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Osann-Monzel: Zu Gast beim größten Federweißer Produzent an der Mosel

Günter Meierer und seine Trauben : Der erste Federweiße ist im Glas - Zu Gast beim größten Federweißer Produzent an der Mosel (Fotos)

Günter Meierer aus Osann-Monzel ist der größte Federweißer Produzent an der Mosel. An diesem Wochenende startete die Lese, des süßen, halbvergorenen Mostes, mit etwas Romantik aber auch viel Arbeit. Die Riesling Ernte beginnt dieses Jahr erst später.

Es ist Herbst. Man merkt es an den Temperaturen und es gibt den ersten Federweißen. In einem Weinberg in Osann-Monzel stehen einige Erntehelfer und die beiden Weinbautechniker Jan Bollig und Matthias Poss und lesen die ersten Trauben der Rebsorte Solaris, die zu Günter Meierers Betrieb gehören. Diese Trauben eignen sich besonders gut für den Federweißen, denn sie sind früh reif, süß und brauchen keinen Pflanzenschutz.

Selbst in diesem Jahr, wo es viel geregnet hat und deshalb ein hoher Pilzdruck und die Gefahr des Mehltaus da war, brauchten sie nichts. Günter Meierer sagt: „Solaris ist genau richtig für den Federweißen. Die Sorte als Wein auszubauen, macht nicht viel Sinn, denn sie kann geschmacklich nicht mit den klassischen Rebsorten, wie etwa dem Riesling, mithalten.“ Neben Solaris ist auch die Rebsorte Ortega gut für den ersten angegorenen, süßen Traubenmost. Im 31. Jahr stellt der Osann-Monzeler Winzer Federweißer her. Er ist an der Mosel Marktführer. Er sagt: „Als ich angefangen habe, waren die Italiener und Rheinhessen führend in diesem Bereich und ich habe das nicht eingesehen, dass wir ihnen hier an der Mosel, den Markt überlassen sollen.“ Weiter erklärt er: „Wir haben die Trauben, wir haben die Kunden, da sollte es doch möglich sein, diese beiden zusammenzuführen.“ Mit 800 Litern ist er im ersten Jahr gestartet, die macht er heute an einem Tag.

Den Beginn der Traubenlese für den Federweißen hat er selbst festgelegt. Zwischen dem Wochenende, vor dem ersten September bis zum ersten November, geht die Saison. „Es ist ein sehr schnelles Geschäft. Da ich aber an der Mosel so ziemlich der Einzige bin, der Federweißer anbietet, brauche ich kein großes Marketing“, so der Winzer. Den Größten Teil der Trauben liest er mit Erntemaschinen, die Handlese ist eher die Ausnahme. Das ist auch kein Problem, denn zu seinem Betrieb gehört auch ein Lohnunternehmen mit fünf Vollerntern, die alle einen eigenen Namen haben: Max, Moritz, Mary, Michel und Willi sind in der Traubenlese im Einsatz.

Im jungen Gesetz, das seine Mitarbeiter mit Erntehelfern aus Polen erntet, ist die Stimmung trotz des regnerischen Wetters gut, hier und da stimmt auch einer mal ein Liedchen an. Als die Trauben im Weingut ankommen und auf die Kelter gepumpt sind, messen die beiden Weinbautechniker Jan Bollig und Matthias Poss das Mostgewicht des Safts. Mit den 75 Grad Oesle sind sie sehr zufrieden. „Damit kann man was anfangen“, sagen sie. Um einen guten Federweißen zu bekommen, ist die Gärung ein wichtiger Faktor. Sie wird mit der Temperatur gesteuert. Deshalb braucht es Kühl- und Heizmöglichkeiten. Günter Meierer erklärt: „Ist es zu kalt, bekommt man die Gärung nicht in Gang, ist es zu warm, bekommt man sie nicht gebändigt.“ Oft wird nachts bei kalten Temperaturen geerntet und am Tag sorgt die Sonne für Tempo im Gärprozess. „Federweißer verzeiht nicht. Deshalb macht man jeden Fehler nur einmal“, weiß der Winzer aus eigener Erfahrung.

Den Federweißen verkauft er an der Haustür, an sehr viele Lebensmittelgeschäfte im Umkreis von 50 Kilometern, an Winzerkollegen und an die Gastronomie im Trierer und Bernkastel-Kueser Raum. Auch in Aachen hat er Kunden und er versendet auf Paletten stehend. „Samstags wird immer gelesen und dienstags in Flaschen abgefüllt. Mit dieser Zuverlässigkeit, den Mengen, die wir liefern können, und der Qualität, durch unsere Lager- und Kühlmöglichkeiten, können wir bei den Kunden punkten.“

Der Federweißer vom Weingut Meierer wird relativ süß geliefert. „Wem er so schmeckt, stellt ihn in den Kühlschrank, wem er zu süß ist, stellt ihn einfach daneben“, erklärt er. Der Alkoholgehalt des Federweißen liegt zwischen zwei und vier Prozent.

Der Gesamtabsatz des Federweißen fällt, weil viele Winzer aufhören. Günter Meierer wird zum Ende des Herbsts sein Ziel von 45.000 Litern mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen.

Die Riesling Ernte startet in diesem Jahr erst später an der Mosel. Walter Clüsserath, Weinbaupräsident Mosel sagt: „Die Riesling Ernte wird dieses Jahr nicht wie in den Vorjahren im September beginnen. Entscheidend ist jetzt das Wetter in den nächsten Wochen.“

Info: Federweißer

Federweißer ist süßer Traubenmost, der angegoren ist. Der Alkoholgehalt liegt zwischen zwei und vier Prozent. Während des Gärprozesses nimmt der Alkoholgehalt zu. Die Hefen im Most wandeln den Zucker aus den Trauben weiter in Alkohol um, und die Süße nimmt ab. Federweißer darf nicht verkorkt werden, sondern wird luftdurchlässig verschlossen, damit die Kohlensäure, die beim Gären entsteht, entweichen kann. Zum Federweißen wird sehr gerne Zwiebelkuchen gereicht. In manchen Regionen heißt Federweißer auch „Sauser“, Rauscher“ oder „Bitzler“ wegen seines prickelnden Geschmacks. Chb

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der erste Federweißer wird an der Mosel gelesen