Oben Dilldapp, unten Fußballer

MORBACH. "Die Welt zu Gast bei den Dilldappen" lautete das Motto der ersten Morbacher Kappensitzung unter der neuen Doppelspitze Rainer Kurz und Thomas Alberts. Immerhin 420 Zuschauer genossen die geballte Ladung aus Stimmungsmusik, Humor und Überraschungen, die die Morbacher Dilldappen fünfeinhalb Stunden lang servierten.

Dem Motto entsprechend drehte sich schon rein optisch vieles ums runde Leder. Statt am Tisch saßen die Elferräte als Fußballer auf der Trainerbank, oben Dilldapp-Mütze, unten stramme Waden. Die Bandenwerbung machte den Zuschauern Appetit auf Geschichten um verlorene Führerscheine, falsche Gerüchte und das bunte "M" am Morbacher Kreisel. Es wurde nach dem Prolog, den erstmals der neue Präsident Kurz hielt, gleich von mehreren Akteuren aufs Korn genommen.

Satellitenschaltung zum "Auswärtsspiel"

Nicht nur die Optik war ungewohnt. Das neue Führungsduo hatte mehrere Überraschungen in der Hinterhand. Für super Stimmung und Farbenpracht auf der Bühne sorgte die Schalmeiengruppe "Dilldabbas" aus Kisslegg, die mit 26 Männern und Frauen ihren Namensvettern einen Besuch abstatteten. Zum letzten Mal war die Band aus dem Allgäu bei der Jubiläumssitzung 1984 im Hunsrück gewesen.

Wegen dieser Verstärkung fiel wohl den wenigsten auf, dass die "Trainerbank" Lücken aufwies: Ludwig Schuh, seit 25 Jahren Mitglied bei den Dilldappen, hatte sozusagen ein Auswärtsspiel. Er feierte zeitgleich mit der Kappensitzung einen runden Geburtstag. Per "Satellitenschaltung" brachten Elferrat und Publikum zu später Stunde dem Jubilar ein Geburtstagsständchen. Zuvor hatten die Gäste in der Baldenau-Halle Tränen gelacht über Lieder und Vorträge, die lokale Geschehnisse und allzu Menschliches unter die Lupe genommen hatten. Während Anne Lautwein Schwänke aus dem Leben eines Schrebergärtners erzählte, sorgte Harald "Corky" Greweling mit seinem musikalischen Vortrag über sein erstes Liebeserlebnis für viel Gelächter. Thomas Jakobs referierte aus seinem neuen Fußball-Fachbuch mit Erkenntnissen wie: "Das Leder außen ist von Nöten, sonst geht die Luft da drinnen flöten." Marco Thees gestand als Ryan-Air-Pilot, dass die Morbacher Kirche eigens wegen seiner mangelhaften Flugfähigkeiten angestrahlt werde. Christoph "Schlacks" Müller brillierte - erstmals solo in der Bütt - als Ortskern-Fachmann. Bei seinem Vortrag über die Bemühungen, in Morbach eine Prachtstraße nach dem Vorbild der Düsseldorfer Kö einzurichten, blieb kein Auge trocken. Die Gruppe Hartmut münzte den Holzmichel-Song auf die Wirtin des Rathaus-Cafés um ("Sie lebt noch, sie lebt noch"), die Gerüchten zufolge schließen wollte, während die "Allemollis" die Rathaus-Politik aufs Korn nahmen: "Was kostet die Welt, wir schwimmen im Geld".

Gewohnt gekonnt waren die Auftritte von Mariechen Lisa Jung und der Morbacher Garde mit ihren Show-Tänzen, mit einem Sträflings- und einem Piratenthema. Aus dem Häuschen war das Publikum auch beim Auftritt der Gruppe Abba und dem unverzichtbaren Männerballett in aufregenden Dessous. Dass sich über den "String-Boppes" nicht nur Sitzungspräsident Thomas Alberts amüsierte, bewies die Tatsache, dass sich das Publikum wie beim Showtanz der Garde eine Zugabe erklatschte. Nach dem Finale ging es unter den Klängen der "Dilldabbas" im Foyer noch lange hoch her.

Die zweite Kappensitzung ist am kommenden Samstag, 18. Februar, um 20.11 Uhr in der Baldenau-Halle.

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