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Planungs- und Gestaltungsbeirat Nationalpark Hunsrück-Hochwald gegründet

Architekturbeirat gegründet : Holz und Schiefer sollen Baukultur prägen

Zum ersten Mal in ganz Deutschland hat sich ein Architekturbeirat gegründet, der im ländlichen Raum tätig ist.

Erbeskopf Was haben eigentlich Architekten und Ingenieure in einem Nationalpark zu suchen, in dem doch die Natur freien Lauf haben soll? Diese Frage hätte man am Montagabend im Hunsrückhaus am Erbeskopf durchaus stellen können, als im dichten Nebel Dutzende von Experten zu einem Treffen in der Umweltbildungsstätte anreisten. Das Rätsel war aber schnell gelöst, denn an diesem Abend formierte sich der erste Planungs- und Gestaltungsbeirat Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Staatssekretär Thomas Griese vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz klärt in seinem Grußwort auf: "Der Nationalpark gibt nicht nur der Natur eine Heimat, sondern auch vielen Menschen, die mit ihm verbunden sind." Deshalb habe die kommunale Nationalpark-Versammlung vor einem Jahr beschlossen, einen Baubeirat zu schaffen, der der Nationalparkregion ein "unverwechselbares architektonisches Gesicht geben soll". Öffentliche und private Bauträger können solche Gremien auf freiwilliger Basis anschreiben, um eine Einschätzung ihres Bauprojektes zu erhalten.Es gibt sie bislang in größeren Städten. In Trier hat sich zum Beispiel 2004 ein Architektur- und Städtebaubeirat konstituiert, der sich mit der Restaurierung von Industrieruinen oder mit dem Beleuchtungssystem der Stadt beschäftigt hat. Aber im ländlichen Raum ist das ein Novum, so Griese. Es sei wichtig, dass auch die Baukultur den "Spirit" des Nationalparks wiedergebe.Edda Kurz, Vizepräsidentin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, erläuterte die zukünftige Arbeit des Gremiums, das sich aus Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten, Städtebauern und Ingenieuren zusammensetzt. Bauherren könnten dieses Gremium auf freiwilliger Basis kontaktieren. Es sei unabhängig, plane nicht selbst, sondern habe lediglich eine beratende Funktion. Es könne Bauprojekte im Hinblick auf ihre architektonische Qualität prüfen und zum Beispiel Verbesserungs- oder Änderungsvorschläge machen. Voraussetzung für die Unbefangenheit des Gremiums sei es, dass seine Mitglieder nicht in der Nationalparkregion wohnen. Uwe Schikorr, Ortsbürgermeister der Gemeinde Lingerhahn (Rhein-Hunsrück-Kreis) berichtete daraufhin aus der Praxis. Er hatte für die Renovierung und Erweiterung eines Gemeindehauses mit Kita und Jugendraum erstmals einen Gestaltungsbeirat hinzugezogen. Mit dessen Vorschlägen und Expertise konnte er die Sanierungspläne seinen Bürgern leichter vermitteln, da das Gremium neutral war. Was könnte der neue Beirat nun erreichen? Um diese Frage ging es in der folgenden Podiumsdiskussion.Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamtes, wies darauf hin, dass er sich natürliche Materialien als Baustoffe wünschen würde. Holz, Quarzit und Schiefer seien Materialien, auf die man sich besinnen sollte. Die Baukultur in den den Nationalpark umgebenden Gemeinden soll den Markenkern des Gebietes langfristig widerspiegeln. Der Birkenfelder Landrat Matthias Schneider erinnerte daran, dass es auch im Hunsrück eine Baukultur gäbe, die gepflegt werden sollte. Der Bau der Bundesstraße 50 neu und der damit verbundene Autobahnanschluss würde den Hunsrück vor große Umwälzungen stellen. Aktuell würden chinesische Investoren in Birkenfeld 100 Einzelhäuser bauen. Schneider: "Da ist Musik für die Zukunft drin. Der Beirat wird ein weites Arbeitsfeld haben." Der Ansprechpartner für öffentliche und private Bauherren, die den Beirat in Anspruch nehmen wollen, ist das Nationalparkamt in Birkenfeld. Die Kosten für die Inanspruchnahme des Gremiums werden mit 800 Euro Tagespauschale veranschlagt, erläutert Bianca Klein vom Finanz- und Bauministerium. KommentarMeinung

Ein besseres LebensgefühlBesonders bei größeren Bauprojekten wie etwa Verwaltungsgebäuden oder Hotels kann es sich lohnen, den Beirat hinzuzuziehen. Ein zweiter, neutraler Blick auf ein Projekt muss nicht zwingend die Kosten in die Höhe treiben, sondern kann lohnenswerte Alternativen aufzeigen. Langfristig wäre es durchaus wünschenswert, wenn sich in der Nationalparkregion ein Baustil entwickelt, der die Landschaft widerspiegelt und natürliche und vor Ort verfügbare Materialien nutzt. Das steigert die Attraktivität der Region und vermittelt auch den Menschen, die in ihr leben, ein besseres Lebensgefühl. hp.linz@volksfreund.de