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Option für Projekt Altersruhesitz

Option für Projekt Altersruhesitz

WITTLICH. Ein riesiges Potential liegt in Wittlichs Oberstadt seit Jahren mehr oder weniger brach. Zwar kommt die Stadthalle definitiv nicht, auch die Verkehrsführung ist noch nicht spruchreif, möglicherweise wird aber stadteinwärts gesehen rechts der Kurfürstenstraße ein Investor Nägel mit Köpfen machen, wenn der Stadtrat in seiner heutigen Sitzung grundsätzlich zustimmt.

Im Bereich "Oberste Gäßchen" wird geharkt, stadtwärts marschiert und geparkt, und der niedliche Name täuscht über die Größe. Auf etwa 6200 Quadratmetern dieses städtischen Geländes hinter dem Haus der Jugend zwischen Unterem Sehlemet und Kurfürstenstraße soll zukünftig gebaut und dann seniorengerecht gewohnt werden. Die Bitburger Firma Faco Projektentwicklung interessiert sich schon länger für das Grundstück hinter dem "Parfüm-Gässchen" und will jetzt konkret werden. Wie in Bitburg unter ihrer Federführung realisiert und in Hermeskeil in Arbeit könnten in Wittlich an dieser Stelle Seniorenwohnungen entstehen. Das ist vereinbar mit dem, was die "Projektgruppe Oberstadt" schon im Januar 2003 dem Rat vorgelegt hatte. Damals war zwar die Vermarktung (unter dem Vorbehalt, es sei noch Baureife herzustellen) noch unter der Prämisse "Finanzierung einer Stadthalle" aktuell. Doch die städtebaulichen Ziele sind geblieben. Über eine Nutzung der "brachliegenden hochwertigen innenstädtischen Flächen" war unter dem Stichpunkt "Baustein Wohnen in der Innenstadt" zu lesen, die Fläche "Im oberste Gäßchen" sei "durch die Nähe zur Altstadt bei gleichzeitig ruhiger Wohnlage als hochwertiger innerstädtischer Wohnstandort zu entwickeln". Insbesondere wegen der erwarteten demographischen Entwicklung biete "sich hier auch eine Chance für ältere, vielleicht nicht mehr so mobile Menschen, mitten in der Innenstadt zu leben". Der Stadtrat entscheidet am heutigen Dienstag über Kaufoption bis 31. Juli. Demnach beabsichtige die Faco 36 bis 40 jeweils 50 bis 70 Quadratmeter große seniorengerechte Eigentums- beziehungsweise Komfort-Wohnungen zu bauen. Für das Vorhaben würden auch die bisherigen Kleingärten benötigt. Sie spielen zudem bei der Kaufpreiskalkulation eine Rolle, die eine Mischung aus Bodenrichtwerten für die Gärten von 85 Euro und für das Oberstadtgelände von 162 Euro ist. Demnach rechnet die Stadt von 6200 Quadratmetern ausgehend mit Einnahmen von gut 800 000 Euro. Mit im Boot sei auch der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes mit einer Geschäftsstelle, Tagespflege, Begegnungsstätte und einer Sozialstation, auch um den zukünftigen Bewohnern eine Betreuung anzubieten. Wichtig sei den Investoren, dass in Sachen weitere Entwicklung der Oberstadt, die Sicht zum Faco-Gebäude von der Kurfürstenstraße aus nicht verbaut werde. Folgt heute der Rat der Ausschussempfehlung, wird Faco eine sechsmonatige Option erhalten, um die planerischen, wirtschaftlichen und baurechtlichen Grundlagen in die Wege zu leiten. Sollte die Option zu einem Kauf führen, müssen die Investoren innerhalb eines Jahres mit dem Bau beginnen und denselben innerhalb eines weiteren Jahres fertig stellen. Stefan Kutscheid, Faco, ist optimistisch: "Falls der Rat zustimmt, könnte das ein Schlüsselprojekt für die Oberstadt werden. Aufgrund unserer Erfahrungen in diesem Segment und der Situation, die sich hier zeigt, bin ich zuversichtlich, dass wir mit dieser Maßnahme im Frühjahr 2007 beginnen können." Über die Option soll im nicht öffentlichen Teil der heutigen Ratssitzung entschieden werden. Der öffentliche Teil, heute, Dienstag, ab 18 Uhr, widmet sich unter anderem dem Thema Flächennutzungsplan, dem Bebauungsplan für das Gelände "ehemalige französische Schule" und dem Haus der Jugend.