Piesporter Moselbogen besticht durch große Artenvielfalt

TV-Serie : Der Piesporter Moselbogen: ein Naturparadies

TV-Serie Landmarken: Schon die Römer haben hier Wein angebaut und die Lage Goldtröpfchen hat sogar Eingang in die Weltliteratur gefunden. Doch das Besondere des fünf Kilometer langen Moselbogens ist die außergewöhnlich große Artenvielfalt.

Bögen hat die mäandernde Mosel viele. „Doch nur der Piesporter Moselbogen, der sich in einer fünf Kilometer langen 180 Grad-Kurve von der Moselloreley im Osten bis zum Nikolausfels im Westen erstreckt, öffnet sich komplett nach Süden“, erklärt Theo Haart, Naturerlebnisbegleiter aus Piesport. Ein Panorama, das einem Amphitheater gleicht und schon die Römer begeistert hat. Der Dichter und Staatsbeamte Ausonius, der im vierten Jahrhundert auf seiner Reise über den unwirtlichen Hunsrück im Moseltal ankam, bezeichnete den Piesporter Moselbogen als „naturalique theatro“, als Naturtheater, das der Bogen bis heute ist.

Mit 432 Meter Höhe ist hier einer der höchsten Moselberge mit einer Steigung zwischen 40 und 90 Prozent. Und tatsächlich ist die Natur mit ihrer Vielfalt auf engstem Raum die Besonderheit, die den Moselbogen auszeichnet und mit ein Grund dafür ist, dass dieser als ein Leuchtpunkt des Projekts Lebendige Moselweinberge ausgezeichnet worden ist.

„Wir haben hier eine extrem hohe Artenvielfalt“, sagt Haart. Die Südhänge seien heiß und trocken, die Osthänge warm und feucht. Und: „Wir haben hier ein ganz anderes Spektrum an Arten.“ So lebt der Feuersalamander, der es eher feucht liebt, nur 100 Meter weit entfernt von der Mauereidechse, die eine trockene Umgebung bevorzugt.

Die verschiedenen Terroirs des Moselbogens, wie das Flußufer, die Trockenbereiche und die Felsen sind die Grundlage dafür, dass rund um den Moselbogen bis zu 805 Pflanzenarten nachgewiesen sind, sagt Haart.

Auf den Südhängen wachsen Pflanzen, die das warme Klima vertragen, beispielsweise Dickblattgewächse wie Mauerpfeffer, Zimbelkraut, das verhältnismäßig selten ist, und Schriftfarn, führt Haart einige Beispiele an. Aus der Tierwelt sind Schlingnattern zu finden, die farblich an den Untergrund angepasst kaum zu erkennen sind, sowie Greifvögel wie Uhu und Wanderfalken, die auf die Artenvielfalt angewiesen sind. Die Zaunammer, die sonst in Frankreich und Italien zu finden ist, sei im Juni 2019 am Piesporter Moselbogen erstmals an der Mosel gesichtet worden, sagt Haart. Und auch die Zippammer, die rund ums Mittelmeer lebt, brütet im Moselbogen. Und in den ehemaligen Stollen der Moselloreley halten sich heute Fledermäuse auf. „Wir haben hier einen Naturhotspot. Wer Flora und Fauna erleben will, ist hier gut aufgehoben“, sagt Haart. „Laufend entdeckt man etwas Neues.“ Entlang der Wanderrouten informieren Infotafeln die Wanderer über die vielfältige Natur.

Den warmen Moselbogen wussten auch schon die Römer zu schätzen. Denn in Piesport hat man den größten Römerkelter an der Mosel entdeckt, sagt der Naturerlebnisbegleiter. „60 Hektar Weinberg müssen die Römer unter Reben gehabt haben“, sagt er. Zudem müssten in Piesport reiche Leute ihren Sitz gehabt haben. Denn in alten römischen Gräbern habe man als Beigabe ein Diatretglas gefunden, ein Glas, das mit einem Glasnetz umfangen wird, das sehr aufwendig herzustellen ist.

Auch gilt Piesport als Keimzelle des Rieslings. 1763 hat der damalige Pastor Hau bewirkt, dass laut einem Gemeinderatsbeschluss in der Gemeinde  nur noch Riesling anzupflanzen sei, 24 Jahre, bevor der Trierer Erzbischof Clemens Wenzeslaus das für die gesamte Moselregion anordnete. So gelte der Begriff Piesporter nicht nur als Synonym für Riesling. Piesport ist noch heute mit 414 Hektar Anbaufläche die größte weinbautreibende Gemeinde an der Mosel.

Die bekannteste Weinlage, Piesporter Goldtröpfchen, hat sogar schon in der Literatur ihren Platz gefunden. So hat Thomas Mann in einem seiner Romane Piesporter Goldtröpfchen mit Bordeauxweinen verglichen. Und auch in Ian Flemings Buch „Goldfinger“ kommt Piesporter Goldtröpfchen vor. Haart: „Im Film haben sie leider darauf verzichtet.“

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