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Pädophiler: Ich kenne mein Problem - Amtsgericht Wittlich verurteilt Mann zu einem Jahr Haft

Pädophiler: Ich kenne mein Problem - Amtsgericht Wittlich verurteilt Mann zu einem Jahr Haft

Das Schöffengericht am Amtsgericht Wittlich hat einen 34-Jährigen wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Der Mann saß unter anderem wegen des Missbrauchs von Minderjährigen bereits im Gefängnis.

"Ich kenne mein Problem und will mein Leben wieder in den Griff bekommen", sagte der Angeklagte vor der Urteilsverkündung. Das Problem des 32-Jährigen, über das Richter und Schöffen, Staatsanwalt, Verteidiger und eine Gutachterin diskutierten und es beurteilten, ist schwerwiegend. Er hat laut psychiatrischem Gutachten eine "pädophile Nebenströmung". Anders ausgedrückt: Er steht auf minderjährige Mädchen, kann aber auch mit erwachsenen Frauen befriedigenden Sex haben.

Die Anklage: Heute Morgen stand er wegen des Besitzes von Kinderpornos vor Gericht. In seiner Wittlicher Wohnung hatte er auf seinem PC rund 1000 Dateien mit einschlägigen Videos und Fotos gespeichert. Zu sehen sind Kinder, teilweise unter zwei Jahre alt, denen Gewalt angewendet wird und die sexuell missbraucht werden. Zurzeit befindet sich der Mann in einer sozial-therapeutischen Justizvollzugsanstalt. Im Februar kommenden Jahres sollte er freikommen, doch nach dem Urteil - ein Jahr Freiheitsstrafe - wird er dort bis Ende 2017 bleiben.

Die Vorstrafen: Bereits vor elf Jahren war er wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte sich an der elfjährigen Tochter seiner damals 15 Jahre älteren Freundin vergangen. Fünf Jahre später freundete er sich mit einem 13-jährigen Mädchen an. Er wusste ihr Alter und wurde wieder übergriffig, in dem er mit ihr Zungenküsse austauschte, ihre Brüste und den Intimbereich berührte. Sein Vorstrafenregister beinhaltet noch eine ganze Reihe anderer Straftaten: Diebstahl, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung, Trunkenheitsfahrten und vor allem immer wieder Rauschgiftdelikte. Er selbst konsumierte Drogen, vor allem Cannabis aber auch Amphetamine und Ecstasy. "Wenn ich aufgeputscht war, habe ich mir die Kinderpornos angeschaut, dann hatte ich weniger Hemmungen", sagte er vor Gericht.

Die Kindheit: Seine Kindheit war schwierig, die Eltern trennten sich, als er eineinhalb Jahre alt war. Die Mutter wird als "extrem unzuverlässig" beschrieben. Er wuchs bei seinen Großeltern auf. Mit 18 Jahren zog er aus. Er machte eine Bäcker- später eine Dachdeckerlehre. Die Beziehungen, die er zu Frauen hatte, beschreibt er als gut mit einem normalen Sexualleben. Aber irgendwann habe er gemerkt, "dass etwas mit ihm nicht stimmt". Deshalb sei er auch nie allein ins Schwimmbad gegangen.

Das Urteil: Staatsanwaltschaft und Verteidigung hielten ihm sein umfassendes Geständnis zugute sowie seine Bereitschaft, von seinen pädophilen Neigungen loszukommen. Gegen ihn sprächen allerdings seine zahlreichen Vorstrafen. Der Richter folgte dem Antrag des Verteidigers und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. Der Staatsanwalt hatte drei Monate mehr gefordert. Das Urteil ist rechtskräftig.