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Plan für Straße fehlt im Plan der GmbH

Plan für Straße fehlt im Plan der GmbH

Zwei verschiedene Varianten für ein Problem: Wie der Wegfall eines Teilstücks der B 327 beim Hahn kompensiert werden soll, erregt derzeit einige kommunalpolitische Gemüter. Der zuständige Landesbetrieb Mobilität treibt derweil die Planungen für die Ortsumgehung Bärenbach voran.

Hahn/Morbach. Weil der Hahn brummt, ist er für viele Menschen schlechter mit dem Fahrzeug zu erreichen. Grund dafür sind Bauarbeiten. Die Arbeiten an der B 50 werden irgendwann abgeschlossen sein und dazu führen, dass der Flughafen schneller und leichter erreichbar ist. Die Arbeiten für die Startbahnverlängerung auf dem Flughafen sind dagegen Grund dafür, dass die B 327 gekappt ist und wohl auch bleibt. Wie mit der unterbrochenen Verbindung umzugehen ist, hängt ganz davon ab, mit wem man spricht. Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH hat sich das bestehende Straßennetz angeschaut und beantragt, dass der Erweiterung zum Opfer gefallene B 327-Teilstück nicht durch eine neue Straße zu ersetzen. Das Gelände für die neuen Fahrbahnen liegt nämlich in einem FFH-Gebiet, eine neue Straße würde dort niemals genehmigt. Statt eine neue Straße zu bauen, möchte die Flughafen GmbH, dass der Verkehr über die Bundesstraße 421 von Kappel nach Kirchberg dauerhaft umgeleitet wird. Der langsam fahrenden Fahrzeugen vorbehaltene Weg zwischen den Kreuzungen B 327/L 193 sowie B 327/K 137 soll außerdem erhalten bleiben. Ob die Flughafen GmbH mit diesem Ansinnen Erfolg hat, hängt vom Ausgang des Verfahrens zur Änderung des Planfeststellungsbeschlusses ab. Stellungnahmen zu diesem Verfahren konnten bis Ende Juli abgegeben werden. Für den Landesbetrieb Mobilität (LBM) stellen sich die zukünftigen Verkehrswege rund um den Hahn etwas anders dar. So plant die Koblenzer LBM-Niederlassung den Bau einer Umgehung der Ortsgemeinde Bärenbach. Die Vorentwurfsunterlagen für die Ortsumgehung wurden bereits vom Wirtschaftsministerium genehmigt, sagt Birgit Küppers vom LBM Koblenz. Nun prüfe der Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz die Ortsumgehung. "Die Gesamtkosten für den Neubau der Ortsumgehung Bärenbach betragen rund 10,5 Millionen Euro. Die neue Straße zwischen der Kreuzung L 194/ B 50/ K 73 im Süden und der Einmündung der L 194 in die B 327 im Norden soll in zwei Abschnitten realisiert werden.Neue Strecke ist bisher nur virtuell

In den Plänen der Flughafen GmbH ist diese neue Strecke nicht vorhanden. Verständlich deshalb, weil eine bisher nur virtuell vorhandene Straße nicht reale Verkehrsprobleme lösen kann. Die zwei unterschiedlichen Ansätze zur Lösung der Verkehrsproblematik hat auch die Räte der Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach sowie die Räte in Morbach, Traben-Trarbach, Enkirch, Irmenach, Lötzbeuren und Starkenburg sowie den Kreisausschuss Bernkastel-Wittlich beschäftigt. Dabei ging es teilweise hoch her, da immer wieder gefordert wurde, das fehlende B 327-Stück zu ersetzen. Gerade der Morbacher Ratsbeschluss hat hohe Wellen geschlagen. Dort waren die Pläne der Flughafen GmbH scharf kritisiert worden. Wohl auch deshalb, weil in den GmbH-Plänen die Bärenbach-Umgehung nicht vorhanden ist. Diese Kritik hat nun wiederum die SPD-Landtagsabgeordnete Bettina Brück auf den Plan gerufen. Sie weist in einer Pressemitteilung auf die Umgehung hin, "In einem Beschluss zu suggerieren, die Hunsrückhöhenstraße könnte doch noch irgendwann gebaut werden, obwohl dies rechtlich unmöglich ist, halte ich für populistisch und der Sache nicht dienlich". Für die Flughafen Hahn GmbH bedeutet es übrigens bisher einen finanziellen Vorteil, dass sie das B 327-Teilstück nicht ersetzen muss. "Aus gegenwärtiger Sicht sind von der Flughafen Frankfurt Hahn GmbH keine Kosten für straßenbauliche Maßnahmen außerhalb des Flughafengeländes zu tragen", teilt Birgit Küppers vom LBM mit. Eine Tatsache, zu der sich Flughafen-Sprecherin Maria Horbert mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern möchte. Meinung Unnötiges Tohuwabohu Keine Frage. Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH hat die B 327 gekappt und müsste die Bundesstraße wieder durchgängig befahrbar machen. Das wäre gerecht, geht aber nicht, weil der Naturschutz keinen Neubau der Strecke zulässt. Gerecht wäre es dann allemal, wenn die GmbH wenigstens dafür zahlt, dass die L 194 rund um Bärenbach fit gemacht wird für den zusätzlichen Verkehr. Aber damit wird wohl nichts, da die GmbH mutmaßlich nicht für den Straßenbau in der Peripherie ihres Betriebsgeländes herangezogen werden kann. Das ist ärgerlich, weil bei Bärenbach Geld verbaut wird, das an anderer Stelle im Land mindestens ebenso gut verbaut werden könnte. Und das nur deshalb verbaut werden muss, weil die GmbH — wohl nicht zu deren Leidwesen — nicht bauen darf. Das wäre übrigens nicht weit entfernt von der oft beklagten Sozialiserung von Kosten durch private Unternehmen. Das größte Ärgernis in dieser Angelegenheit ist jedoch, dass es zwei Pläne für den Umgang mit dem fehlenden B 327-Abschnitt gibt. Dies scheint nur unzureichend kommuniziert gewesen zu sein. Die Folge davon sind sinnfreie Debatten um den Bau oder den Nicht-Bau der Umgehung Bärenbach. Für ähnliche Eingriffe in die Verkehrsinfrastruktur sollte man aus diesem Tohuwabohu lernen und Informationen an die Räte geben, die alle relevanten Details enthalten. h.jansen@volksfreund.de