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Ortschefs sind sauer auf die Sparkasse: Schließung von Filialen stößt auf scharfe Kritik

Ortschefs sind sauer auf die Sparkasse: Schließung von Filialen stößt auf scharfe Kritik

Die Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück schließt zum 1. Februar 13 Geschäftsstellen und baut an 15 Standorten die Selbstbedienungsterminals ab. Das hat in den betroffenen Gemeinden gestern für Unruhe gesorgt. Die Ortsbürgermeister sind sauer, zumal sie zuvor nicht informiert wurden.

Bernkastel-Wittlich. In Binsfeld leben inklusive der amerikanischen Soldaten von der Airbase Spangdahlem rund 1500 Einwohner. Und dort sind zahlreiche Gewerbebetriebe ansässig. Ab dem 1. Februar gibt es dort keine Bankfiliale und keinen Geldautomaten mehr. Die Sparkasse schließt ihre Geschäftsstelle (der TV berichtete). Die Raiffeisenbank hat schon längst ihre Filiale dort dichtgemacht. Die nächsten Filialen der Sparkasse Mittelmosel befinden sich dann in Manderscheid und Wittlich.

Der Ortsbürgermeister von Binsfeld, Walter Faber, sagt: "Ich habe erst gestern aus der Zeitung erfahren, dass unsere Sparkassenfiliale geschlossen wird. Ich hatte vorher überhaupt keine Informationen und weiß auch nichts Genaues über die Gründe." Jetzt wartet Faber auf den Anruf der Sparkasse. Es wird wohl für die Bankmanager kein erfreuliches Gespräch sein. Faber will sich nicht so schnell mit der Entscheidung abfinden. Ob es noch eine Chance gibt, die Filiale in Binsfeld zu belassen oder im Ort an einen anderen Standort zu verlegen? Faber: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Auch die Mittelmosel ist stark betroffen: Roland Bender, Ortsbürgermeister von Enkirch, spricht im Zusammenhang mit der Ankündigung der Geschäftsstelle in seinem Ort von einem "Unding und einer Unverschämtheit". Die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach blute immer weiter aus.
Marcus Heintel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, drückt es eher diplomatisch aus. "Ich bin nicht froh mit dieser Nachricht", sagt er. Damit gebe es in der gesamten neuen VG nur noch die Geschäftsstelle im Stadtteil Traben.

"Es geht nur um die Kosten und um Gewinnmaximierung. Der kleine Mann und die älteren Menschen bleiben auf der Strecke", sagt der Zeltingen-Rachtiger Ortsbürgermeister Manfred Kappes. Er ärgert sich auch, dass er aus der Zeitung von der Schließung der Zweigstelle erfahren hat. Für einen touristisch stark geprägten Ort wie Zeltingen-Rachtig, in dem vieles noch intakt sei, wirke sich eine solche Schließung besonders gravierend aus. Zeltingen-Rachtig ist einer der größten Orte in der VG Bernkastel-Kues und verzeichnet jedes Jahr mehr als 100 000 Übernachtungen.
"Ich bin geschockt", sagt Günter Fehres, erster Beigeordneter der Ortsgemeinde Mülheim. Im Ort gebe es viele Geschäftsleute. Auch für viele Leute aus der Grafschaft, wie Veldenz, Brauneberg und Burgen, sei Mülheim Anlaufstation. Da es auch keine VR-Bank gebe, bestehe nun in Mülheim gar keine Möglichkeit mehr, am Automaten Geld zu ordern.

"Damit war nicht zu rechnen", sagt der Piesporter Ortsbürgermeister Stefan Schmitt. Die Sparkasse schneide sich damit ins eigene Fleisch. Schließlich habe sie einen anderen Auftrag als eine Bank. Kein Verständnis hat Schmitt dafür, dass nicht einmal ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker als Serviceeinrichtung übrig bleiben.
Auf unserer Facebook-Seite "Wittlicher TV-Redaktion" sind 23 Kommentare eingegangen. Fast alle machen ihrem Ärger Luft. Gitta Kuntz-Becker schreibt: "Ein Grund zur Sparkasse zu gehen, sind die vielen Automaten und die Terminals, an denen ich abends noch abheben oder einzahlen gehen kann. Ob das mal nicht ein dickes Eigentor wird." Petra Bayer Hansen meint: "Es ist noch nicht sehr lange her, da hat die Sparkasse damit geworben, dass sie so viele Filialen hat."
Und Stefanie Pohl schreibt auf Facebook unter anderem: "Ich bin echt entsetzt, dass dann auch in vielen großen Ortschaften noch nicht einmal mehr ein SB-Terminal stehen wird."
Peggy Lahm kann es kaum fassen: "Das ist ein schlechter Scherz jetzt, oder?"