Nur zufriedene Gesichter

BERNKASTEL-WITTLICH/COCHEM. (mai) Was sagen die Kreisvorsitzenden der Parteien zum Abschneiden ihrer Gruppierung im Wahlkreis 202? Der Trierische Volksfreund hat nachgefragt.

ALEXANDER LICHT (CDU, Kreis Bernkastel-Wittlich): Bei uns im Kreis Bernkastel-Wittlich ist klar und deutlich, dass viele Wähler die große Koalition nicht wollten, sondern eine Koalition aus CDU und FDP und deshalb wohl die FDP gewählt haben. So einen großen Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimmen gab es noch nie. Eine genaue Erklärung, warum die FDP gerade bei uns so stark ist, habe ich nicht - in der Winzerschaft und an der Mosel gibt es generell eine starke Neigung zu dieser Partei. Die CDU ist nach wie vor jedoch ganz vorne in der Region. Peter Bleser konnte den Heimvorteil in besonderer Weise nutzen.GÜNTER RÖSCH (SPD, Kreis Bernkastel-Wittlich): Was die Zweitstimmen angeht, haben wir im Kreis Bernkastel-Wittlich ein respektables Ergebnis, das habe ich vor drei Wochen nicht erwartet. Ich bin der Meinung, dass jetzt einige Voreilige mal nachdenken müssen in Bezug auf die SPD. Die SPD hat mit Marcus Heintel einen sympathischen und talentierten jungen Kandidaten ins Rennen geschickt. Dass er mit zwei Prozent vor der SPD liegt, ist beachtlich. Ihm gehört nach meiner festen Überzeugung die Zukunft. Was nun auf Bundesebene passiert, wird außerordentlich spannend.

JUTTA BLATZHEIM-ROEGLER (GRÜNE, Kreisvorsitzende und Bundestagskandidatin): Mit unserem Zweitstimmen-Ergebnis im Kreis Bernkastel-Wittlich liegen wir im Trend, wir haben auf Landesebene überall ein bisschen verloren. Im Wahlkreis 202 haben wir uns gut geschlagen für diesen kurzen Wahlkampf - auch im Vergleich zu den Prognosen von vor drei Wochen. Trotz Ferien und Schulbeginn waren die Mitglieder sehr motiviert. Das schlägt sich im Ergebnis nieder. Wir sind ein großer Kreisverband und haben nicht in jedem Ort Mitglieder, deshalb ist es schwierig, überall präsent zu sein. Für mich habe ich mir nicht unbedingt mehr erhofft - auch Wahlkämpfer sollten realistisch sein.

"Im Kreis hätte es für Schwarz-Gelb gereicht"

RITA WAGNER (FDP, stellvertretende Vorsitzende im Kreis Bernkastel-Wittlich): Wir haben ein Spitzenergebnis. Bei uns im Kreis hätte es für eine schwarz-gelbe Koalition gereicht. Mit diesem Ergebnis bin ich sehr froh. Frau Sehn war eine sehr fähige Politikerin. Frau Wies stammt aus dem Gebiet von Frau Sehn und hatte einen Bonus von ihrer Vorgängerin. Sie ist zum ersten Mal gestartet und hat gute Arbeit geleistet. Bundesweit war unser Wunsch natürlich ein echter Politikwechsel, aber nun haben wir eine ausgesprochen unglückliche Pattsituation. Für Deutschland ist allerdings eine handlungsstarke Führung wichtig.

HANS WERNER JUNG (LINKSPARTEI, Kreis Bernkastel-Wittlich): Das Ergebnis im Kreis Bernkastel-Wittlich entspricht in etwa unseren Erwartungen, wir sind damit zufrieden. Wir liegen zwar etwas unter dem Landesergebnis, doch bei diesem großen Wahlkreis, der von der CDU dominiert wird, haben wir kein besseres Ergebnis erwartet. Bei unserer relativ kleinen Zahl von Mitgliedern konnten wir keinen flächendeckenden Wahlkampf machen. Andreas Adams konnte lediglich in den größeren Orten in Erscheinung treten.

HEIKE RAAB, (SPD, Kreisvorsitzende im Kreis Cochem-Zell): Ich freue mich, dass die CDU im Kreis Cochem-Zell deutliche Verluste zu verzeichnen hat - und zwar mehr als im Bundestrend. Die SPD hat hier zwar auch verloren, aber weniger als im Bundestrend. Was den Bund angeht: Meine Wunschkonstellation wäre eine Ampelkoalition.