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Öko-Riesling und gebrochene Herzen

Öko-Riesling und gebrochene Herzen

Die Akteure der vierten Mundartweinprobe des "Freundeskreises moselfränkische Mundart Piesport" haben gleich zweimal vor vollem Haus gespielt. Denn wegen der großen Nachfrage öffneten sie kurzerhand bereits zur Generalprobe die Türen für Gäste.

Piesport. 100 herzhaft lachende und schunkelnde Besucher sind der schönste Lohn. Dabei wagten sich die Initiatoren der Mundartweinprobe "Majusebätter" auch an heiße Eisen. Mit dem Einakter "Verbotene Liebe", einem von sieben Beiträgen, erinnerten sie an eine moselländische Tradition, die für gebrochene Herzen sorgte. Allzu lange ist es nicht her, dass Winzersöhne nur heiraten durften, wenn ihre Liebste auch "Stääck" (Rebstöcke) mit in die Ehe brachte. Selbst wohlhabende Bauerntöchter aus der Eifel oder dem Hunsrück waren da oft chancenlos. Gisela Thielen (66) vom Freundeskreis moselfränkische Mundart Piesport hat das als junge Frau selbst erlebt. Allerdings nicht in Piesport, wo sie seit 1976 lebt und die Winzerarbeit trotz der Prognosen ihrer Beinahe-Schwiegereltern von der Pike auf erlernte. Für den Mundartabend verpackte sie ihre Erfahrungen in ein Stück, in dem Tochter Astrid unter ihrer Regie als Schauspielerin die Mutter verkörpert. Bei den Besuchern im proppenvollen Bürgerhaus kam die kurzweilige Episode sehr gut an (siehe Extra). Ebenso wie andere Stücke oder der Auftritt der singenden Wintricher Mundartgruppe Spontis. So wie sie warteten auch die Darsteller mit neu erdachten und selbst geschriebenen Geschichten auf, die sie bei fast 30 Proben einstudiert hatten. Sie erinnerten an die Fusion der Dörfer Piesport und Niederemmel, ein weiteres heißes Eisen, spitzten beim Friseurtratsch die Ohren oder plauderten als unfreiwillige Korsettverkäufer aus dem Nähkästchen.
Auch Pfarrer Matthias Biegel beeindruckte - mit Spott- und Schimpfwörtern in Moselfränkisch. Dazwischen schenkte Ökowinzer Dieter Hoffmann - als diesjähriger Partner-Betrieb und wie die Ortsgemeinde Mitveranstalter - Weine aus Piesport, Klüsserath und Köwerich ein. Damit sensibilisierte er für die "Eigenart des Rieslings", der je nach Boden überall etwas anders schmecke. urs
Extra

Michaela Schuppert-Sawallisch aus Bernkastel-Kues war begeistert - von den Mundartdarbietungen wie auch von Weinen und dem Essen: "Alles ist ein Gaumenschmaus, und die Weine sind sehr vielfältig im Geschmack." Sie sei bereits zum zweiten Mal zu Gast, sagte sie und lobte die Dekoration und das Ambiente insgesamt. Die 2010 gestarteten und von Leuten jeden Alters aus der ganzen Region besuchten Mundartweinproben sind zunehmend gefragt, wie die Tatsache beweist, dass die Eintrittskarten binnen eines Tages verkauft waren. Daher wurden erstmals auch für die Generalprobe tags zuvor kurzfristig Karten angeboten. Da auch dieser Termin ausverkauft war, soll es laut Karl Kopf vom Freundeskreis 2014 gleich zwei Termine geben. urs