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Politik reagiert auf Schließung der Jugendherberge in Traben-Trarbach

Kostenpflichtiger Inhalt: Tourismus : Ärger über Schließung der Jugendherberge

Bürgermeister Marcus Heintel ist über das Aus der Unterkunft überrascht und sauer. Es habe vorher keinerlei Gespräche gegeben.

Die Nachricht erwischte den Traben-Trarbacher Stadtbürgermeister Patrice Langer völlig unerwartet: Das Deutsche Jugendherbergswerk will die Herberge in Traben-Trarbach schließen. „Ich habe erst durch den Volksfreund davon erfahren, dass die Herberge geschlossen wird. Das finde ich superschade. Ich wohne gegenüber, und da war immer viel los. Das verstehe ich nicht,“ ärgert sich Langer.

Schöner Blick auf die Mosel: Die Jugendherberge liegt am Hirtenpfad oberhalb von Traben und bietet einen schönen Blick ins Moseltal. Damit wirbt sie auch im Internet auf ihrer Homepage: „Die Jugendherberge bietet einen schönen Blick auf die Mosel und ist ein begehrter Ausgangspunkt, um die Schönheit und Unverwechselbarkeit des Moseltals kennenzulernen. Stil und Flair der Wein- und Jugendstilstadt Traben-Trarbach an der Mittelmosel zeigen sich an den romantischen Fachwerkhäusern.“ Die Jugendherberge verfügt demnach über 172 Betten in Einzel- und Mehrbettzimmern, die alle mit Dusche und WC ausgestattet sind. Insgesamt elf Gemeinschaftsräume und freies W-Lan runden das Angebot ab. Aber damit ist jetzt Schluss (der TV berichtete am 3. April).

Jacob Geditz, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Jugendherbergswerkes, erklärt, warum die Jugendherberge geschlossen werden soll: „Aktuell ist die Situation so, dass im Zuge der Corona-Krise alle Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland geschlossen sind. Dies führt zu einem kompletten Wegfall unseres Geschäftsmodells und zu Einnahmeverlusten von mehreren Millionen Euro und gefährdet aktuell die Existenz des gesamten Verbandes.“

Brandschutzsanierung: Geditz verweist auf ausstehende Brandschutzsanierungsmaßnahmen, weswegen die Jugendherberge in Traben-­Trarbach geschlossen werden sollte, um die Modernisierung umzusetzen. Aber: „Wegen des jetzt angeordneten Verbotes, im Zuge der Corona-Krise Gäste aufzunehmen, ist die Schließung bereits jetzt erfolgt. Da die gegenwärtige Krise existenziell für die Jugendherbergen ist und durch die Null-Belegung keine Einnahmen mehr vorhanden sind, stellt uns dies vor große finanzielle Probleme,“ sagt Geditz weiter. Es sei nicht absehbar, wie lange diese Entwicklung noch anhalten werde. Von daher könne er keine verantwortliche Aussage zur Umsetzung und Finanzierung der ursprünglich vorgesehenen Modernisierungsmaßnahme in Traben-Trarbach machen. Die möglichen Kosten belaufen sich, so Geditz, auf drei Millionen Euro.

Verärgerte Bürgermeister: Mit Empörung reagierte auch Marcus Heintel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, auf die drohende Schließung. Er hat noch am Freitag einen Brief an das Jugendherbergswerk geschrieben. „Ich bin gestern von dem Hinweis, dass die im Jahr 1971 eröffnete Jugendherberge Traben-Trarbach geschlossen werden soll, wirklich erschüttert worden. Heute habe ich davon dann auch im ,Trierischen Volksfreund’ lesen müssen.  (...) Wenn die wirtschaftlichen Probleme so immens gewesen sein sollen, so frage ich mich, warum nicht schon eher der Kontakt zur Verbandsgemeinde und zur Stadt Traben-Trarbach gesucht wurde,“ schreibt Heintel.

Er erinnert an ein „konstruktives und gutes Gespräch“ im Sommer 2018, an dem auch Stadtbürgermeister Langer teilgenommen habe. Darin ging es um den anstehenden Investitionsbedarf des Hauses. Eine Sanierung des Hauses in Traben-Trarbach sei damals in Aussicht gestellt worden, zumal die Zahlen über die Belegung positiv gewesen seien.

Alles wegen Corona? Heintel habe zudem darauf aufmerksam gemacht, dass im Bereich Hirtenpfad, quasi vor der Haustür, in den nächsten Jahren ein neuer Bahnhaltepunkt realisiert werden soll, was zu einer noch besseren Anbindung auch der Jugendherberge und damit zu einer weiteren Steigerung der Attraktivität führen dürfte. Heintel fragt: „Und jetzt auf einmal soll das alles durch Corona nicht mehr realisierbar sein? (...) Dass dies jetzt allein durch Corona bedingt zur vollständigen Schließung führen soll, halte ich für ein nicht nachvollziehbares Argument.“ Zudem habe es seitens des Jugendherbergswerks seit 2018 keine Äußerung oder Kontaktaufnahme gegeben. Für die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach und die Stadt sei die Jugendherberge eine wichtige Beherbergungsstätte. Sowohl die kommunale Familie als auch das Jugendherbergswerk sollten daher gemeinsam ein Interesse am Weiterbetrieb der Jugendherberge haben. Sie liege mit einer Zimmerauslastung von 58 Prozent im oberen Drittel der 41 aktiven Herbergen in Rheinland-Pfalz. Heintel hat deshalb die Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis um ihre Mithilfe beim Erhalt  der Jugendherberge  gebeten.

Wie ist die Situation in Manderscheid und in Bernkastel-Kues, wo es ebenfalls Jugendherbergen gibt? Manderscheid sei nicht betroffen, so Gebitz. Allerdings ist die Jugendherberge in Bernkastel-Kues seit einiger Zeit  geschlossen und ein Neubau ist geplant. Hier gelte dieselbe Regelung wie in Traben-Trarbach.

Gelassenheit in Bernkastel-Kues: Den Stadtbürgermeister von Bernkastel-Kues, Wolfgang Port, lässt diese Nachricht kalt. „Wir haben für den Neubau einer Jugendherberge den Bebauungsplan geändert. Es gibt einen Investor und eine konkrete Planung, so dass das Gebäude nach Fertigstellung zum 1. Januar 2022 eröffnet werden könnte.“ Die alte Jugendherberge an der Burg Landshut sei schon seit längerem geschlossen. Ob jetzt das Jugendherbergswerk das neu zu bauende Gebäude pachtet oder ein anderer Betreiber – etwa ein privates Hostel – diese Frage sei noch nicht beantwortet. Aber Port ist zuversichtlich: „Da wird sich schon ein Pächter finden. Übrigens hat die Jugendherberge Traben-Trarbach in den letzten Jahren ja davon profitiert, dass die Herberge in Bernkastel-Kues geschlossen ist.“