Palaver an der Parkuhr

WITTLICH. Des einen Freud, des anderen Leid: Beim Thema Parkuhren scheiden sich die Geister. Der TV hat nachgefragt, wie Wittlicher Geschäftsleute über freies Parken und Abkassieren denken.

Die Säubrennerstadt zieht zunehmend Touristen an - auch Gäste aus dem Ausland. Die haben gelegentlich ihre liebe Mühe und Not mit Wittlichs Parkuhren. Steht mal wieder einer grübelnd vor einem der Automaten, die Geldbörse in der Hand, und findet den richtigen Knopf nicht, so kann man fast sicher sein: Es ist wohl ein Holländer, Franzose, vielleicht ein Amerikaner.100 000 Euro im Jahr an Parkgebühren

In der Regel reagiert er dankbar, wenn Passanten helfen, wirft den verlangten Betrag ein, steckt den Parkschein hinter die Scheibe und trägt so zu den insgesamt rund 100 000 Euro bei, die auf diesem Weg alljährlich den Stadtsäckel füllen. Wittlich kann sich auf steigende Touristenzahlen einstellen. Die Verwaltung möchte sich daher mit der Herstellerfirma der Parkuhren in Verbindung setzen: Vielleicht gebe es ja mehrsprachige Beschriftungen für die Parkuhren, sinniert Pressesprecher Ulrich Jacoby. Die Anregung liegt der zuständigen Abteilung Tiefbau bereits vor. Beim Thema Parken scheiden sich ohnehin die Geister. Als "nicht unbedingt kundenfreundlich" empfindet die Geschäftsführung des Textilhauses Freckmann die Wittlicher Lösung. Kay Sibbersen sähe lieber statt einer freien halben Stunde eine freie ganze Stunde für die Käufer. Samstage sollten generell gebührenfrei sein. Damit erhofft er sich zusätzlichen Zulauf für die Innenstadt. Gerd Schleidweiler (Salon Gerhaards) plädiert für eine Verlängerung der Höchstparkzeit zumindest auf dem Parkplatz in der Karrstraße. "Manche Menschen kaufen gerne ganz in Ruhe ein." Für noch mehr Kurzzeitparkplätze spricht sich Irmgard Scheeren (Juwelier Sulz) aus. "Man kauft in der Stadt ein, zum Beispiel auch wenn Markt ist, und läuft dann bepackt wie ein Esel bis zum Parkplatz Rommelsbach." Gerade für Frauen sei das nicht sehr wünschenswert."Dauerparker hebeln gute Idee aus"

Auch Cindy Hoffmann (Reisebüro Grete Schmitz) und Sandro Baumann (Optik Krass) kennen es: Nach der freien halben Stunde, mitten im Beratungsgespräch, laufen die Kunden aus dem Laden, erneuern den Parkschein - von Rechts wegen nicht vorgesehen - oder fahren gleich nach Hause. Baumann berichtet von blockierten Kurzzeitparkplätzen in der Himmeroder Straße. Dauerparker, die alle 30 Minuten neue Tickets zögen, hebelten damit die gute Idee aus. Das bestätigt Georg Klein (Möbelhaus Klein), wobei er einschränkt: Viele schwarze Schafe seien es nicht. Klein ist mit der Wittlicher Lösung sehr zufrieden. Für einen kurzen Kunden- und Vertreterbesuch genügten 30 Freiminuten; wer länger verweile, könne ja einen Euro einwerfen. Eric Illigen aus der Metzgerei gegenüber profitiert vom freien Kurzzeitparken: Seine Kunden wissen, was sie wollen, bleiben nicht länger als eine halbe Stunde. "Von uns aus kann das gerne so bleiben." Sandro Baumann hat eine Idee, die für rege Diskussionen sorgen dürfte. Er regt an, die Parkuhr ganz verschwinden zu lassen. Stattdessen könne jeder, der Gewerbesteuer zahlt, einen Obolus an die Stadt entrichten. Es wäre ein Rechenexempel wert, meint er. Denn der Werbeslogan "Wir zahlen Ihre Parkgebühren" würde den Säubrennern sicher zusätzliches Renommee bescheren, und damit zusätzliche Kundschaft - und Einnahmen.