Pampers und Premieren: Basketballer zu Besuch im Gefängnis

Pampers und Premieren: Basketballer zu Besuch im Gefängnis

Basketballer des Zweitliga-Teams Gladiators Trier sind am Dienstag zu Besuch im Wittlicher Gefängnis gewesen. Nach einer 60-minütigen Trainingseinheit hatten die Gefangenen die Möglichkeit, Spieler und Management mit Fragen zu löchern.

Wenn ich hier raus bin, komme ich Euch unterstützen." Mindestens einen Fan mehr haben die Basketballer der Gladiators Trier seit gestern Nachmittag. Drei Spieler des Zweitliga-Teams haben Gefangenen der Wittlicher Justizvollzugsanstalt (JVA) und der Jugendstrafanstalt eine Trainingsstunde gegeben. Gladiator Simon Schmitz leitete die Einheit gemeinsam mit seinen Mitspielern Brandon Spearman und dem in Wittlich geborenen Kilian Dietz.
Etwa eine Stunde lang zeigte das Trio den Gefangenen Tricks und Kniffe rund um Korbleger, Dribblings und Passspiel oder machte Spiele mit ihnen.
"Ich bin froh, dass der Besuch hier möglich wurde. Das zeigt, dass es keine Berührungsängste gibt", sagte JVA-Leiter Jörn Patzak, der den Kontakt zum Verein geknüpft hat. In den 1990ern spielte Patzak selbst beim Vorgängerverein der Gladiators, dem TVG Trier, in der Basketball-Bundesliga — und dabei unter anderem gegen den Vater des jetzigen Trierer Spielers Simon Schmitz.
Was verdient ein Basketballer?
Auch bei der anschließenden Fragerunde zeigten weder Spieler, noch die mitgereisten Geschäftsstellenleiter Stefan Kölbel und Manager Michael Lang oder die Gefangenen Berührungsängste. Lang war vor allem bei Fragen rund ums Thema Finanzen gefragt. "Was verdient denn ein Spieler bei Euch?", wollte einer der JVA-Insassen wissen. Die Antwort dürfte alle überrascht haben: Neben einem Auto und einer Wohnung bekämen die Spieler im Schnitt 1000 bis 1200 Euro, so Lang. Der 1,5-Millionen-Euro-Etat des Teams werde zu einem Teil durch Sponsoren, zum anderen durch den Verkauf von Eintrittskarten gedeckt. Und: Kostenlose Tickets gibt's nicht mehr. "Freikarten sind Arschlöcher, sie zeigen nur, dass Du nichts wert bist", sagte Lang.
Auch von den Spielern wollten die JVA-Insassen vieles wissen, zum Beispiel zu Ernährung, Partymöglichkeiten am Wochenende oder dem Sport an sich.
So antwortetet Brandon Spearman auf die Frage, seit wann er Basketball spiele: "Seit ich fünf Jahre alt bin, also frisch aus den Pampers raus."
Für die Gladiators war der Besuch im Gefängnis wie für die Gefangenen eine Premiere. Gladiators-Geschäftsstellenleiter Stefan Kölbel: "Wir sind mit unserem Team oft in Schulen. Aber so etwas wie heute hatten wir noch nicht, das hat schon seinen Reiz."
Zum Abschluss überreichte JVA-Leiter Jörn Patzak den Basketballern ein in der Schreinerei der JVA gefertigtes Vereinslogo aus Holz.

Trinkwasser in der JVA
Keine Neuigkeiten gibt es in der Wittlicher Justizvollzugsanstalt in Sachen Trinkwasser. Seit Ende November müssen Gefangene und Personal wegen Spuren von Blei, Nickel und Kupfer im Trinkwasser ihren Durst mit Wasser aus Plastikflaschen stillen.
Voraussichtlich Ende Februar ist laut JVA-Leiter Jörn Patzak mit einem Ergebnis der Untersuchungen zu rechnen, derzeit sei man weiterhin auf der Suche nach der Ursache.

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