1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Patient kritisiert den ärztlichen Bereitschaftsdienst Wittlich

Gesundheit : Kein Hausbesuch am Wochenende

Ein Patient kritisiert den ärztlichen Bereitschaftsdienst Wittlich. Der 64-Jährige litt an Fieber, Husten und Atemnot.

Fieber, Husten, Atemnot: Ein 64-jähriger Wittlicher hat an einem vergangenen Wochenende nach eigenen Angaben eine „Odyssee“ erlebt. „Ich hatte eine Erkältung, die am Wochenende eskaliert ist, mit Atemnot und Fieber“, erklärt der Mann, der sich bei einem Telefonat mit der TV-Lokalredaktion Wittlich seinen Frust über Erlebnisse mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst von der Seele redet. „Ich konnte am Samstag und Sonntag wegen Atemnot keine Minute schlafen.“ Er habe zudem befürchtet, möglicherweise am neuen Coronavirus erkrankt zu sein. Wegen eines Herzinfarkts, Bluthochdrucks  und Diabetes gehöre er zur Coronarisikogruppe, sagt er.

In dieser Notsituation habe er den ärztlichen Bereitschaftsdienst der kassenärztlichen Vereinigung, der im Wittlicher Krankenhaus untergebracht ist, angerufen und um Hilfe gebeten.  „Ich konnte kein Auto mehr fahren. Bei den Hustenanfällen hätte ich keine Kontrolle mehr über meinen Wagen gehabt.“

Doch den erhofften Hausbesuch eines Arztes samt Behandlung  in den eigenen vier Wänden habe ihm der Bereitschaftsdienst verweigert. „Die Dame am Telefon hat mir bloß eine Telefonnummer gegeben, wo ich mich in Wittlich testen lassen könnte.“

Bei einem erneuten Anruf beim Bereitschaftsdienst am Sonntag habe er erneut nur eine Telefonnummer einer Ärztin im Bereitschaftsdienst erhalten. „Da hätte ich bis nach Hetzerath fahren müssen.“

Er könne nicht verstehen, sagt der 64-Jährige, warum kein Arzt zu ihm nach Hause gekommen sei. „Ich habe gehört: Die sind verpflichtet, Patienten auch zuhause zu behandeln und wenn nötig dort auch  Coronatests durchzuführen.“

Der TV hat die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz, den Träger der Einrichtung, um eine Stellungnahme gebeten. Doch die ärztliche Schweigepflicht und der Datenschutz machen die Auskunft zu Einzelfällen überaus schwierig. Generell entscheide nicht der Patient, sondern der Arzt, ob eine medizinische Notwendigkeit für einen Hausbesuch vorliege, erklärt Dr. Rainer Saurwein, Leiter der Pressestelle.

Liege eine medizinische Notwendigkeit vor, sei ein Hausbesuch natürlich Pflicht. „Wenn ein Patient behandlungsbedürftig ist, muss er behandelt werden. Hier steht aber jetzt erst mal die Aussage eines Patienten, der seine Aussage so bewertet, im Raum. Wir müssen die Sachlage zunächst prüfen. Das Entscheidende ist die ärztliche Beurteilung über seinen Zustand.“

Der ärztliche Bereitschaftsdienst nehme an den Wochenenden häufig keine Abstriche für Coronatests vor, erklärt Saurwein, da die Proben sowieso erst montags ins Labor geschickt werden könnten. Für Patienten ergäben sich also durch am Wochenende entnommene Abstriche keinerlei Vorteil. Saurwein: „Wo sollte der Vorteil für den Patienten liegen, wenn das Ergebnis frühestens eh erst am Dienstag vorliegt?“