Plötzlich war der Finger ab

"D'Poß kimmt" - das Bausendorfer Dorfgasthaus profitierte in der Zeit vor 1900 von den Passagieren der Postkutsche. Kaspar Hebler berichtet im Eifelvereinsblatt von 1931 vom Alltag im "Klärenhaus".

Bausendorf. (ger) In Bausendorf war vor etwa 100 Jahren am Klärenhaus (Gasthof Neuwinger) die Haltestelle der Postkutsche. Hier erfrischten sich die Reisenden schnell an einem vorzüglichen Moselschoppen oder einem leckeren Imbiss. Nicht immer hielt der Wagen an. Wollte jemand aus dem Orte mitfahren, so musste er, sobald das Posthorn schallte, auf der Klären-Treppe ein Zeichen geben.

Samstagsnachmittags versammelten sich die Männer des Dorfes im Klärenhaus, einerseits, um ein "Sölchen" (Solospiel) zu machen und ein Schöppchen zu trinken, andererseits, um sich von dem Wirt alle Neuigkeiten, die er von Postpassagieren während der Woche erfahren hatte, erzählen zu lassen.

Damals kannte man noch keine Kellner. Der Wirt, Peter Neuwinger, ein stattlicher, vornehmer älterer Herr, der beim 1. Garderegiment gedient hatte und bis zu seinem Tode so gerade ging, als ob er "den Ladestock im Rücken hätt", brachte selbst dem Gast das Schöppchen oder die Flasche, stellte sie mit freundlichem "Prost" hin und führte die Unterhaltung, bis ein anderer Gast kam.

Einmal saß im Gastzimmer der junge Bausendorfer Förster O., der wollte mit nach Wittlich fahren. Er hatte die unleidige Gewohnheit, stets zwei Finger vorn in den Flintenlauf zu stecken. Oftmals war er davor gewarnt worden. Doch lächelnd winkte er stets ab mit den Worten: "Mein Gewehr kennt mich."

An diesem Abend saß er, das Gewehr zwischen den Knien, zwei Finger oben im Lauf, da erschallt das Posthorn, er springt auf - ein Knall - ein halber Finger ist futsch. Allgemeine Bestürzung! Rasch erhält er einen Notverband. Bleich steigt er in den Wagen und kommt anderntags mit abgeschnittenem Finger zurück.