Polizeibeamter aus Gerolstein soll polizeiinternen Daten weitergegeben haben

Kostenpflichtiger Inhalt: Amtsgericht Wittlich : Von Dienstgeheimnissen und einer Jagdflinte in der Eifel

Hat ein Polizeibeamter einen Freund mit polizeiinternen Daten und einer Jagdwaffe „versorgt“? Das Amtsgericht Wittlich muss diese Frage klären, die Angeklagten schweigen.

Das Wittlicher Schöffengericht verhandelt gegen einen 47-jährigen Polizeibeamten aus der Verbandsgemeinde Gerolstein. Ihm werden die Verletzung des Dienstgeheimnisses und der Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Mit angeklagt ist ein 55-Jähriger aus der Vulkaneifel. Ihm wirft Staatsanwältin Karin Schneider-Oberbeck vor, Anstifter und Nutznießer gewesen zu sein. Der 55-Jährige ist nicht im Dienst der Polizei, wie im Vorfeld irrtümlich berichtet wurde.

Laut Anklage soll der Polizist N. für W. Informationen aus dem Polizeisystem Polis abgefragt haben. Außerdem sei W. vom Waffenberechtigten N. mit einem Schrotgewehr, einem Zielfernrohr und passender Munition ausgestattet worden, ohne dafür die Erlaubnis zu besitzen. Die Vorgänge sollen sich in den Jahren 2016 und 2017 abgespielt haben.

Als erster Zeuge schildert ein Polizeibeamter, wie ihn „eine Vertrauensperson“, die er nicht nennen will, auf die Waffentransaktion zwischen N. und W. hingewiesen habe. Es folgten Ermittlungen mit Hausdurchsuchungen bei N. und W., wobei auch die Handys der beiden in die Hände der Kripo gerieten. Anhand der Handydaten stellte sich wiederum heraus, dass N. dem W. mehrfach mit polizeiinternen Daten aus dem System Polis versorgt hat.

Vor dem Wittlicher Schöffengericht wollen sich die beiden weder zur Person noch zur Sache äußern. Dann wird es kompliziert, als der bei den Ermittlungen federführende Beamte der Kripo Trier die Daten erläutert und die Verteidiger Peter Krieger (Bonn) und Jordana Wirths (Köln) ständig nachhaken und nach Widersprüchen forschen. Die Verteidiger vermissten genauere Informationen. Vorsitzender Richter Stefan Ehses schickt den Zeugen zunächst zurück nach Trier, auf dass er sich bei der Dienststelle weitere Datenträger besorge.

Szenen einer Nachbarschaft präsentiert eine Zeugin aus einem kleinen Ort bei Gerolstein, die beide Angeklagte schon als Kinder kannte: „Das waren gute Schulfreunde, und später haben die sich wiedergetroffen“. Sie hat sich selbst in Schwierigkeiten gebracht, als bei W. wegen der Waffensache das Haus durchsucht wurde und sie auf Bitten desNachbarn das Gewehr bei sich versteckte. Die Frau ist später selbst zur Polizei gegangen, denn: „Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Wie konnte ich da nur rein geraten?“

Aber der W. sei halt so ein Typ, der die Leute wie seinen Freund N. immer wieder rumkriege nach der Methode „mach doch mal eben“. Ihr sei es mit ihm ja auch so gegangen. Seit sie wegen der Gewehraffäre bei der Polizei war, sei es mit der guten Nachbarschaft aber vorbei. Die Zeugin: „20 Jahre war ich für den die Sozialstation, nun nennt er mich die Hur‘. Als er mich das erste Mal so genannt hat, war auch der N. dabei.“

Dann plaudert sie weiter über ihren Nachbarn und dessen Freund, und erzählt von drei gewilderten Junghirschen, die sie geschossen und für 1000 Euro nach Blankenheim verkauft haben sollen, oder von Heizöl, mit dem W. seinen Lastwagen betankt haben soll. Die Staatsanwältin befragt die Zeugin äußerst ausgiebig und notiert eifrig.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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