Offen, auch für kritische Fragen

Rund 200 Besucher kamen am Tag der offenen Tür in die Eyüp-Sultan-Moschee in Wittlich. Imam Memet Yeni und Yilmaz Yildiz, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde, versuchten die vielfältigen, auch kritischen Fragen zu beantworten.

Wittlich. (mai) Eigentlich begann der Tag der offenen Tür in der Wittlicher Eyüp-Sultan-Moschee erst um 14 Uhr. Doch schon zum Mittagsgebet um 13.30 Uhr waren die ersten Gäste gekommen, um sich anzuschauen, wie die türkischen Muslime ihren Glauben leben. Etwa 200 Besucher seien dann bis zum Abend gekommen, schätzt Yilmaz Yildiz, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde. Er freut sich über die vielen Interessenten, die kamen, obwohl es aufgrund des Ramadan diesmal nichts zu essen gab. Yildiz: "Seit Anfang an, also seit zehn Jahren, beteiligen wir uns an der bundesweiten Aktion Tag der offenen Tür. Hier in Wittlich ist er immer sehr stark besucht, viele waren schon oft da."Für den Gemeindevorsitzenden ist Offenheit sehr wichtig. Er sagt: "Ich war immer dafür, dass wir ein Teil von Wittlich sind und dafür, dass wir immer offen für Besuch und für Fragen sind."Auf dem Programm der Veranstaltung stand ein Vortrag des Imams Memet Yeni über Moscheen und ihre Bedeutung im Islam. Da der Imam erst angefangen hat, Deutsch zu lernen, fungierte Yildiz als Übersetzer. Yeni erklärte, dass die Muslime in den Moscheen nicht nur zum Gebet zusammenkämen, sondern auch zu Freuden- und auch Trauerfeiern. Kulturelle Veranstaltungen fänden dort statt und auch Treffen mit Andersgläubigen. Die Moschee diene auch als Bildungsstätte. Yildiz stellt die Gemeinde vor, die seit 1986 besteht und mittlerweile 105 Mitglieder und deren Familien umfasst. Die Fragen, die die Besucher anschließend stellten, waren äußerst vielfältig und auch kritisch.So ging es beispielsweise darum, ob es im Islam wie in der katholischen Kirche auch Probleme gibt, die Jugendlichen zum Glauben zu bewegen. Das Problem scheint universell zu sein. Imam Yeni betonte, wie wichtig es sei, was den Kindern in der Familie vorgelebt werde.Auch das Thema Terrorismus wurde angesprochen. Die Wittlicher Muslime distanzierten sich ganz klar vom Terrorismus. Sie erklärten, dass der Islam alle Religionen akzeptiere. Der Dschihad (arabisch für Kampf, Anstrengung) werde falsch aufgefasst. "Der Islam verbietet den Krieg", hieß es. Nur als Verteidigung, wenn einem Land oder einer Familie beispielsweise alles weggenommen würde, sei Krieg gestattet.Die türkisch-islamische Gemeinde in Wittlich gehört zur Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (türkisch: DITIB). Die DITIB wurde am 1984 in Köln als bundesweiter Dachverband für die Koordinierung der religiösen, sozialen und kulturellen Tätigkeiten der angeschlossenen türkisch-islamischen Moscheegemeinden gegründet. Ihr gehören heute 880 Gemeinden an.