Orgel und Fleischwolf

Himmerod. (gkl) Ausnahmslos junge Solisten werden bis in den September hinein die große Klaisorgel in der Himmeroder Klosterkirche erklingen lassen. Einer von ihnen war am Wochenende Paolo Oreni.

Der rote Faden, der sich durch die Konzertreihe zieht, lässt erwarten, dass der Zuhörer in erster Linie Konzerte geboten bekommt, die von Virtuosität, von jugendlichem Elan geprägt sind. Orenis Spiel war hierfür ein Musterbeispiel. So etwa in Bachs Triosonate Nr. 6 in G-Dur, BWV 530. Während der Mittelsatz nahezu vorbildlich ausgedeutet erklang, gestaltete er die beiden Ecksätze in einem mörderischen Tempo. Man musste sich wundern, dass er ob seiner Virtuosität keinen Knoten in die Beine bekam. Fasziniert sind gerade in Himmerod junge Künstler auch immer von der Klanggewalt des großen Instrumentes, die sie häufig auskosten. Auch hier bildete Oreni keine Ausnahme und durchflutete die Abteikirche häufig mit rollenden Bässen und schmetternden Zungenstimmen. Er war aber auch experimentierfreudig und nutze Register in Stimmlagen, die das typische Klangbild dieser Orgel prägen, heutzutage aber kaum noch genutzt werden. Diese Wahl der Registrierungen waren die größten Lichtblicke in Orenis Spiel, denn am Ende musste man doch feststellen, dass der junge Künstler, der sein gesamtes Programm auswendig spielte, vor allem den Kampf mit der Akustik der kathedralartigen Kirche verlor. Vor allem für die Zuhörer im Hauptschiff hinterließ das, was sich von der Orgelbühne in die Kirche ergoss, den Eindruck von Labskaus. Durchaus edle und wohlschmeckende Zutaten, die aber im Fleischwolf zu einer größtenteils unkenntlichen Masse verarbeitet wurden, worunter die Orgelfassung von Mozarts Adagio und Fuge in c-moll ebenso zu leiden hatte wie Liszts Fantasie und Fuge über ein Thema aus der Oper "Le Prophète". Wieder einmal ein Beispiel dafür, wie wichtig für einen Organisten ist, wenn er wirklich begeistern will, auch den Raum zu berücksichtigen.