Pfarerr Gerhard Spelz von Reha-Kliniken auf dem Kueser Plateau im Ruhestand

Kirche : Der Gottesdienst als Reha-Maßnahme

21 Jahre war Gerhard Spelz Ansprechpartner für die Patienten der Kliniken auf dem Kueser Plateau. Jetzt begibt er sich in den Ruhestand. Ob und wann es einen Nachfolger für ihn gibt, ist unklar.

Abschied nehmen von Gerhard Spelz heißt es am kommenden Sonntag um 9.30 Uhr für die Gläubigen auf dem Kueser Plateau. Denn dann hält der 67 Jahre alte katholische Priester und Seelsorger für die Patienten der Reha-Kliniken seinen letzten Gottesdienst im Kurgastzentrum. „In meinem Alter gehen die Dinge nicht mehr so einfach von der Hand wie früher“, begründet er seinen Rückzug. Offensichtlich ein Verlust. Denn die Gottesdienste, die Spelz seit 23 Jahren jeden Sonntag und jeden Feiertag im Saal des Kurgastzentrums anbietet, sind mit bis zu 100 Gläubigen stets gut besucht. Für viele Menschen sei der Gottesdienst nach einer erlittenen Krankheit wieder das erste Erleben von Normalität gewesen, hat Spelz bemerkt. „Für diese Menschen war der Gottesdienst gewissermaßen eine Reha-Maßnahme“, sagt er. Auch die Anwesenheit von Messdienern hätten für diese Menschen Akzente der Normalität gesetzt. „Ich war immer erstaunt, wie aufmerksam die Menschen waren und wie sie sich das herausgesucht haben, was ihnen persönlich weitergeholfen hat“, sagt er.

Auch als Ansprechpartner für die Seelsorge steht Spelz den Patienten in den Reha-Kliniken nicht mehr zur Verfügung. Und da ist er über die Mitarbeiter an den Rezeptionen regelmäßig nachgefragt worden, hat sich mit den Ratsuchenden verabredet oder sie in ihren Zimmern besucht. „Sie mussten die aktuelle Situation mit ihrer Krankheit und des damit verbundenen Erlebens von Grenzen bewältigen“, sagt Spelz.

Viele seien auch an ihn herangetreten, weil sie während ihres Reha-Aufenthalts Zeit zum Nachdenken gefunden hatten und über Dinge sprechen wollten, die sie beschäftigen. Zudem hat er konkrete Nachfragen nach Beichten gehabt, oft von Menschen, die viele Jahre nicht mehr gebeichtet hatten. „Und wenn sie dann anfangen, dann geht es“, hat er beobachtet.

Spelz hat darüber hinaus auch weitere Aufgaben innerhalb der Kirche wahrgenommen, beispielsweise seit 21 Jahren als Spiritual in der Ausbildung der Diakone. Die Ausbildung zum geistlichen Begleiter sei ihm dabei in der Seelsorge sehr zu Gute gekommen, sagt er. Und: „Es geht darum, Hilfe zu geben, so dass die Menschen ihren Weg entdecken mit den Höhen und Tiefen und dabei entdecken, dass sie von Gott begleitet werden.“

Was macht Spelz, wenn er in Ruhestand ist? Klar ist: Er wird weiter in Bernkastel-Kues leben, wo er eine Wohnung mit Aussicht auf die Mosel hat. Zudem will er weiter priesterlich tätig sein und Exerzitien geben, sagt er.

Für Karin Schommer von der Kultur und Kur ist der Weggang von Spelz ein Verlust. „Für die Patienten war er immer sehr wichtig, wenn sich diese nach lebensgefährlichen Situationen wieder ins Leben zurückfinden mussten“, sagt sie. Spelz habe für diese Menschen einen großen Beitrag geleistet. Denn das Publikum, das seine Hilfe wahrgenommen hat, sei oft nicht mobil gewesen. Auch bei den Stadtbewohnern habe Spelz ein Fanpublikum gehabt. „Es ist für uns hart, wenn er wegbricht“, sagt sie. Zwar sei die Kultur und Kur direkt nach der Kenntnis des Weggangs von Spelz wegen eines Nachfolgers beim Bistum vorstellig geworden. Jedoch habe man bisher von dort keine Antwort erhalten, sagt sie.

Simone Bastreri von der Pressestelle des Bistums sagt, auch im neuen Orientierungsrahmen für die Pfarreien der Zukunft sei die Stelle, die Spelz innehatte, weiter vorgesehen. Zudem möchte die Abteilung Seelsorge und Pastorales Personal die Stelle auch wieder besetzen. Allerdings könnten zum Zeitpunkt der Wiederbesetzung derzeit keine Angaben gemacht werden.

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