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Pole setzt auf Steillagen-Riesling

Pole setzt auf Steillagen-Riesling

Polnische Männer und Frauen sieht man oft in den Weinbergen der Mosel. Sie kommen hauptsächlich zur Weinlese als Saisonarbeitskräfte. Einer von ihnen hat sich jetzt an der Mosel sesshaft gemacht und führt inzwischen ein eigenes, kleines Weingut.

Kröv. Andrzej Greszta hat mit seinen 38 Jahren bereits ein bewegtes Berufsleben hinter sich. Er war Schlosser, Landwirt und Tanzlehrer. Jetzt ist er Winzer. Der Junggeselle hat sich in die Mosel und den Winzerberuf verliebt. Noch steht er ganz am Anfang. Sein kleines, angemietetes Weingut in der Kröver Robert-Schuman-Straße umfasst gerade mal eine Weinbergsfläche von 6000 Quadratmetern. Die Parzellen liegen in den Kröver Top-Lagen Steffensberg und Letterlay. Und sie sind ausschließlich mit rund 35 Jahre alten Rieslingreben bestockt. Im Herbst 2006 erntete er seine ersten eigenen Trauben, die ihm insgesamt 1400 Liter Wein brachten. Drei Weine hat er daraus gemacht: je eine Spätlese trocken und feinherb sowie eine edelsüße Auslese. Im vergangenen Jahr konnte er das Doppelte ernten, sein Sortiment hat er daraufhin auf fünf Weine aufgestockt.Ein halbes Dutzend Holzfässer im Weinkeller

Szenenwechsel: Wir stehen im Weinkeller, in dem ein halbes Dutzend Holzfässer liegen. Andrzej Greszta prüft mit Nase, Gaumen und Zunge seine kürzlich abgefüllte trockene Riesling-Spätlese. Er sagt nicht viel, aber seinem Blick ist zu entnehmen, dass er stolz ist. Und in der Tat: Der Wein besticht durch Frische, feine Aromen und einer moseltypischen Mineralität. Sein Handwerk hat Greszta bei Daniel Vollenweider in Traben-Trarbach gelernt. Und dieser ist in der internationalen Weinszene längst kein Unbekannter mehr. 2001 gründete der Schweizer, ebenfalls ein Seiteneinsteiger, in Traben-Trarbach sein Weingut, ein Jahr später kürte ihn der renommierte Weinführer Gault Millau zur "Entdeckung des Jahres".Drei Jahre ging der Pole bei dem Schweizer an der Mosel in die Lehre. Wesentliche Weinbergsarbeiten kannte Greszta bereits durch seine Tätigkeit als Saisonarbeiter. 1995 kam der aus Lublin stammende Mann erstmals an die Mosel, wo er in einem Kröver Weingut im Sommer bei den Laubarbeiten aushalf. Mehrere Jahre verdingte er sich bei Moselwinzern als Weinbergshelfer, machte dann die Lehre mit Besuch der Weinbauschule Bernkastel-Kues und ging danach als Fachkraft zum Leiwener Top-Weingut Carl Loewen. Vier Tage die Woche arbeitet er dort, denn sein kleines Weingut wirft noch nicht genug Gewinn ab, um davon existieren zu können. Doch vielleicht schon im Sommer dieses Jahres will er sich ganz selbstständig machen, und er hofft, in wenigen Jahren das gemietete Haus und den Keller samt Gerätschaften kaufen zu können. Andrzej Greszta liebt vor allem die trockenen Mosel-Rieslinge. Zweimal im Jahr fährt er in seine polnische Heimat, wo seine Eltern, zwei Schwestern und ein Bruder leben. Und wenn er dann seine eigenen Moselweine ausschenkt, sind seine Eltern mächtig stolz auf ihren Sohn. Die zwei 2006er Spätlesen hat Andrzej Greszta bereits verkauft. Ein Trierer Gastronom und zwei Berliner Weinhändler sind seine Hauptkunden. Natürlich liegt es für ihn nahe, seine Produkte in Polen zu vermarkten. Und auch in Russland sieht der Moselwinzer, der perfekt russisch spricht, gute Absatzchancen. Greszta, der seine Weine bereits als Gast bei der Präsentation des "Klitzekleinen Rings" in Traben-Trarbach vorstellen durfte, beschreibt sein Weingut, in einer kleinen, fein aufgemachten Broschüre so: "Frische Weine, viel Erfahrung". Innerhalb der Kröver Winzerschaft ist "der Pole" akzeptiert. Sie stehen ihm auch mit Rat und Tat zur Seite. Bei der Weinpräsentation der Kröver Winzer am Pfingstsonntag, 17 Uhr, in der Mittelmoselhalle, ist auch das Weingut Greszta mit drei Weinen vertreten. Alle drei Proben sind bei der verdeckten Vorprobe für gut befunden worden.