Parkplatznot: Suchen oder zahlen

Viele Bernkastel-Kueser haben ein Problem: Wohin mit dem Auto in der eng bebauten Stadt? In Kues hat sich die Lage jetzt noch verschärft. Dort gilt in einer Straße seit dem 1. Oktober Parkverbot, damit Feuerwehrfahrzeuge nicht behindert werden.

Bernkastel-Kues. Wer bis vor wenigen Wochen durch die Kueser Kardinalstraße fahren wollte, musste schon seine ganzen Fahrkünste aufbieten. Links und rechts vor den Häusern parkten Autos. Dort vorbeizukommen, glich einem Hindernislauf. Doch seit dem 1. Oktober gilt dort Parkverbot. Das bedeutet: Die Anwohner müssen sich sonst wo Plätze suchen, um ihre Autos abzustellen.
Wie zum Beispiel Ingrid Ertz. Sie fährt ein Auto, ebenso ihre beiden Söhne. Über die neue Regelung ist sie verärgert. "Keiner hat mit uns darüber vorher gesprochen, jetzt müssen wir sehen, wo wir bleiben."
Bislang parkten sie und ihre Söhne in der Straße vor oder in unmittelbarer Nähe ihres Hauses. Jetzt muss sie 30 Euro im Monat für einen von der Stadt in der Nähe ausgewiesenen Platz zahlen. An dieser Stelle in der Kardinalstraße stand bis vor Kurzem ein altes Haus, das die Stadt gekauft hat. Sie ließ es abreißen und wies auf der freien Fläche zehn Auto- und einen Motorradparkplatz aus.
Stadtbürgermeister Wolfgang Port: "Wir mussten das Parkverbot in der Kardinalstraße erlassen, weil das die Polizei und die Feuerwehr von uns gefordert haben. Parken Fahrzeuge in der engen Straße, werden Rettungskräfte bei einem Notfall möglicherweise behindert. Wenn es mal brennt und das Feuerwehrauto kommt nicht durch, wäre das eine Katastrophe."
360 Euro Parkgebühr im Jahr


Für Ingrid Ertz bedeutet die städtische Anordnung allerdings einen finanziellen Verlust. Sie hat einen der zehn ausgewiesenen Parkplätze von der Stadt gemietet. Das kostet sie 360 Euro im Jahr. Einer der Söhne ist noch in der Ausbildung. "Wenn ich für den auch noch einen Parkplatz mieten will, bin ich bei 720 Euro", sagt die 51-jährige Krankenschwester.
Die beiden Söhne müssen nun am Abend, wenn sie nach Hause kommen, einige Runden drehen, um in einer anderen Straße in Kues einen Parkplatz zu finden - so wie viele andere Anwohner der Kardinalstraße. Ingrid Ertz sagt: "Die elf Plätze reichen ohnehin nicht. Ich denke, dass es in der Straße um die 50 Fahrzeuge gibt."
Wenn es Abend wird, stehen trotz Parkverbots dennoch eine Reihe von Autos vor den Häusern. "Die Leute gehen davon aus, dass abends keiner mehr kommt und Knöllchen verteilt", vermutet Ertz.
Nach Auskunft der VG-Verwaltung sind allerdings noch nicht alle elf Stellplätze vermietet. Drei seien noch frei.
Insgesamt verfügt die Stadt über 125 Dauerparkplätze, 117 sind vermietet. Ein Parkplatz kostet 30 Euro im Monat, für einen Platz in der Tiefgarage verlangt sie 40 Euro. Die Dauerparkplätze bringen der Stadt derzeit rund 44 000 Euro ein.