"Papa, kann man da mitfahren?"

Viele Besucher in Traben-Trarbach: Jeder hat seinen eigenen Blickwinkel auf das Internationale Motorboot-Rennen, an dem Rennfahrer aus der ganzen Welt teilnehmen.

Traben-Trarbach In Kröv wird nachts mit großem optischem Spektakel gelaufen, in Traben-Trarbach dagegen tagsüber an gleich zwei Tagen mit donnernden Rennmaschinen über die Mosel gebrettert. An Pfingsten herrscht an der Mosel ein Überfluss an sportlichen und damit auch touristischen Ausnahme-Veranstaltungen der besonderen Art. Neben den Teilnehmern am Kröver Mitternachtslauf und an den Traben-Trarbacher Motorbootrennen sind es vor allem die vielen Zaungäste, Besucher und Kiebitze, die die Pfingstfeiertage zu einem Wochenende der Superlative zwischen Bernkastel-Kues und Cochem machen. In der Stadt Traben-Trarbach ist das Rennen überall präsent. In den Auslagen der Geschäfte hängen große Plakate, die auf das außergewöhnliche Spektakel hinweisen. "Wir sind schon sehr froh darüber, dass das Motorbootrennen nach so langer Pause wieder stattfindet. So ein Ereignis zieht Leute an, das spricht sich rund", erfahren wir auf Nachfrage in Peters Brillenladen. Es herrscht geschäftiges Treiben am Lebensnerv der Stadt, dem Fluss. Obwohl für den Nachmittag Gewitter gemeldet sind, ist das "Gold auf zwei Beinen", die Besucher der Stadt, in großer Anzahl vertreten. Auf der weitläufigen Promenade der Hunsrück-Seite der Doppelstadt werden die Neu-Ankömmlinge mit undeutlichen Sprachfetzen von der gegenüberliegenden Moselseite empfangen. Dort liegen die Boote noch am Steg, weil der Fluss noch für die Personen-Schifffahrt frei gegeben ist. Auf einem der großen Parkplätze ist gerade ein Reisebus vorgefahren, aus dem eine unternehmungslustige Schar älterer Herrschhaften drängt. SFA: das Kfz-Kennzeichen verrät es: Soltau-Fallingbostel. Eine Reisegruppe aus Niedersachsen steigt aus. Vom Interesse am Rennen zunächst keine Spur. Denn: der Ausflugsdampfer Moselperle wartet auf die muntere Schar, um diese nach Bernkastel-Kues zu schippern. Als dann das Kreischen der hoch- gezüchteten Motoren laut wird, weil nun die Renner an der Reihe sind, wird man doch auf das Spektakel aufmerksam. "Nein, das hat man uns vorher nicht gesagt. Aber Interesse hätte ich schon, mir das einmal anzuschauen", sagt uns ein männliches Mitglied der Reisegruppe auf unsere Nachfrage. Seine Begleiterin hat für den Reiz der Rennerei nichts übrig und meint nur lapidar: "Die Dinger machen Lärm und stinken." Im Lauf des Tages füllt sich das Fahrerlager auf der Eifel-Seite mit zahlreichen Gästen. Dort sind viele Helfer wie das THW, die Wasserschutz-Polizei, die Quadstaffel, der Funkclub und das DRK im Einsatz. "Den Leuten kann man nicht genug danken, sagt Ausrichter Ingo Kaspari." In der Ankerklause ist kaum noch ein Platz auf der Terrasse zu bekommen. Ein Vater steht mit seinem Steppke, den er vorsichtshalber an der Hand hält, am Ufer und schaut dem ungewöhnlichen Treiben zu. Der Junior, offenbar fasziniert von der Rennerei auf dem Wasser, stellt die Frage aller Fragen, die einen Sechsjährigen in einem solchen Moment umtreibt: "Papa, kann man da mal mitfahren?" Papa zuckt nur leicht zusammen und murmelt etwas von "viel zu gefährlich…" - So hat hat jeder seinen eigenen Blickwinkel auf die Ereignisse auf dem Fluss an diesen Tagen. Weiterer Bericht im Sport Seite 17Extra: INTERNATIONALES MOTORBOOTRENNEN

Das Motorbootrennen wird in Traben-Trarbach bereits seit 1959 ausgetragen. In diesem Jahr ging der Titel ins nordöstlichste Mitglied der Europäischen Union, nach Estland an Rasmus Haugsmägi. Zu der Veranstaltung kommen jedes Jahr mehrere Tausend Besucher.