wieder rein stecken." In all den Jahren stand dem 66-Jährigen ein Mann treu zur Seite. Nachdem er selbst die Bestellungen aufgenommen hatte, lieferte Alfred Klein diese am nächsten Tag aus. Und das seit 1965, bis "Ali" dann vor wenigen Wochen plötzlich starb.