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Pionierin mit viel Herzblut

BERNKASTEL-KUES. Gut ein Jahr war Martina Wolff die "Strippenzieherin" in der Entwicklungsagentur. Doch nun zieht es sie in Richtung Heimat – aus persönlichen und beruflichen Gründen. ARRAY(0x1d72965d0)

Martina Wolff verlässt Bernkastel-Kues mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil sie bei der Wirtschaftsförderung Augsburg AG eine attraktive Stelle antritt und endlichen mit ihrem Lebensgefährten einen Hausstand gründen kann. Zudem rückt sie wesentlich näher an ihre Heimat, Landsberg am Lech. Weinend, weil sie ihre Aufgabe bei der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues nach nur gut einem Jahr Pionierarbeit an den Nagel hängt. Ihr Freund ist ihr wichtig, ihre neue Stelle in einer vergleichsweise großen Stadt und einem großen Team ist gut dotiert. "Trotzdem habe ich zwei Monate überlegt", gibt die Diplom-Geografin zu. Wolff: Stadt hat eine einzigartige Chance

"Die Entscheidung ist mir schwer gefallen", sagt sie. Die Chance, in Bernkastel-Kues etwas zu verändern sei "einzigartig. Und die Leute sind bereit zu Veränderungen", Die Chance liege darin, dass nicht mit einzelnen Veranstaltungen, Neudeutsch Events, Positives bewirkt werden solle, sondern dass sich die gesamte Stadt einem Strukturwandel unterziehe: hin zu einem Vorreiter in Sachen Service und Qualität. Martina Wolff winkt immer sofort ab, wenn man auf ihre Verdienste zu sprechen kommt. Kurt Lüthje, der Geschäftsführer der Entwicklungsagentur, habe viel Arbeit geleistet, habe Visionen eingebracht. Sie sei nur so etwas wie die Vermittlerin und Beraterin der Betriebe, sagt sie in aller Bescheidenheit. "Eine gewisse Bereitschaft in den Köpfen war vorhanden", erinnert sich Wolff an die Anfänge ihrer Arbeit. Dass alleine 40 Einzelhändler mittlerweile ihre Bereitschaft erklärten, ihr Sortiment neu zu gestalten und/oder ihre Geschäftsräume zu verändern, sei aber nicht zu erwarten gewesen. "Wir haben Spaß an Qualität gefunden", sagt Viktor Hees, der Vorsitzende der Entwicklungsagentur. Schließlich solle Bernkastel-Kues auch als Geschäftsstadt eine Zukunft haben und nicht zum Freilichtmuseum werden. "Es ist ein neues Bewusstsein unter den Einzelhändlern entstanden", fügt Schriftführerin Konstanze Hansen an. Martina Wolff hat großen Anteil daran, dass unter anderem ein Geschäftsstraßen-Management in Gang kam. Vieles steckt noch in den Kinderschuhen, optische Veränderungen sind zum Teil erst auf den zweiten Blick erkennbar. Martina Wolff habe in der kurzen Zeit ihres Wirkens gezeigt, wie man es besser machen kann, erläutert Konstanze Hansen. "Es ist aber nur Hilfe zur Selbsthilfe, umsetzen müssen es die Leute selbst", fügt sie an. "Die Leute müssen Visionen behalten", sagt Martina Wolff zum Abschied. Umgesetzt werden können die Pläne sicher nur in kleinen Schritten. Bernkastel-Kues sei auf dem Weg, ein "Begriff" zu werden. "Der große Wurf muss aber noch folgen", sagt sie. "Sie hat viel Herzblut und viel Zeit in die Arbeit investiert", lobt Stadtbürgermeister Wolfgang Port die scheidende Mitarbeiterin. Sie zu halten, sei nicht möglich gewesen. "Was Augsburg bietet, können wir nicht bieten", erläutert er. Dank kommt auch vom Werbekreis-Vorsitzenden Wolfgang Pastor: "Diese Ruhe und das Durchsetzungsvermögen wünschen wir ihr auch an der neuen Wirkungsstätte." Die Position von Martina Wolff bleibt nicht unbesetzt. Ein Nachfolger ist mit Michael Rüscher bereits gefunden und schon in Amt und Würden. Wie Martina Wolff ist auch er Diplom-Geograf.