Pfirsich-Ernte verhagelt

Der Verein Roter Mosel-Weinbergpfirsich lud in Kooperation mit der Tourist Information Cochem zum Tag des Roten Weinbergpfirsichs auf den Endertplatz nach Cochem. Dort durften am Samstag zahlreiche Besucher die aus der Frucht hergestellten Köstlichkeiten probieren und erwerben.

Cochem. (jens) Das Problem der Anbieter blieb ihnen dabei aber nicht gänzlich verborgen: Die diesjährige Ernte sei nicht gut gewesen, betonen Peter und Thomas Göbel aus Ernst. In einem normalen Jahr hingen bis zu vier Tonnen an ihren 350 Bäumen. In diesem Jahr waren es gerade einmal 20 Kilo. Sie sind nicht die einzigen, die die Frucht anpflanzen und verarbeiten und in dieser Saison fast gänzlich ohne die lokale Spezialität dastehen. Sämtlichen Mitglieder des Vereins, die auf dem Fest ihre Produkte präsentierten, erging es ähnlich.

Gründe für den Ernteausfall: Zum einen schädigten der späte Schnee und die niedrigen Temperaturen zu Beginn des Jahres die Bäume in der Blütezeit. Zum anderen minimierten der Hagelschaden im Frühsommer und die Kräuselkrankheit den Ertrag der Bäume. Dabei war vor allem die Kräuselkrankheit, ein Pilzbefall, besonders verbreitet und sehr schädlich für die Bäume gewesen.

"Fünf Prozent einer normalen Ernte sind ein realistischer Wert für den diesjährigen Ertrag", sagt Alfred Lenz, Vorsitzender des Vereins Roter Mosel-Weinbergpfirsich, im Hinblick auf die Ernte im Kreis Cochem-Zell. "Somit muss quasi ein komplettes Jahr überbrückt werden." Schwierig sei dies vor allem für die Händler, die Frischobst handeln. "Von denen ist in diesem Jahr keiner auf dem Fest anzutreffen. Denn das wenige, das vorhanden ist, wird zumeist für den Eigenbedarf genutzt", weiß Lenz. Er selbst hatte als einer der Wenigen sieben Kilo der frisch vom Baume gepflückten Köstlichkeit dabei. "Aber diese waren noch vor der offiziellen Eröffnung verkauft", scherzt Lenz. Das Gewicht der Früchte sei scheinbar in Gold aufzuwiegen.

Aber trotz des nahezu kompletten Ernteausfalls sind einzelne Produkte noch vorrätig: "Brotaufstriche und Stückpfirsiche können in besonders guten Jahren vorproduziert werden. Denn sie verlieren nicht an Qualität", weiß Thomas Göbel, der das vergangene Jahr zu den besseren zählt. "Gleiches gilt für Brände und Liköre", ergänzt Markus Dreis aus Bremm.

Lediglich sein heiß begehrter Fruchtnektar vom Roten Weinbergpfirsich sei in diesem Jahr nicht herstellbar. "Dafür benötigt man große Mengen und die gab es eben in diesem Jahr nicht." Er konnte an seinen rund 500 Bäumen die Ernte fast in einem Korb sammeln.

Annette Dreis, ebenfalls aus Bremm, nennt konkretere Zahlen: "Unsere 400 Bäume trugen in diesem Jahr 400 Kilo. Im vergangenen Jahr waren es noch vier Tonnen." Angesichts des fehlenden Grundmittels steigen somit auch die Ankaufzahlen - sofern überhaupt ein Ankauf möglich ist.

Thomas Göbel nennt Einkaufspreise von bis zu vier Euro pro Kilogramm. "Normal sind ein bis ein Euro fünfzig. Aber es ist fast nirgendwo etwas zu bekommen. Das hebt eben den Preis."

Kurioserweise seien ältere Bäume, die vernachlässigt wurden, ertragreicher gewesen, berichtet Markus Dreis. Ein ähnliches Phänomen beobachtete auch Markus Justen aus St. Aldegund, dessen Bäume in einem Tal bei St. Aldegund ebenfalls ertragreicher waren als der Durchschnitt. "Aber trotzdem gibt es auch bei mir Bäume mit Komplettausfall."

Angesichts des zu erwartenden Schwundes in der Quantität der Produkte griffen viele Besucher auf dem Endertplatz zu. Aber sicherlich waren die Hamsterkäufe nur einer von vielen Gründen für den Erwerb eines Produkts.

Einige Anbieter überzeugten nämlich auch durch pfiffige Marketing-Ideen, etwa den Adventskalender für Erwachsene von Markus Justen: Eine Flasche Pfirsichlikör, skaliert für 24 Tage. Wie ein richtiger Weihnachtskalender, nur eben für die Erwachsenen.