Philosophie statt Smartphone: Martina Fuchs verlässt nach neun Jahren das Jukuz in Bernkastel-Kues

Ehrenamt : Philosophie statt Smartphone

Nachdem sie neun Jahre lang ehrenamtlich für das Jugendkulturzentrum in Bernkastel-Kues gearbeitet hat, verlässt Martina Fuchs die Mosel. Aber nicht, ohne ein neues Projekt zu hinterlassen.

Sie hat es unter anderem geschafft, Schüler dazu zu bringen  statt ins Smartphone zu gucken über Philosophie zu plaudern: Martina Fuchs hat seit neun Jahren ehrenamtlich im Jugendkulturzentrum in Bernkastel-Kues gearbeitet und verlegt nun ihren Lebensmittelpunkt nach Köln. „Seit Beginn des Jugendkulturzentrums steht sie den Leitungen und den Jugendlichen zur Seite. Vor allem ihre eigenen Projekte in Kooperation mit der Kueser Akademie für europäische Geistesgeschichte haben das Jukuz geprägt. Kaum ein Jugendzentrum kann von sich behaupten ein „Philosophisches Schülercafé“ über viele Jahre hinweg angeboten zu haben,“ sagt Camilla Müller, Leiterin des Jukuz.

Aus dem anfänglichen kleinen Spieleabend für Erwachsene einmal im Monat seien sowohl ein wöchentlicher Kinder- und Jugendspieletreff, als auch mehrere große Brett­spielevents geworden. „Spielen an Karneval“ mit mehr als 30 Teilnehmern aus ganz Deutschland und das Event „Spielend für Toleranz“ an dem über 60 Spielende teilnahmen, zählten zu den Höhepunkten.

„Das Jukuz wurde zusammen mit der Kueser Akademie gegründet. Wir haben damals mit dem Spieleabend ,Brett vorm Kopf’ begonnen und daraus weitere Aktionen entwickelt,“ sagt Martina Fuchs. Seit 2011 hat sie zudem das „Philosophische Schülercafé“ geleitet, das in Zusammenarbeit mit dem Nikolaus-von-Kues-Gymnasium entstand. „Wir haben sechs Jahre lang einmal im Monat mit bis zu acht Schülern über Philosophie diskutiert. Das Spektrum reichte von antiken Autoren über Cusanus bis zur Quantenphysik,“ erzählt Fuchs, die selbst an der Universität Trier Philosophie studiert hat.

Mit welchen Fragen beschäftigen sich heute Jugendliche, wo sind ihre Probleme? „Das ist schwierig zu beantworten. Aber generell haben viele Jugendliche das Gefühl, nicht vertreten zu werden. Auch ein Jugendparlament gibt ihnen nicht das Gefühl, von den Verantwortlichen wirklich gehört zu werden. Auf dem Land müssen Jugendliche vieles selbst in die Hand nehmen,“ sagt Fuchs. Die Jugend, die sich für Politik interessiere, fühle sich oft nicht verstanden.

Die ehrenamtliche Arbeit habe ihr auch persönlich viel gebracht, sagt Fuchs. „Es ist schön und bereichernd, mit Jugendlichen zu arbeiten. Ich habe tolle Kontakte gefunden, die es immer noch gibt. Manche Jugendliche melden sich heute, nach vielen Jahren, noch. Ich hatte immer das Gefühl, das für Jugendliche hier zu wenig seitens der Ehrenamtlichen gemacht wird. Es tut weh, diese Arbeit aufzugeben, aber ich muss aus privaten Gründen nach Köln.“

Ein Abschiedsprojekt hat sie den Bernkastel-Kuesern hinterlassen: Einen „Escape-Room“. Der wurde im Rahmen der Projekttage im vergangenen Jahr gebaut und kann von Jugendlichen gebucht werden. Man wird dort mit mehreren Leuten darin eingeschlossen und muss innerhalb von einer Stunde als Team mehrere Rätsel lösen, um den Raum wieder zu verlassen.

Ob Martina Fuchs auch in Köln wieder Jugendarbeit machen wird? „Ich kann es mir nicht vorstellen, nicht ehrenamtlich zu arbeiten. Ich finde das sehr wichtig, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Aber konkret kann ich noch nichts sagen,“ erklärt Fuchs.  Das nächste Spiele-Projekt steht aber schon fest: Sie wird sich an der nächsten Brett-Spiel-Messe in Essen beteiligen. Sie betreibt auch einen Spiele-Podcast, den sie weiter ausbauen will.

„Frau Fuchs wird uns vor allem als Schnittstelle zwischen dem Nikolau-von-Kues-Gymnasium und dem Jukuz fehlen. Sowohl die Integrationstage als auch weitere Projekte sind durch ihre Vermittlung entstanden. Wir, das Jukuz, der Verbandsjugendpfleger und der Förderverein bedanken uns bei ihr für die langjährige Zusammenarbeit und Unterstützung,“ sagt Camilla Müller vom Jukuz.

Mehr von Volksfreund