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Orgelkonzert in Himmerod ohne Sentimentalität und Pathos

Orgelkonzert in Himmerod ohne Sentimentalität und Pathos

Im vorletzten Konzert des Himmeroder Orgelsommers war Sarah Baldock aus Chichester in Südengland zu Gast an der Klais-Orgel der Abtei. Sie bot ein ebenso anspruchsvolles wie abwechslungsreiches Programm, das sie mit spieltechnischer Souveränität und musikalischer Eleganz interpretierte.

Großlittgen. Dass in Himmerod mehr als anderswo englische Konzertorganisten zu hören sind, hat seit nunmehr 35 Jahren beste Tradition. Als 1976 mit Father John Birley ein Engländer Organist im Kloster wurde, war allein dieser äußere Umstand schon mehr als ungewöhnlich. Daraus hat sich in der Himmeroder Konzertreihe ein eigenes Profil entwickelt.
Sarah Baldock ist eine Musikerin mit ausgeprägtem Charakter. Frei von jedweder vordergründigen Tastenakrobatik weiß sie die jeweilige Musik in den Mittelpunkt ihrer Darbietungen zu stellen. Allein die Wahl ihrer Registrierungen und Tempi zeigte, dass sie als Kathedralorganistin weiß, wie man mit den akustischen Gegebenheiten großer halliger Räume umgehen muss.
Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge C-Dur ging sie mit erhabener Ruhe und ohne jede Hast an. Dennoch bewahrte sie im Präludium eine dem Neun-Achtel-Takt angemessen federnde Leichtigkeit, und in der Fuge baute sie kontinuierlich einen Spannungsbogen auf, der gezielt auf den Themeneinsatz im Pedal hinsteuerte.
Klangsatt und vollmundig bot Baldock danach die Sonate Nr. 8 in e-Moll von Josef Gabriel Rheinberger dar, der in dieser Sonate die barocke Form der Passacaglia aufgreift.
Frei von Sentimentalität und überladenem romantischen Pathos, obschon weit entfernt von intellektueller Unterkühltheit, ging es der Interpretin auch in diesem Werk um strukturelle Klarheit. Durch geschickte Manual- und Registerwechsel wusste sie dann im letzten Satz die klanglichen Besonderheiten der Himmeroder Orgel geschickt auszunutzen.
Percy Whitlocks "Five short pieces" sind weniger vom Kircheninstrument Orgel inspiriert, gleichwohl sie auch hier eine gute Figur machen, als vielmehr von einer bis zum heutigen Tag erhaltenen spezifisch englischen Eigenart: der Kino- oder Pavillonorgel. Und so fühlte man sich gegen Ende des Konzertes unvermittelt an die südenglische Küste versetzt, genüsslich seinen Sonntagstee schlürfend, dabei in der Ferne einer wunderschönen Volksweise lauschend.
Angetan von den Darbietungen der Künstlerin bedankten sich die Zuhörer mit lang anhaltendem Applaus. red
Auch das Abschlusskonzert des Himmeroder Orgelsommers am Sonntag, 11. September, 15 Uhr, wird noch einmal den Blick nach England richten. Professor Johannes Geffert (Köln) wird dann Werke von Hollins, Wesley und Händel spielen.