Phantasialand nach Pleiner Art

PLEIN. Drei Kilometer Pleiner Forst lockten mit Spiel-, Lern- und Abenteuerstationen Familien zum erlebnisreichen Sonntagsspaziergang. Unter Federführung von "Oekologo" aus Klausen luden die Kindergärten Bergweiler, Hetzerath, Niersbach, Rivenich, Sehlem-Esch, Klausen, Klüsserath, Salmtal, Platten, Osann-Monzel und Plein zum Waldtag.

Naturdetektiv Maurice reißt die Augen auf. Er schwenkt die Lupe zur Hand der Erzieherin. Darauf krabbelt ein Mistkäfer. "Guck mal, das ist ein ganz lieber", sagt die Frau. Maurice ist beeindruckt. Genau wie Anne. Die viereinhalbjährige aus Hetzerath streichelt einen Fuchs. "Der Traum eines Manta-Fahrers", flachst ein Mann mit Blick auf den Schwanz des Tieres. Ob ausgestopfte Waldtiere oder lebendige Exemplare vom Käfer bis zum Regenwurm: An den liebevoll präsentierten Stationen der Kindergärten im Pleiner Wald stehen Familien gleich generationenweise Schlange. Stolz wie Oskar klettern Knirpse eine Strickleiter hoch, schlüpfen Mädchen ein paar Meter weiter aus den Schuhen und testen vorsichtig Steine oder Stroh unter ihren Sohlen. Ansturm auf Hochsitz, Hexen, Bastelstand

Andere verwandeln sich nach aller Hexenkunst geschminkt in grüne Waldmännchen und tanzen zu "Die Hex, die Hex, die Hex ist da". Oder sie halten sich ehrfurchtsvoll die Ohren zu, als die Motorsäge in einen Stamm sinkt, und greifen stolz zu "ihrer" Baumscheibe, die dabei für jeden abfällt. "Riecht mal dran. Das ist eine Lärche", erklärt Kreisjagdmeister Günter Vanck, "Und die Motorsäge, die riecht wie ein Frittenstand, die läuft nämlich mit Öl." Da ruft schon das nächste Geräusch: Am Klangbaum warten Naturinstrumente auf Musiker, und den Blick vom Hochsitz wollen sich die Kinder auch nicht entgehen lassen. Von oben blicken sie dann auf eifrige Bastler, die Nussschalen in Kastagnetten verwandeln. Seit 13 Uhr ist dort Karina Mähringer-Kunz vom Kindergarten Salmtal im Einsatz und bester Laune: "Wir sind sehr zufrieden. Die Resonanz ist gut, und die Kinder sind begeistert. Wir kommen kaum nach." So geht es allen, auch der Theatergruppe der Kita Hetzerath. Noch während das "Tritratrullala" zum Stück "Kasperle und der Nussdieb" erklingt, wartet schon das Publikum auf die nächste Vorstellung. Ganz am Schluss versammeln sich dann alle an der Grillhütte, wo zu familienfreundlichen Preisen für Verpflegung gesorgt ist. Dort steht Bärbel Gutjahr vom Pleiner Kindergarten hinter der umlagerten Kuchentheke mit den allesamt gespendeten Backkünsten: "Um zwei Uhr ging der Ansturm los. Die Feuerwehr hat schon über 250 Autos gezählt. Wir haben rund tausend Besucher und sind sehr zufrieden." "Das ist das Schöne am Waldtag, man kann immer fest mit 800 bis 1300 Besuchern rechnen, egal wie das Wetter ist", sagt auch Alois Meier von Oekologo aus Klausen, Initiator der Kindergarten-Waldtage in der VG Wittlich-Land, die zum vierten Mal (alle zwei Jahre) stattfinden. Er lobt neben dem Engagement der Kindergärten auch den großen Einsatz der Gemeinde Plein, die nicht nur die Grillhütte nebst Aggregat kostenlos zur Verfügung stellte, der Feuerwehr Plein, die den Wiesen-Parkplatz regelte, sowie des DRK. Außerdem helfen Forstamt Wittlich, Forstrevier Failz und Polizeiinspektion Wittlich mit. Letztere hat einen Stand, der Auftakt und Abschluss des Parcours bildet und viele Kinder gleich mehrfach anlockt. Sie sitzen und stehen rund um eine "Mini-Achterbahn", auf der die Beamten mit einer Puppe zeigen, wie wichtig der Gurt im Kindersitz ist. "Ohne Anschnallen, ohne Anschnallen!" feuern zwei Jungs Franz Ambrosius von der PI an. Dann zählen sie laut "Eins, zwei, drei!" Wupps schießt der Sitz nach unten. Der "Dummy" macht einen Salto. Niko und Christian sind zufrieden und erklären: "Das ist toll. Die machen den Hebel hoch, dann fällt die Puppe runter. Das zeigt, dass wir uns immer anschnallen müssen." Dann zieht die "Familienkarawane" aus dem Wald zum Parkplatz: mit vielen Anregungen für den privaten Waldspaziergang und bestimmt keiner Diskussion um das tagtägliche Thema Angurten im Auto. "Das war doch eine tolle Idee", ruft ein Mädchen, fröhlich an der Hand ihres Vaters heimwärts hüpfend. Stimmt.