Oestelbach in Osann-Monzel wird renaturiert

Renaturierung : Oestelbach in Osann-Monzel wird renaturiert

Hochwasserschutz: Nachdem im vergangenen Jahrhundert Bäche und Flüsse begradigt und kanalisiert wurden, um einen schnellen Abfluss zu garantieren, investiert man heutzutage enorme Summen  in die Renaturierung – wie auch in Osann-Monzel.

Früher war alles besser: Wenn man sich vielerorts die Natur anschaut, möchte man tatsächlich lieber in der Vergangenheit schwelgen. Denn in den Flüssen und Bächen der Region gab es da keine Umweltgifte wie Perfluorierten Tenside (PFT), der Wald bestand aus diversen heimischen Baumarten anstatt aus Monokulturflächen, und Flüsse schlängelten sich noch in ihrem natürlichen Bett anstatt durch begradigte Kanäle abzufließen. Eines der Probleme ist dabei auch die Tiefenerosion: Durch künstliche Begradigung wird der Bach schmaler und tiefer, dadurch fließt das Wasser schneller, dadurch gräbt sich der Bachlauf noch tiefer in die Erde, und so weiter.

Doch seit Jahren wird an vielen Stellen viel Geld investiert, um den Naturzustand wieder herzustellen. Insbesondere die Renaturierung der Bäche und Flüsse,  die die Landesregierung in Mainz mit der Aktion Blau fördert, steht dabei im Vordergrund. Alle Vorhaben, die zur Regenerierung der Fließgewässer in Rheinland-Pfalz beitragen, können vom Land über die Aktion Blau Plus, die bereits seit mehr als 20 Jahren läuft, bis zu 90 Prozent gefördert werden.

Seit 1994 hat das Land so bereits mehr als 330 Millionen Euro in die Gewässerrenaturierungen investiert und die Träger der Renaturierungsmaßnahmen gefördert.

Demnächst wird das Land 702 000 Euro an die Verbandsgemeinde Wittlich-Land überweisen. Diese üppige Summe soll in die Renaturierung des Oestelbachs in Osann-Monzel fließen. Der Bach soll auf einer Länge von 1,8 Kilometern renaturiert werden. Geschätzte Gesamtkosten: 780 000 Euro. „Aber natürlich kommt es auch dem Ort zugute“, sagt Günter Weins, Fachbereichsleiter der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. „Er ist ja derzeit keine Augenweide. Aber wenn man ihm aus dem Beton und Kanal holt, erfährt er eine Aufwertung.“

Was ist dort genau zu tun und warum muss am Oestelbach Hand angelegt werden?

Weins: „Es war halt in den 1960ern und 1970er Jahren allgemein so, dass Bäche in Betonhalbschalen oder Röhren und dazu Drainagen verlegt wurden, um den schnellstmöglichen Abfluss des Wassers von Grundstücken zu ermöglichen.“

Doch diese vom Mensch geschaffene Beschleunigung der Entwässerung hat auch Nachteile: „Sie führt dazu, dass weiter unten Flüsse, die das Wasser aufnehmen, zu schnell anschwellen und Hochwasser entsteht.“ Denn im besten Falle solle Wasser langsam abgetragen werden, sagt Weins, und dort versickern, wo es anfalle. Im konkreten Fall ist es so: Der derzeit noch mehr oder weniger kanalisierte Östelbach mündet bei Maring-Noviand in die Lieser und trägt bei Starkregen mit dazu bei, dass die Pegel in der Lieser und auch der Mosel steigen.

Doch mit 780 000 Euro will die Verbandsgemeinde Wittlich-Land dafür sorgen, dass der Östelbach wieder in ein natürliches Bachbett zurückfindet. Weins. „Der Fluss muss wieder mäandern. Er soll sich schlängeln und die Fließgeschwindigkeit muss herabgesetzt werden.“ Es sei wichtig, dem Bach wieder Raum zur Ausbreitung zur Verfügung zu stellen, „um Schäden an Privateigentum durch Hochwasser zu vermeiden“. Wenn sich der Bach eines Tages wieder schlängele, könnten sich dort auch kleinere Fische und Amphibien ansiedeln, meint Weins.

Vorhaben Doch bevor die Natur den Oestelbach zurückbekommt, muss zunächst doch der Mensch nochmal Hand anlegen – und das auch noch mit schwerem Gerät. Weins erklärt: „Wo er mit Steinen eingefasst ist, wird die Böschung wieder so hergestellt, dass er über die Ufer treten kann.“ Betonhalbschalen sollen verschwinden und dort, wo die Fließgeschwindigkeit zu hoch sei, „werden Störsteine eingesetzt, damit der Bach gezwungen wird, zu mäandern“.
Darüber hinaus werde der Uferbereich mit heimischen Gehölzen bepflanzt.

Ortsgemeinde Nutznießer dieses 780 000-Euro-Vorhabens sei nicht nur die Natur, sagt Armin Kohnz, Ortsbürgermeister von Osann-Monzel. „Auch die Bürger profitieren davon. Denn seit einigen Jahren gibt es auch die Aktion Blau Plus. Das Plus steht dafür, dass auch Maßnahmen gefördert werden, die nicht allein der Natur, sondern auch den Bürgern dienen.“
So könne Osann-Monzel im Rahmen des Förderprogramms nun endlich eine Brücke über den Oestelbach bauen, erklärt Kohnz, womit ein Fußweg von der Mehrzweckhalle zum Altort geschaffen werde. Kohnz: „Diese Brücke haben sich die Bürger schon lange gewünscht, und wir können sie jetzt mit 90 Prozent Landesförderung bauen.“ Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 15 000 Euro, sagt Kohnz.

In gleicher Weise werde sich das Land finanziell auch am Wasserspielplatz, der mit etwa 30 000 Euro zu Buche schlage, beteiligen. In Osann-Monzel würden in Kombination mit der Dorferneuerung noch weitere Projekte im Rahmen der Aktion Blau Plus umgesetzt. Kohnz: „Ich finde diese Aktion und das Förderprogramm des Landes gut, weil es Natur damit verknüpft, dass die Leute wieder ans Wasser gehen können.“

Gremien Der Gemeinderat Osann-Monzel hatte 2016 die Planung und Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen am Oestelbach festgelegt. Der Haupt- und Finanzausschuss der VG Wittlich-Land hat nun einstimmig beschlossen, dem Verbandsgemeinderat zu empfehlen, die Ausschreibung zur Renaturierung des Oestelbaches vorzunehmen. Das letzte Wort hat also am Donnerstag, 21. Februar, der Verbandsgemeinderat, dessen Beschluss noch aussteht.

Der erste Bauabschnitt der Renaturierungsmaßnahme zwischen der Kreuzung Oestelbach/Moselstraße bis ans Ende des Baugebietes Im Eichflur soll in diesem Sommer in Angriff genommen werden.

Mehr von Volksfreund