Pilotprojekt "Anschwung" fördert an drei Tagesstätten in Traben-Trarbach auffällige Kinder
Traben-Trarbach · Wenn ein Kind besonders gefördert werden muss, greift ein spezielles Programm. Erzieherinnen in Traben-Trarbach haben dazu eine Weiterbildung absolviert. Ziel ist es, die Einrichtungen besser zu vernetzen und es damit auch den Familien leichter zu machen, mit der Situation umzugehen.
Was tun, wenn ein Kind in der Kitagruppe auffällig wird? Dieser Problematik haben sich die Kitas in Traben, Trarbach und Wolf gestellt und an einem Projekt teilgenommen, das vom Bund gefördert wird. "Anschwung" ist ein Fortbildungsprojekt, das Netzwerke und weiterführende Kompetenz schaffen soll. Die Kita-Leiterinnen Tamara Theis (Kita Trarbach), Amelie Currin (Kita Traben) und Christel Rörich (Kita Wolf) begannen im Mai 2014 mit der Weiterbildung."Wir haben Themen wie Inklusion, Familienkita und die Zusammenarbeit mit Schulen bearbeitet", sagt Rörich. Vor allem aber das Thema "Kinder mit erhöhtem Förderbedarf" brenne unter den Nägeln. "
Das sind Themen, die man mit den Eltern mit Bedacht aufarbeiten muss", sagt die Kita-Leiterin. Und für solche Fälle seien die drei Kitas nun besser vorbereitet. Dazu gab es während des mehr als einjährigen Projekts immer wieder Treffen mit Fachleuten. so auch mit Kolleginnen der integrativen Kita in Morbach. Insgesamt gibt es nur 55 Plätze in Förderkitas im gesamten Landkreis, darunter Einrichtungen in Wehlen, auf dem Kueser Plateau und in Morbach. Deshalb kommen viele letztendlich doch in die sogenannten Regeleinrichtungen, bemerkt Rörich. "Wir sind jetzt viel besser darauf vorbereitet, auch mit einem solchen Kind umzugehen", ergänzt Amelie Currin. Dabei sei der Austausch mit erfahrenen Kolleginnen aus Morbach sehr wichtig gewesen. Außerdem habe man neue Ideen entwickelt. "Wir haben Konzepte für Musiktherapie oder Therapie mit einem Hund erarbeitet", bemerkt Tamara Theis. Das 18 Monate dauernde Projekt wurde dabei von einer externen Kraft von "Anschwung" begleitet.
Wie bemerkt man überhaupt, ob ein Kind auffällig ist? Das erläutert Christel Rörich: "Der typische Fall ist: Ein Kind kommt in die Kita und wird auffällig. Es schreit zum Beispiel eine Dreiviertelstunde am Stück." Das werde beobachtet, dokumentiert und den Eltern mitgeteilt. Nachdem das Kind von Ärzten untersucht wurde und kein körperliches Problem gefunden wurde, wird das Kind im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) in Trier vorgestellt. Dort untersuchen Spezialisten das Kind auf Entwicklungsstörungen und Defizite. Dann werde entschieden, was für eine Beeinträchtigung vorliegt und wie gefördert werden kann, etwa durch Logopädie. "Das ist ein langer Weg, der Monate dauern kann. Dabei müssen die Eltern begleitet werden", sagt Rörich. Schließlich kommt es dann oft in die Einrichtung zurück, wo es im Sinne der Inklusion mit anderen Kindern gefördert werden soll.
Daniela Becker aus St. Ingbert (Saarland) hat das Projekt in Traben-Trarbach begleitet. Die Erziehungswissenschaftlerin arbeitet freiberuflich im Auftrag des Familienministeriums. "Das Projekt läuft schon seit mehreren Jahren bundesweit. 600 Initiativen haben sich entwickelt und es gibt noch 100 weitere Anfragen", sagt sie. Während der Moderation werden, so Becker, weitere Partner eingebunden, auch die Verwaltung. Denn letztlich brauche es auch manchmal Geld, um zusätzliche Stellen zu schaffen. Und dabei sei es von Vorteil, wenn die Verwaltung schon zu Beginn beteiligt ist. Wie Mike Winter von der Kreisverwaltung mitteilt, war die Fachberatung Kindertagesstätten der Kreisverwaltung am Projekt in Traben-Trarbach beteiligt und hat auch zum Thema Inklusion Beratungsvorträge gemacht. Winter: "Die Anschwung-Initiative ist ein gutes und gewinnbringendes Projekt."Extra
"Anschwung für frühe Chancen" ist ein Projekt der gemeinnützigen Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin. Das Programm baut seit mehreren Jahren 600 lokale Initiativen auf, um die Startchancen für Kinder zu verbessern. Dabei sollen neben der Weiterbildung vor allem Netzwerke auf regionaler Ebene entwickelt werden. Anschwung hat sechs regionale Servicebüros in Berlin, Dresden, Kiel, Köln, München und Trier. Das Programm wird durch den Europäischen Sozialfonds gefördert. hplExtra
In Förderkindergärten werden ausschließlich behinderte und beeinträchtigte Kinder betreut. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich gibt es keine reinen Förderkindergärten, sondern nur sogenannte integrative Einrichtungen. In integrativen Gruppen werden 15 Kinder betreut, davon fünf Kinder mit Behinderung/Beeinträchtigung. Derzeit gibt es insgesamt elf Gruppen (= insgesamt 55 Plätze für Kinder mit Behinderung/Beeinträchtigung) an fünf Einrichtungen im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Durch Baumaßnahmen sind jedoch nur neun Gruppen tatsächlich in Betrieb. red