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Ohne Zivis läuft es nicht mehr rund

Ohne Zivis läuft es nicht mehr rund

Wenn der Zivildienst in der jetzigen Form wegfällt, muss der DRK-Rettungsdienst erheblich mehr Geld ausgeben, um seinen Dienst aufrechtzuerhalten. Andere Organisationen im Kreis Bernkastel-Wittlich befürchten, dass sie die Zivis nicht ersetzen können und Leistungen kürzen müssen.

Bernkastel-Wittlich. (mai) Nur wenige Einrichtungen im Kreis beschäftigen eine größere Zahl an Zivildienstleistenden. Eine von ihnen ist der DRK-Rettungsdienst Eifel Mosel Hunsrück, der für die Kreise Bernkastel-Wittlich und den Vulkaneifelkreis zuständig ist.

Den Rettungsdienst mit zehn Zivis wird es hart treffen, wenn - wie derzeit diskutiert - Wehr- und Zivildienst zu einem freiwilligen Dienst werden.

Geschäftsführer Gerd A. Hommelsen sagt: "Bei einem freiwilligen Dienst fehlt uns die Planungssicherheit." Deshalb sei geplant, die Zivildienstleistenden durch regulär bezahlte Mitarbeiter zu ersetzen. Das bedeutet landesweit 180 neue Planstellen für 2011. Sieben bis acht Stellen sind für Bernkastel-Wittlich und den Vulkaneifelkreis vorgesehen. Kostenpunkt: bis zu 340 000 Euro. "Das ist eine Menge", räumt Hommelsen ein. Doch ist er optimistisch, dass die Krankenkassen zahlen.

Organisationen beklagen fehlende Planungssicherheit



Beim DRK-Kreisverband sucht man andere Lösungen, um die acht Zivis, die dort in der Behindertenhilfe, beim Essen auf Rädern und beim Hausnotruf arbeiten, zu ersetzen. Für den Fahrdienst in der Behindertenhilfe erwägt Geschäftsführer Heinz-Werner Steffen, 400-Euro-Kräfte einzusetzen.

Einige Angebote sollen eventuell aber auch wegfallen. Steffen denkt an Unlukratives wie Rollstuhlfahrten von einzelnen Behinderten zum Arzt. Die Angebote Essen auf Rädern und Hausnotruf will er erhalten bleiben, doch werden sie vermutlich teurer, prognostiziert der Geschäftsführer.

Steffen hofft dennoch, dass weiter auch freiwillige Kräfte zum DRK kommen. Er kritisiert jedoch, dass nach bisheriger Planung zwei freiwillige Dienste nebeneinander existieren sollen: der Zivildienst und das Freiwilliges Soziale Jahr (FSJ), das beispielsweise Hauptschüler vor einer Ausbildung zum Krankenpfleger absolvieren müssen.

Steffens fordert, dass der Bund die Bezahlung der FSJler auf Zivildienstniveau anhebt, um diesen Dienst attraktiver zu machen.

Im Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich, in dem derzeit neun von 17 Zivildienstplätzen besetzt sind, macht man sich keine Gedanken über Ersatzkräfte. Pressesprecherin Sabine Zimmer sagt: "Wir hoffen auf freiwillige Zivildienstleistende in der gleichen Zahl." Im Krankenhaus arbeiten die Zivis in der Pflege und im Wirtschafts- und Versorgungsdienst.

Probleme sehen die Klinikverantwortlichen mit der neuen Regelung dennoch. Sie monieren ebenfalls die fehlende Planungssicherheit.

Doch aufgrund der guten Erfahrungen wolle man jungen Menschen auch in Zukunft die Möglichkeit zum Zivildienst im Krankenhaus geben, heißt es.

Auch dort, wo wenige Zivildienstleistende im Einsatz sind, können die Neuerungen zu Problemen führen. In der Jugendherberge Bernkastel-Kues tut nur ein Zivi seinen Dienst. Dennoch sieht die Leiterin des Hauses, Michaela Ehlen, die Veränderungen "mit Besorgnis". Bei sechs bis sieben Mitarbeitern falle eine Kraft weniger durchaus ins Gewicht.

Ehlen würde den Zivi, der in der Spülküche arbeitet und Essen verteilt, in Zukunft gerne ersetzen. Geld ist an dieser Stelle nicht das Problem. Ehlen: "In der Gastronomie ist es schwierig, Leute zu bekommen. Wenn die hören, dass am Wochenende gearbeitet wird, haben sie keine Lust mehr."

Extra Zivildienststellen im Kreis: 56 Institutionen bieten im Kreis Bernkastel-Wittlich zurzeit 120 Stellen für Zivildienstleistende an. Besetzt sind davon aber nur 51. Antje Mäder, Pressesprecherin des Bundesamts für den Zivildienst in Köln, führt das Missverhältnis auf das Sommerloch zurück. Generell stellt sie jedoch fest: "Das Angebot an Stellen ist immer höher als die Nachfrage." (mai)