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Panzergeschoss ruiniert Riesensäge

Panzergeschoss ruiniert Riesensäge

Das hätte schlimm enden können. Beim Zersägen eines Buchenstammes erwischte die riesige Bandsäge von Uwe Wiesel in Kleinich ein noch scharfes Panzergeschoss aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Sägeblatt wurde zerstört, zum Glück kam niemand zu Schaden. Der Kampfmittelräumdienst musste anrücken.

Kleinich. "Schauen Sie sich die Säge an. Die Zacken sind abgerissen oder total verbogen. Es hat fürchterlich gekracht, und die Funken sind geflogen." Uwe Wiesel, der im Kleinicher Ortsteil Fronhofen ein Sägewerk betreibt, kann immer noch nicht so richtig fassen, was ihm kürzlich widerfahren ist.
Sein Mitarbeiter Ulrich Schneider wuchtet kurz vor Feierabend einen knapp halben Meter dicken Buchenbaumstamm auf die Säge und lässt die Maschine anlaufen. Kurze Zeit später dann ein Höllenlärm. Die Säge heult auf und steht Sekunden später still. Die Säge hat wohl mal wieder einen Metallsplitter oder Nagel getroffen, vermutet Wiesel. Zwei- dreimal im Jahr kommt es vor, dass das 8,5 Meter lange Stahlband auf metallene Fremdkörper trifft. Rund 300 Euro kostet ein neues Bandsägenblatt. Schneider und Wiesel schauen sich das Malheur an und schlagen mit einem Stemmeisen das Metallteil aus dem Holz.
Brisanter Fund

 Nicht groß, aber gefährlich: Dieses Panzergeschoss, Kaliber 22 Millimeter, steckte in dem Baumstamm. Foto: privat
Nicht groß, aber gefährlich: Dieses Panzergeschoss, Kaliber 22 Millimeter, steckte in dem Baumstamm. Foto: privat


Dabei machen sie einen brisanten Fund. Zum Vorschein kommt ein acht Zentimeter langes Panzergeschoss, Kaliber 22 Millimeter. Zufällig hat Wiesel Minuten später eine Försterin am Telefon. Die rät ihm, sofort den Kampfmittelräumdienst zu informieren. "Lassen Sie die Finger davon, und stecken Sie das Geschoss in einen mit Sand gefüllten Eimer. Das Teil könnte Phosphor enthalten", warnt ihn ein Experte. Sicherheitshalber schiebt Wiesel den Eimer und den restlichen Baumstamm über Nacht ins Freie, falls sich der Phosphor in der Munition bei Kontakt mit Sauerstoff entzünden sollte. Am nächsten Tag kommt der Munitionsfachmann nach Fronhofen und holt den Blindgänger mit. Nach seiner Einschätzung hätte die Sprengstofffüllung ausgereicht, um das Dach der Sägehalle anzuheben.
Der 80 bis 90 Jahre alte Baum stammt aus einem Privatwald in Morbach-Merscheid und sollte im Auftrag eines Treppenherstellers zerschnitten werden.
Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkrieg sind in den deutsch-französischen, deutsch-belgischen und deutsch-luxemburgischen Grenzregionen ein forstwirtschaftliches Problem, sagt Andreas Boll, Holzmarktreferent bei der Zentralstelle der Forstverwaltung Rheinland-Pfalz in Koblenz. Etwa zehn Prozent des Laubholzes im Land seien "besplittert". Nadelbäume seien kaum betroffen, da diese in jüngeren Jahren geschlagen werden. Besonders häufig treffen Forstleute und Sägewerker auf Granatsplitter in Laubbäumen aus Wäldern rund um Prüm, Neuerburg und Saarburg. In den Wäldern der westlichen Eifel wurden während der Ardennenoffensive im Winter 1944 mehrere Millionen Festmeter Holz durch Granatsplitter entwertet.
Viele Sägewerke sind mit Metallsuchgeräten ausgestattet, die die Bäume vor dem Zersägen untersuchen. Für den Kauf eines solchen Durchlaufdetektors reicht der Umsatz seines Betriebes nicht, sagt Wiesel, der in seinem Sägewerk pro Jahr rund 2000 Festmeter Holz schneidet.