Patienten müssen nicht mehr länger warten

Patienten müssen nicht mehr länger warten

Psychisch bedingte Krankenhausaufenthalte in Deutschland sind seit 1990 um 65 Prozent angestiegen. Die Versorgung der Patienten ist eine der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen. Am Krankenhaus Bernkastel-Kues ist die psychosomatische Medizin aufgewertet worden. Sie ist nun eine eigene Hauptabteilung mit 20 statt vorher zwölf Betten.

Bernkastel-Kues. In den vergangenen Jahren ist die Warteliste für eine stationäre Aufnahme in der Akut-Psychosomatik am Krankenhaus Bernkastel-Kues immer länger geworden. Im Jahr 2011 wurden dort 297 Patienten behandelt, ein Jahr später waren es 316. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel zwei bis drei Wochen.

Es fehlt an Betten, um den Bedarf zu decken. Erfreulich für das Krankenhaus und für die Patienten in der Region: Die Situation hat sich jetzt erheblich verbessert. Die Psychosomatik wurde zu einer Hauptfachabteilung aufgewertet, die Bettenzahl von 12 auf 20 erweitert.

Chefarzt Dr. Faude: "Das ist aufgrund der Einsparungen im Gesundheitswesen bemerkenswert."

Das Ärzteteam besteht aus dem Chefarzt, drei Psychologen, einem Assistenzarzt und einem unterstützenden Oberarzt. Ferner arbeiten dort Krankengymnasten des Krankenhauses, ein Kunsttherapeut und ein Feldenkraistherapeut. Zur Erklärung: Die Feldenkraismethode sensibilisiert und intensiviert die Körperwahrnehmung. Die Beweglichkeit wird begünstigt und die Entspannungsfähigkeit gefördert.

Der Schwerpunkt in der neuen Hauptfachabteilung konzentriert sich auf die sogenannten Psychosomatosen, also Erkrankungen, die durch körperliche und seelische Funktionsstörungen verursacht sind. Behandelt werden unter anderem Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen, Angststörungen, Ess- und Zwangsstörungen und chronische Schmerzen. Faude: "In all diesen Bereichen sehen wir einen klar wachsenden Handlungsbedarf." Faude wehrt sich gegen die Meinung, psychosomatische Erkrankungen seien eine Modeerscheinung.Langer Leidensmarathon

Es seien vielmehr Krankheiten wie jede andere auch, vergleichbar mit Gallensteinen oder Magengeschwüren. Allerdings seien sie mit einem erheblichen Leidensdruck der Betroffenen gekennzeichnet. Faude: "Sie offenbaren sich gehäuft in unserer zunehmend rigider gewordenen Arbeitswelt." Viele Patienten hätten einen langen Leidensmarathon hinter sich, bis Ärzte und Therapeuten den psychosomatischen Anteil in den Beschwerden oder Schmerzen ihrer Patienten entdeckten.

Die psychosomatische Medizin ist, so Faude, in Deutschland eine relativ junge Fachrichtung. Allerdings habe man sich bereits in der Antike mit dem "Leib-Seele-Problem" beschäftigt. Sogar im Alten Testament sei in den Sprüchen Salomos erwähnt: "Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein zerschlagener Geist vertrocknet das Gebein."Extra

Der Neubau der Psychiatrie am Cusanus-Krankenhaus Bernkastel-Kues hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert. Peter Schon, Verwaltungsdirektor des Verbundkrankenhauses Bernkastel/Wittlich, rechnet jetzt mit der Fertigstellung des Baus für Ende 2016. Baubeginn soll im letzten Quartal kommenden Jahres sein. Die Pläne seien mehrfach überarbeitet worden, vor allem um die Kosten zu senken. Ursprünglich waren einmal 20 Millionen Euro veranschlagt, jetzt sind es noch 16 Millionen Euro. So wird unter anderem auf eine doppelstöckige Tiefgarage verzichtet. Das Land wird voraussichtlich 90 Prozent der Kosten übernehmen. Zehn Prozent entfallen auf den Träger, die Cuanus-Trägergesellschaft. Das mehrstöckige ehemalige Schwesternwohnheim ist Anfang Januar abgerissen worden (der TV berichtete). Dort entsteht der Neubau. Die psychiatrische Abteilung (90 Plätze, 50 Mitarbeiter) ist noch am Krankenhaus Wittlich angesiedelt. Läuft alles nach Plan, kann der Umzug in drei Jahren erfolgen - wenn es nicht erneut zu Verzögerungen kommt. sim

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