Öko ist nicht besser!?

Weinbau

Zur Weinkolumne "Auslese" (TV vom 12. August) diese Zuschrift:
Öko ist nicht besser!? Die Aussage: "Öko ist nicht besser" bedient die alten Vorurteile gegenüber dem Ökoschmuddel-Image und so sorgt gleich die Überschrift für den bekannten Abwehr Reflex gegenüber Öko: "Öko ist gut fürs Gewissen, aber nicht für den Geschmack." Der ökologische Weinbau arbeitet nach den Richtlinien der EU, es gibt eine Positiv-Liste an Stoffen mit denen die Öko-Winzer arbeiten dürfen. Dies wird einmal im Jahr von der GFRS (Gesellschaft für Ressourcenschutz) kontrolliert. Öko sagt also in erster Linie etwas über den Verzicht von chemischen Düngemitteln und Pestiziden aus. Wenn ich Öko kaufe kann ich mir sicher sein, dass chemischen Düngemitteln und Pestiziden, also Glyphosat, chemischer Stickstoff, chemische Pestizide, etc. nicht ausgebracht werden. Ob der Öko-Winzer jetzt auch noch ein guter Winzer ist, im Keller ordentlich arbeitet oder ob er die Ideologie über die Sorgfalt bei der Weinbereitung stellt, wie das früher häufig der Fall war, darüber sagt Öko nichts aus. Es gibt ökologisch und konventionell arbeitende Spitzenwinzer, Wittmann, Bürklin-Wolf, Hoffmann-Simon und viele mehr. Die steigende Zahl an Spitzen-Betrieben, die auf ökologischen Weinbau umsteigt, zeigt ganz deutlich das Öko zumindest für viele Spitzen-Winzer ein Weg ist um ihre Weine noch besser zu machen.
Mir macht die ökologische Wirtschaftsweise auch im fünften Jahr nach der Ökozertifizierung immer noch Spaß. Es ist eine intensivere Beschäftigung mit der Natur, dem Boden, den Reben und den täglichen Änderungen des Wetters.
Es macht Freude zu sehen, dass dem Kompost, den ich vor 15 Jahren ausgebracht habe, mittlerweile Humus und lebendiges Bodenleben geworden ist. Humus, der Wasser speichert, Bodenleben, das einer nachhaltige Versorgung meiner Reben dient. Es gibt mittlerweile viele Anbaugeräte, um den Boden unter den Reben mechanisch offen zu halten. Hierzu muss man ein bisschen tüfteln, um die bestmöglichen Gerätekombinationen raus zu finden und auch ab und zu mit den Händen tätig werden. Die Vielfalt einer Blütenpflanzenmischung zwischen den Rebzeilen ist viel lebendiger als die konventionelle Grasmonokultur.
Vor allen Dingen im Steilhang ist Öko noch mal eine besondere Herausforderung. Auch im Pflanzenschutz hat sich die ökologische Wirtschaftsweise im Falschen Meltau-Jahr 2016 und im Echten Meltau-Jahr 2017 bewährt. Die Mittel sind nicht so lange wirksam, müssen öfters ausgebracht werden und eine gute Benetzung ist wichtig. Wenn man das berücksichtigt kann man gesunde Trauben ernten, aus denen mit Sorgfalt und Erfahrung Spitzenweine erzeugt werden können.
Wenn man sieht, wie unterschiedlich Klüsserather Bruderschaft und Piesporter Goldtröpfchen allein durch den unterschiedlichen Boden schmecken, als seien es zwei unterschiedliche Rebsorten, dann habe ich meine Arbeit als Winzer gut gemacht. Um diese einmalige Kulturlandschaft für die nächsten Generationen lebendig zu erhalten dazu ist, finde ich, Öko einfach besser geeignet.
Dieter Hoffmann, Weingut Hoffmann-Simon, Piesport

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