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Papst-Weinstock soll reiche Früchte tragen

Papst-Weinstock soll reiche Früchte tragen

Papst Benedikt XVI. sagte nach seiner Ernennung, dass er ein einfacher Arbeiter im Weinberg Gottes sein wolle. Dieser Satz hat dem Enkircher Winzer Heinz Schütz besonders gut gefallen. Er schenkte dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nun einen Rebstock auf Lebenszeit aus der Lage Enkircher Steffensberg.

Enkirch/Rom. Am 19. April 2005 saß Heinz Schütz genauso wie Millionen andere Zuschauer gebannt vor dem Fernsehgerät. Soeben hatten die Kardinäle Josef Ratzinger zum Papst gewählt. Heinz Schütz - er ist Protestant, seine Ehefrau Katholikin - erinnert sich: "Irgendetwas hatte mich in den Bann gezogen - seine Bescheidenheit und seine sympathische Art." Schütz erinnerte sich ferner daran, dass Kardinal Ratzinger in vielen seiner Schriften oft auf die Heilige Hildegard von Bingen zu sprechen kommt. Hildegard beschäftigte sich unter anderem mit der Medizin und der Heilkraft des Weines. Winzer Schütz betreibt in Enkirch neben seinem Weingut ein Hotel-Restaurant und einen Naturkostladen. Speisen und Kräutermischungen lehnen sich an Rezepte der großen mittelalterlichen Mystikerin und Gelehrten an.Im November schrieb Schütz einen Brief an "Seine Heiligkeit Benedikt XVI., Apostolischer Palast, Staat des Vatikan, Rom/Italien". In den Umschlag steckte der 49-Jährige eine Eigentums-Urkunde über einen "Rebstock auf Lebenszeit in einem unserer Weinberge für Seine Heiligkeit Benedikt XVI.".Rebe von Kurt Beck nun in heiliger Gesellschaft

Viele Monate vergingen, Schütz hatte schon die Hoffnung aufgegeben, jemals aus dem Vatikan eine Antwort zu bekommen. Doch am 31. März traf in Enkirch ein Schreiben aus Rom ein. Absender: Staatssekretariat, Erste Sektion, Allgemeine Angelegenheiten. Darin heißt es: "In hohem Auftrag danke ich Ihnen für die aufmerksame Gabe und Ihre freundlichen Zeilen, die Ihre Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri zum Ausdruck bringen. Gerne übertrage ich den dem Heiligen Vater geschenkten Weinstock Ihrer fachmännischen Fürsorge und wünsche gutes Gedeihen und reiche Frucht."Vor wenigen Tagen hat nun Heinz Schütz Papst Benedikt je drei Flaschen aus dem Jahrgang 2005 und 2006 geschickt - "damit wir die Wartezeit bis zur Weinlese 2007 etwa überbrücken können". Schütz verbindet damit die Hoffnung, die Flaschen vom 2007er dem Papst persönlich überreichen zu können.Der Papst ist übrigens nicht der einzige prominente Weinstock-Besitzer im Enkircher Steffensberg. Der norwegische Landwirtschaftsminister Lars Sponheim darf sich jedes Jahr über drei Flaschen freuen, ebenso Ministerpräsident Kurt Beck. Beck schrieb daraufhin an Schütz: "Dass mein Rebstock sich einmal in so heiliger Gesellschaft befinden würde, hätte vor einigen Jahren niemand vorausgesagt. Natürlich freue ich mich und gratuliere Ihnen zu dieser guten Idee. Jetzt bleibt nur die spannende Frage: Trägt der Rebstock des Heiligen Vaters mehr und ist er gegen Schädlinge resistenter? Ich wünsche dem Papst jedenfalls beim Weintrinken so viel Genuss, wie ich ihn immer habe."