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Pater Stephan Reimund Senge über Gott und die Menschen

Pater Stephan Reimund Senge über Gott und die Menschen

Pater Stephan Reimund Senge hat in der Wittlicher Synagoge eigene Prosa und Gedichte aus seiner 40-jährigen Schaffenszeit gelesen. 50 Zuhörer lauschten seinen ernsten Ausführungen über Gott und die Menschen und genossen seine heiteren Betrachtungen über den ehelichen Alltag oder das Mönchsein.

Wittlich. Jedes Jahr ein Buch, das ist das Markenzeichen von Pater Stephan Reimund Senge. Im Kloster Himmerod hat er seit den 1970er Jahren mehr als 40 Bücher verfasst. Im März feierte der Mönch, Schriftsteller und Entwicklungshelfer seinen 80. Geburtstag. Auf Einladung der Stadtbücherei Wittlich beschenkte er in der Synagoge sein Publikum mit einer Lesung aus seinem literarischen Schaffen.
Es war keine rauschende Geburtstagsnachfeier, stattdessen ein Abend der ruhigen Töne und tiefer Nachdenklichkeit. Aufgelockert durch seinen bisweilen augenzwinkernden Ton und die Selbstironie über den Mönch und den Dichter. Der Gastgeber und Gefeierte gab sich unaufgeregt und bescheiden - so wie der "Kleine Mann und die Kleine Frau", zentrale Figuren aus seinen Geschichten, die er gerne dem "Großen Mann und der Großen Frau" gegenüberstellt. Die einen sind selbstkritisch und reflektiert, das andere Paar ist großkotzig und angepasst.
Protest findet Pater Stephan gut. Der Pater mit den Markenzeichen der schwarz-weißen Zisterzienserkutte und den Sandalen an den nackten Füßen, unterwirft auch sein direktes Umfeld seinem kritischen Blick - "äußerlich fromme Leute" und "Kuttenträger", die auf dem Holzweg sind, entdeckt er da. Auch unter Mönchen gebe es Labile, Auffällige und Mittelmäßige. Genauso wie ihm andererseits Menschen begegneten, die aus der Kirche ausgetreten sind und "seltsamerweise doch viel Gutes tun". Er wundert sich nicht wirklich.
"Mönche sind auch schwerfällig und behäbig", sagt er. Und er fragt, wie diese die Menschen aufmuntern sollen. Pater Stephan versucht es über seine Bücher. Die Menschen und Gott sind seine Themen, Israel und der Sudan, die er durch Pilgerreisen und sein Engagement für die Entwicklungshilfe gut kennt, wählt er gerne als Schauplätze. Auch an diesem Abend denkt er an Afrika, erinnert an die in Nigeria verschleppten Mädchen und bittet um Spenden für die von ihm gegründete Initiative Sudan/Südsudan. sys
Extra

Seit Anfang der 70er Jahre hat Pater Stephan Reimund Senge mehr als 40 Bücher herausgebracht. In Wittlich las er auch aus seinem Buch über Israel "Die Mauer sei durchlässig", das er im Jahr 1994 veröffentlichte, sowie Geschichten "Vom Kleinen Mann und der Kleinen Frau" von 2012. Sein jüngstes Werk erschien 2013 unter dem Titel "Vom Schweigen und Widersprechen". Die Illustrationen in seinen Büchern stammen von der Wittlicherin Ursula Hess. sys