Papst Benedikt XVI. empfängt Pilgerweg-Initiator Erich Schwind

Papst Benedikt XVI. empfängt Pilgerweg-Initiator Erich Schwind

Auge in Auge mit dem Papst: der heutige 22. September wird für Erich Schwind aus Bengel ein unvergesslicher Tag sein. Auf Einladung von Bundespräsident Christian Wulff nimmt der Initiator des Cusanus-Pilgerweges (der TV berichtete mehrfach) am Empfang für Papst Benedikt XVI. im Schloss Bellevue teil. Damit wird das große ehrenamtliche Engagement des 80-Jährigen gewürdigt.

Bernkastel-Kues/Berlin. Der Papst ist zu Besuch in Deutschland, und einer freut sich ganz besonders: Erich Schwind aus Bengel. Wenn der 80-Jährige daran denkt, ihm in Berlin ganz nahe zu sein, bekommt er Gänsehaut. Er glaubte zu träumen, als er die Einladungskarte des Bundespräsidenten in seinen Händen hielt. Dass er zu den 1200 Geladenen aus der Bundesrepublik und dem Ausland gehört, die beim Begrüßungszeremoniell mit militärischen Ehren im Schloss Bellevue dabei sein dürfen, machte ihn überglücklich.
Zeremoniell beginnt um 11 Uhr


"Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Benedikt XVI.", sagt er. Denn schon einmal kam er dem Papst ganz nahe - bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz 2007 konnte er dem Papst persönlich die Hand geben und ihm das Pilgerbuch zeigen. Wie nahe er dem Pontifex heute kommt, weiß er nicht. Gestern Abend kam Schwind mit dem Zug in Berlin an, übernachtete in einem Hotel am Bahnhof. Die Teilnehmer am Papstempfang trafen sich bereits um 7 Uhr in der Frühe in einer Kaserne beim Flugplatz Tegel und wurden mit Bussen zum Schloss Bellevue gebracht. Um kurz nach 11 Uhr beginnt das Zeremoniell - und dann ist nicht nur einer sicher ganz aufgeregt.
Auslöser für die Einladung war Schwinds großes Projekt - der internationale Cusanus-Pilgerweg. (siehe Extra), ein ehrgeiziges Projekt, das Menschen unterschiedlicher Nationen und Religionen zusammenbringen soll.
Kurt Beck, rheinland-pfälzischer Ministerpräsident: "Ich freue mich, dass Erich Schwind vom Bundespräsidenten eingeladen wurde, am Empfang des Papstes teilzunehmen. Darin sehe ich Anerkennung und Dank für seinen herausragenden Einsatz, den großen Nikolaus von Kues in unser Bewusstsein zu rücken. Besonders durch seine, von ihm initiierte Pilgerreise von Bernkastel-Kues nach Rom , über die ich gerne die Schirmherrschaft übernommen habe, konnte er zum Brückenbau im Sinne von Cusanus beitragen. Dieser hat schon vor über 600 Jahren den Frieden zwischen den Völkern und Kulturen angestrebt".
In einem besonderen Pilgerbuch sind alle Wegetappen, die eine 30-köpfige Pilgergruppe auf ihrer Fußwallfahrt 2006 bis 2007 mit den 14 Kreuzwegstationen auf dem Rücken zurücklegte, niedergeschrieben.
Auch Friedensnobelpreisträger Lech Walesa würdigte bei seinem Besuch im St.-Nikolaus-Hospital 2008 das Engagement Schwinds mit einem Eintrag in dieses Buch: "eine großartige Leistung dieses Volkes, möge sich das übertragen auf das heutige Europa".
Und Erich Schwinds Ideen gehen weiter. Denn nun müsse dieser Pilgerweg ähnlich dem Jakobsweg noch stärker in die Öffentlichkeit getragen werden, betont er.
1000 bis 1400 kleine wetterfeste Schilder sollen die 1400 Kilometer lange Strecke von Kues bis Rom markieren und für jeden Pilger sichtbar machen. Von Willi Bottler aus Andel stammt der Entwurf mit dem roten Krebs als Wegzeichen. Stadtbürgermeister Wolfgang Port: "Erich Schwind hat sich mit diesem internationalen Pilgerweg, der Menschen unterschiedlicher Nationen und Religionen zusammenbringen soll, einen Lebenstraum erfüllt. Seine Vision, anfangs von so manchem belächelt, hat er beharrlich verfolgt und realisiert".
Schwind engagiert sich in vielen weiteren Bereichen, tatkräftig auch in der Bürgerstiftung Bernkastel-Kues. Dort will er mit seiner Aktion "einen Cent an jedem Tag" insbesondere auch die Jugend motivieren, sich für andere einzusetzen.
Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, sieht in Schwind einen unermüdlichen Motor in der Bürgerstiftung: "Er gehört hier zu den wichtigsten Zeitspendern und Ideenstiftern. Tief verwurzelt im christlichen Glauben engagiert er sich selbstlos überall dort, wo Hilfe benötigt wird. Die Auszeichnung, beim Papstbesuch dabei zu sein, hat gerade er besonders verdient". mbl
Der internationale Cusanus-Pilgerweg geht auf die Initiative von Erich Schwind aus Bengel zurück. Das Gesamtprojekt baut auf dem großen Theologen und Philosophen Nikolaus von Kues auf. Bei der Fußwallfahrt von Ostern 2006 bis 0stern 2007 legte die Pilgergruppe mit rund 30 Teilnehmern aus der Region rund 1400 Kilometer in sieben Etappen zurück. Mit dabei auf dem Rücken die 14 Kreuzwegstationen, die Schwind eigenhändig geschnitzt hat. Diese sind an Stätten, wo Cusanus wirkte, aufgestellt. Das Pilgerkreuz, das mit seinen schräg angebrachten Balken an die "Schieflage" der Gesellschaft (Schere zwischen Arm und Reich) erinnern soll, führte den Pilgerweg an. Die Verteilung der Stationen geht auf den Vorschlag von Helmut Gestrich, den ehemaligen Landrat und späteren Bernkastel-Kueser Bürgermeister zurück. Mit Hilfe der Pilgergruppe, zahlreicher Sponsoren, Gönner und Helfer sowie der großen Unterstützung der Pfarreien auf dem Weg konnte das große Projekt realisiert werden. Es endete mit dem persönlichen Empfang bei der Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. in der Karwoche 2007 auf dem Petersplatz. Die damalige Landrätin Beate Läsch-Weber zeichnete die Pilgergruppe mit dem Bürgerpreis "Stille Stars" aus. Dieser Weg des Friedens und der Völkerverständigung soll nun durch die Krebs-Wegweiser markiert werden. Das Pilgerkreuz im Kleinformat zum Umhängen soll Erkennungszeichen der Cusanuspilger sein. Ein Wanderkatalog mit Wegbeschreibung und Auflistung von Unterkünften wird erstellt. mbl